Mittwoch, 31. Oktober 2018

Das Mittagsmagazin und die alten Männer in der CDU

Eben haben wir Volkes Stimme gehört, sagt Herr Lehmann im Mittagsmagazin, der Lehmann, der immer Dooaatmund sagt und immer 'seinen BVB' einbauen - und mit einem "jouu" - vor jedem Beitrag des Grauens - unbedingt Volkes Stimme und Pott-Verbundenheit dokumentieren muss. Diesmal bezeichnet er also die Blödis, denen mal wieder in Berlin ein Mikro vor die Nase gehalten wird, während alle anderen, mit Hirn ausgestatteten Passanten, schon abgewunken und ihren Weg fortgesetzt haben, als Volkes Stimme. Und so blubbern die Rentner und Studentinnen irgendwas zu Mampkrarrenbrauer und Kärz und Spärkel und Maan und sind in ihrer Blödheit repräsentativ.

Am nächsten Tag wieder Lehmann und - jou - Dooaatmund - im Mittagsmagazin. Merz kann sich durchsetzen heißt es, Spahn steht für Werte, Bosbach wird interviewt und ist natürlich für Merz und mit ihm befreundet und der Lehmann meint, Merkel habe Merz seinerzeit weggebissen. Weggebissen. So sagt man wohl in diesen Kreisen.
Sie sind wieder da. Die Zombies und ihre dummen Sprüche, von denen wir schon dachten, sie hätten sich endlich erledigt. Aber das dachten wir ja auch schonmal von der Volksmusik, Heino, Roland Kaiser, Saufliedern und dem Faschismus. Alles wieder da.

Soso. Frauen beißen weg und Männer setzen sich durch, auf dem Bierdeckel den Humpen und die Steuererklärung. Wie lange war Frau Merkel Bundeskanzlerin?
Wenn sich die Reaktionäre und Männerbündler die CDU zurückholen, könnte die AfD unter 5% fallen und die Grünen, als bürgerliche Mitte, erreichen 30% - ganz neue Perspektiven. Also: weiter so.

Montag, 29. Oktober 2018

Der hesslische Deutsche zwingt zum Umdenken

Wahl in Bayern - Wahl in Hessen - zwei schallende Ohrfeigen. Ist irgendetwas angekommen?
Frau Nahles ist natürlich angefressen, redet aber wieder nicht von Inhalten, sondern einmal mehr von Erneuerung und wieder einmal von einem - diesmal aber ganz neuen - Fahrplan. Noch ein paar solcher Fahrpläne und die Sozialdemokratie wird, wie überall in Europa, bald ganz verschwunden sein. 
Die Irren und die Rechtsnationalen profitieren wie immer, die AfD grinst feist über Zuwachs und wird weiter auf die Jagd gehen, um unsere demokratische Ordnung ganz zu erledigen.

Aber dann: Frau Merkel wird den Parteivorsitz aufgeben. Ein Erdbeben. Ein Signal? Nein. Seehofer bleibt. Die Idioten bleiben. Wie überall. Auch Rücktritte von Trump und Putin, von Erdogan und Orban bleiben ausgeschlossen. Auch ein Signal.

Da sind wir schon beim nächsten Thema. Rücktritt geht nur in einer Demokratie.
Und da sind wir schon wieder beim Thema. Die Gesellschaft hat sich verändert, ja, sogar die Welt hat sich verändert. Und so hat sich die Parteienlandschaft verändert und so verändern sich auch die Wahlergebnisse.
Und ich rede hier nicht einmal von den Philippinen oder Brasilien. Noch nicht einmal von Österreich.

Doch, wir leben hier in einer Demokratie, Sender werden noch nicht abgeschaltet, Zeitungen noch nicht verboten, Richter noch nicht entlassen. Wenn ich hier ein kritisches Stück auf die Bühne bringen will, können dafür Zuschüsse verweigert werden, aber ich komme nicht ins Gefängnis. Dafür bin ich dankbar.

Wir sehen: Wahlen entscheiden im Augenblick, ob wir uns im Geiste einer demokratischen Ordnung weiter entwickeln wollen, oder ob auch wir den Weg des rechtsnationalen Irrsinns gehen.
Viele Politiker weigern sich nach wie vor, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen.
In Bayern quatschten die Dummköpfe der CSU noch am Wahlabend immer noch vom linken Lager und der bürgerlichen Mitte, sich selbst meinend. Einfach mal genau hinschauen: Wenn es eine neue bürgerliche Mitte geben sollte, dann wird sie von den Grünen repräsentiert.

Die Rechtsnationalen in der CSU und anderswo denken nur noch an die nächste Wahl, an Prozentpunkte und segeln im Windschatten des unerträglichen, populistischen Geschwätzes, um Stimmen zu fangen.
Hessen und Bayern haben gezeigt: Es gibt keine 'Volksparteien' mehr und auch keine politischen 'Lager'. Zwei Blöcke und ein Zünglein an der Waage sind eine Erinnerung aus grauer Vorzeit. Damals gab es auch noch Telefonzellen und noch keine 'rauchfreien Krimis'.

Was es gibt, ist eine Menschheit, die sich in Bewegung befindet und was es gibt, sind immer extremeren Reaktionen darauf. Europa- und Demokratiefeindlichkeit, Abschottung, Zäune und Mauern. Lügner, die 'Lügenpresse' schreien, Schläger auf den Straßen, eine Partei, die dazu verbal trommelt und prügelt, flankiert von Dummheit und Sprachlosigkeit, Twitter und dem Netz.

Auf der einen Seite sehen wir die populistisch-rassistischen Rechtsnationalen, die uns von einer Hetzjagd zur nächsten treiben wollen und auf der anderen Seite die vielen Menschen, die Menschen sein wollen. Und es gibt auch die Politiker, die Weltoffenheit und Menschlichkeit für einen Wert halten und zur Vernunft neigen. Einer der Gründe für den Zuwachs bei den Grünen. Und genau das macht Mut.

Und Frau Merkel?
Alle haben so lange geschrien „Merkel muss weg“ und geschrieben „Kanzlerinnendämmerung“ und gesagt „nicht mehr unumstritten“ und sie an den Galgen gezeichnet und ihre Fotos mit Hitlerbärtchen manipuliert und Gift gespritzt und von „Herrschaft des Unrechts“ schwadroniert und gebrüllt „Hau ab“ - bis in Vergessenheit geriet, dass Deutschland eines der wenigen europäischen Länder mit einem denkenden, vernunftbegabten Menschen an der Spitze gewesen war. Und was kommt jetzt?

Mit welch ruhigen, vernünftigen Argumenten sie heute begründet hat, warum sie der Demokratie dienen wollte und was zu lernen sei... Hut ab, sage ich. Genau das ist der politische Stil, der heutzutage immer seltener zu finden ist. Ich hoffe nur, dass wir uns nicht alle noch wehmütig umsehen werden, wenn wir uns an ihre Amtszeit erinnern werden.

Montag, 24. September 2018

Seehofer raus!

Ob arm ob reich, ob dumm oder einigermaßen weniger dumm: Viele verabschieden sich im Augenblick auf Nimmerwiedersehen von der Demokratie. Auch weil Seehofer auf alles herumprügelt, was Vernunft oder Merkel heißt.
Und weil seine Kleinkriege immer hasserfüllter werden. Ohne Punkt und Komma wird Gift gespritzt und dankbar von den Rechtsnationalen weiter verarbeitet.
Aber Vorsicht: es gibt durchaus einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.
Dem nähern wir uns mit Riesenschritten.

An der Spitze von Behörden sitzen Leute, die, statt unsere Demokratie zu schützen, das Geschäft derer betreiben, die unsere demokratische Ordnung bekämpfen. Ganz offen. Ausländer und Journalisten werden von Nazis gehetzt und angegriffen und Maaßen, der Chef des Verfassungsschutzes, setzt Lügen in die Welt und bezweifelt die Tatsachen, natürlich in einem Interview mit 'Bild'. Das Leugnen von Beweisen, die Verdächtigungen, all das führt nur zur Bestätigung des so genannten 'gesunden Volksempfindens'.
Die öffentliche Meinung verwandelt sich in eine einzige braune Pampe.

Und wie reagiert die Regierung, die Schaden vom Volk abwenden soll, auf diesen Affront?
Mit demonstrativer Rückendeckung des zuständigen Ministers, der wiederum diesen untragbaren Beamten schützt und - ihn befördert. Und die Koalitionäre? Die stimmen zu, denn sonst geht die Macht verloren.

Die prompte Reaktion flächendeckend: Ein paar Punkte mehr für die AfD, noch mehr zerstörtes Vertrauen, Shitstorm gegen die ‚Eliten‘. Fassungslosigkeit aller Orten und die Frage 'Wo bleibt die Vernunft', oder einfach ein Rest von Anstand? 
Die einzig mögliche Reaktion bleibt nämlich aus: Einstweiliger Ruhestand für den hinterhältigen Verfassungsschützer und Entlassung des Innenministers.

Stattdessen wird der Vorgang eine kabarettreife Nummer.
Und da - wacht plötzlich die Nahles von der SPD auf und will eine Korrektur, weil die Umfragen in den Keller rasseln. Also: Neue Beratung. Was kommt dabei heraus? Endlich die einzig mögliche Reaktion? Nein. Jetzt wird der Lügner von Seehofers Gnaden auch noch zu seiner rechten Hand. Aber - er verdient nicht mehr, sondern genau soviel wie vorher. Tolle Korrektur.

Die Rechtsnationalen sitzen in der Regierung. Seehofer und sein Sekretär Maaßen, Seit' an Seit'.
Die AfD jubelt und marschiert Seit' an Seit' mit dem Nazi-Mob. Dann sind da noch die Polizisten, die klammheimlich still halten, wenn Nazi-Schläger die Straße stürmen, ob in Chemnitz oder Dortmund. Da gibt es den Ministerpräsidenten, der Hetzjagden ausdrücklich leugnet.
Da gibt es die V-Leute, die vom Verfassungsschutz niemals verraten werden, wer mit Attentätern zu tun hatte, da gibt es die Verwaltungen, die nicht herauszufinden in der Lage sind, wer abgeschoben werden muss, da gibt es die AfD-Klöpse mit Deutschland-Hütchen, die vom Dienst im Landeskriminalamt zum nächsten Aufmarsch pilgern und Journalisten von der Polizei festhalten lassen.

Die Regierung wird scheitern am Trumpismus Seehofers. Und dann?
Bald ist es zu spät. Also: Seehofer raus! Schluss mit dem Spuk.

Donnerstag, 6. September 2018

Chemnitz: Lügen, Mob und Videos

Es ist einfach nur noch unerträglich. Das Land verändert sich. Auch in Deutschland werden Lügen durch ständige Wiederholung zur Wahrheit umdefiniert.
Das Netz quillt über von Gerüchten, Fälschungen, Hass. Und von Aufrufen die Straße zu erobern, Ausländer zu jagen, zu töten, wo auch immer etwas 'passiert'.

Nach Kandel also Chemnitz. Alle konnten es sehen: Kameraleute wurden verprügelt, Menschen gejagt, ein Brüllen und Geifern, dazwischen ein versprengter Haufen überforderter Polizisten, ein Mob prügelt sich die Straße frei.

Einen Tag später: Schläger, Hetzer, Nazis und Rechtsnationale Arm in Arm mit AfD-Funktionären,
Hetzer schreiten Seit an Seit
im Gefolge die Mitläufer, die immer noch behaupten sie seien 'besorgte Bürger'. Sie decken die Jagdszenen in Sachsen. Sie sind die brave Begleitung der neuen Nazis. 

Eins ist klar: Sie können nicht mehr behaupten, sie hätten von nichts gewusst.
Schläge, Steine, Böller, Gewalt und Geschrei. Tätowierte Idioten, Hitler-Hooligans, Hackfressen, Ärsche und brüllende, hässliche Gestalten, die mit Hitlergruß die Straße stürmen.

Keine Zeit für Trauer, keine Zeit für Vernunft. Es ist nur noch zum kotzen.

Es gibt doch schon genug Dumme, Besoffene, Motorradgangs, Türsteher, Mafiosi, die uns terrorisieren. Es gibt Fundamentalisten, die Gläubige manipulieren, Clan-Familien, die ganze Stadtviertel beherrschen. 
Jetzt macht die Nazi-Bewegung mobil um unsere Demokratie in Stücke zu schlagen - und diese Pappfigur, die sich Ministerpräsident nennt, stellt sich nach der Straßenschlacht von Chemnitz tatsächlich noch vor das sächsische Parlament und sagt: 
"Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd, es gab kein Pogrom".

Seit Trump kennen wir das ja zur Genüge: Lügen, Tatsachen leugnen, Verdrehungen, trotz aller Fakten. Wem will dieser Kretschmer damit dienen, die Dinge nicht beim Namen zu nennen?
Das Entsetzen kann immer noch gesteigert werden.
Die Politiker, die immer noch verharmlosen, sind die Wegbereiter künftiger Gewaltherrschaft.

Einen Tag später: "Migration ist die Mutter aller Probleme" sagt Seehofer und gibt den Freibrief für den nächsten Aufmarsch.
Die Politiker um ihn herum winden sich, oder relativieren seinen Satz. Die Dummen klatschen Beifall und die Schläger organisieren die nächste Hetzjagd - ja: Hetzjagd!

Aus einem Gedicht von Erich Kästner:

"Ihr kommt daher und laßt die Seele kochen.
Die Seele kocht, und die Vernunft erfriert.
Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert,
weil dann gesungen wird und nicht gesprochen."

Nach Ungarn, Türkei, Polen, Österreich, Italien ... 
Wir müssen uns wehren, sonst wird Deutschland, unser Land, sich auch noch einreihen müssen.

Donnerstag, 30. August 2018

Verlorene Erde

Der Untergang naht. Gewitter ziehen durch. Heftig, mit Hagelschlag und Sturm. Es wird kühler. Jetzt kann ich wieder schreiben.

Es war nicht nur heiß, es war so heiß wie noch nie. Und plötzlich bemerkten die Medien, sie könnten zu dem Thema doch einmal einen Wissenschaftler befragen. Das Wetter hatte es in die Nachrichten geschafft. Fotos aus der ISS zeigten einen braunen, verdorrten Kontinent Europa und in Kalifornien wüteten die größten Waldbrände aller Zeiten - die Rauchsäule war bis in den Weltraum zu sehen.

Der Planet leidet an Überhitzung. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben Wissenschaftler davor gewarnt, dann hieß es, bis Ende der 80er Jahre könne die Katastrophe noch aufgehalten werden. „Jetzt ist der Klimawandel da“, sagt ein Wissenschaftler, nicht per Twitter, sondern auf einer Pressekonferenz. „Keine Fake News“, sagt er in Richtung Trump.

Im Magazin der ‚New York Times’ erscheint ein Artikel: ‚Losing Earth: The Decade We Almost Stopped Climate Change’ von Nathaniel Rich.
Georg Diez vom ‚Spiegel‘ ist beeindruckt und schreibt:
„Mit einem Knall wird deutlich, in der nicht nachlassenden Hitze dieser Wochen, was es bedeutet, im Zeitalter der Katastrophe zu leben. ... Die Welt nähert sich dem Abgrund, doch statt zu handeln, stecken wir den Kopf in den trockenen Sand. Warum weckt der mögliche Untergang der Menschheit so wenig Interesse?
Die Antwort auf diese Frage ist ... eine Antwort auf verschiedenen Ebenen, und die deprimierendste davon ist die der aktuellen Politik, die eben vor allem Politik- und Lösungs-Theater ist, ein Phantasma der Machbarkeit und Beherrschbarkeit, das sich in Begriffen wie ‚Obergrenze‘ abbildet. ... Die Klima-Krise, so hat es der indische Schriftsteller Amitav Ghosh in seinem Buch ‚Die große Verblendung‘ beschrieben, ist auch eine Krise der Kultur und vor allem eine der Imagination, der Vorstellungskraft, der Bilder, Visionen, der Sprache und der Geschichten. Die Literatur, das ist die These von Ghosh, scheitert daran, vom Untergang des Menschen zu erzählen, weil ihr die Erzählmuster und damit der rationale Rahmen fehlen.“

Eine gute Beschreibung. Seit Jahren können wir besagte Folgen beobachten und niemand kann wirklich überrascht sein, dass die Fähigkeit zur Imagination mehr und mehr verblasst, wenn wir uns in der Welt der Medien, der Netzwerke oder des Performance-Theaters umschauen. Es fehlt Kunst, es fehlen Stücke, Philosophie, Erzählungen, es fehlt einfach die Phantasie. Stattdessen eine Flut von News, Statistiken und Recherchedaten. Dazu ein andauernden Wettlauf um jede kleine Skandalgeschichte, um Verschwörungen, Hackerangriffe, gefälschte oder schockierende Bilder.
Und die immergleichen Simpel-Antworten. Wer ist Schuld an Kriegen? Beide Seiten, oder natürlich die Juden, die Flüchtlinge, der Westen. Der böööse Putin heißt es dann ironisch von manch kluuugem Kabarettisten.
Und schon sind auch diese Wahrheiten verzerrt. Ja. Putin führt Krieg und sperrt die Opposition ein. Weshalb ausgerechnet hier der süffisante Unterton? 
Foto: Alexander Gerst aus der ISS - Rheingegend. Verbrannte Erde.

Und die Gluthitze in diesem Sommers? Der böööse Klimawandel... Ein Ausreißer? Nein. Seit 2014 steigen die Temperaturen kontinuierlich. Der Klimawandel ist da. Wenn wir schwitzen, glauben wie plötzlich zumindest, dass es heißer wird, weil wir es am eigenen Leib spüren. Und wer ist Schuld? Natürlich die Merkel, die mit den heruntergezogenen Mundwinkeln. Witzig.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Kultur und der Blindheit gegenüber den Szenarien des Untergangs? Eindeutig ja.
Wir sind unempfindlich geworden gegenüber der näher rückenden Katastrophe, weil wir überhaupt unempfindlich geworden sind. Die echten Bilder von zerbombten Häusern, weinenden Frauen, schreienden Männern sind austauschbar. Wir wissen nicht mehr welcher Krieg da gerade über den Bildschirm tobt. Auf den Bühnen Betroffenenmonologe, im Kabarett Säulendiagramme. Menschengeschichten, die uns berühren könnten - beiseite geschoben. Aber ohne sie zu sehen, können wir uns kaum mehr ein Schicksal vorstellen. 'Flüchtlingsströme', eine abstrakte Bedrohung, die wir aufhalten können, indem wir die Grenzen schließen. Welche Grenzen? Grenzen in der Wüste, im Dorf, im Lager, in ganz Europa? Um die Flut aufzuhalten? Menschen werden zu Wellen. Die Ströme bestehen nicht mehr aus Menschen.

Und der steigende Meeresspiegel - wie soll der aussehen? Das kann, das will sich schon keiner mehr vorstellen. In der Tat: Dem Menschen kommt die Imagination abhanden.
Warum hat er verlernt Geschichten zu lesen, Bilder zu erfassen oder gar Kunst zu verstehen?
Statt Theater zu besuchen, geht er, das Smartphone im Anschlag, ins Musical, ins Kaufhaus, zur nächsten Schlägerei. Jede Lüge wird geglaubt, jeder Betrüger wird zum Retter. In der Schule müssen tobende Kinder gebändigt werden. Theater, Musik, Bildung spielen auch hier keine Rolle mehr. Und auf der Straße - aufgepumpte Vollidioten, kurz vor dem Platzen, panische Pferdeschwänze mit riesigen Rucksäcken, überbesorgte Mütter, überbegabte Kinder... ja, ich hör ja schon auf.

Eine Reizung erfahren diese Konsumenten nur noch durch Performance und Flashmob im öffentlichen Raum. Überraschung. Das Sinfonieorchester auf der Einkaufsstraße. Wenn der Konsument nicht mehr ins Konzert geht, kommt das Orchester eben in die Einkaufsstraße. Gefühle kommen aus dem Herzkino, das Lachen aus den Comedy-Waschsalons - sauber bedient.
Politiker reden ununterbrochen von Erzählung (die Erzählung Europas), aber nichts wird erzählt.
Wir verdorren in unserer Dumpfheit, schauen wir gebannt in den Himmel, stöhnen unter der Hitze und erwarten den Einschlag des Blockbuster-Meteoriten, der alles Leben vernichten wird.
Aber es bleibt nur eine Wüste stacheliger Twitter Sträucher und ein brennender Facebook Dornbusch, den wir, wie befohlen, anbeten. Die Katastrophe ist da.

Montag, 27. August 2018

#aufstehen - die Wagenknecht kommt!

„aufstehen“. Ja, klar. Immer.
Aber ich will nicht schon, wenn der Wecker klingelt, an Sahra und Oskar denken müssen. 

„Aufstehen“ ist keine Bewegung, sondern Werbung für eine Propagandaplattform, die vertuschen will, dass sie eine Propagandaplattform ist. Hört sich komplizierter an als es ist. Immerhin gibt es Videoclips um das alles zu verstehen. Da gibt es diese typischen, ganz natürlichen Menschen, die ganz natürlich über ihre Sorgen und Nöte sprechen. In Zeitlupe mit kitschiger Musik untermalt, stolpern die Befragten ganz natürlich über ihre eigenen Sätze, damit es natürlich wirkt. Also authentisch. Diesmal aber erzählen sie nicht von ihrer Vergesslichkeit, finden keinen Optiker toll und werben auch nicht für Abführtropfen - jetzt wollen sie: ‚aufstehen’.

Die ehrliche Empörung, die wir tatsächlich brauchen, wird so auf der Wagenknecht-Werbeplattform zu Klein-Erna-Statements gegen die da oben.
Bemerkung am Rande: Schon Dieter Hildebrandt sagte einst über das Fehlen guter Rhetoriker und Redner in der Politik: „Sie kalkulieren ihre Empörung“.

Die Macher haben begriffen, dass in unserer Schreihals-Gesellschaft gegen die da oben, eine Partei von da oben skeptisch betrachtet wird. Also wollen Oskar und Sahra ihre populistische anti-westliche, pro-russische, Merkel-Muss-Weg-Politik unter die Leute bringen ohne sich verraten zu müssen. Und das geht am besten in einem großen Mustopf, in dem alles verrührt wird, damit keiner mehr erkennen kann, woher die Zutaten dieser Pampe kommen.

Stürzen wir uns in die Werbeclip-Wüste der Bewegung.
Steve, der im Garten seinen Hund Whiskey streichelt, will Gerechtigkeit, Andi, der Lehrer („Ich bin der Andi“) macht Musik und sagt „sag ich mal“ - für eine neue Schule eintreten zu wollen - was für eine Überraschung. Daher läuft er natürlich im Gegenlicht und in Zeitlupe eine Treppe hinauf.
Andi, Margot, Barbara: Clip as Clip can
Barbara, Tierschützerin, will 
Tiere schützen, Margot, die Rentnerin, auch. Sie küsst ihren Hund, die alte Fellnase, auf die Schnauze. Bei Jenny, Studentin, ist die Musik schon ein bisschen schneller und fröhlicher, während sie in Zeitlupe ein Rad schlägt. „Ich befass mich in der Masterarbeit gerad so n bisschen mit Großkonzernen...“ Aha. Sie hat einen Nasenring und teilt ihre Sorgen mit uns: „was mir so n bisschen Sorgen bereitet... sind die großen Konzerne. Das macht mir Sorgen“. Wegen was? „Wegen regionaler Produkte. Hier geht Identität verloren.“ Aah, die Identität. Sie wünscht sich „Wahrung kultureller Eigenständigkeit“, Die Identität ist in Gefahr. Durch wen oder was nochmal? Von Flüchtlingen ist nur indirekt die Rede. Wir wissen nur, den Fremden vertragen wir nicht in zu hohen Dosen. Denn er ist „Konkurrent um die knappen Ressourcen“. Genau. Und jetzt?

Jetzt kommen, wie immer wenn es um ein Bekenntnis geht, die deutschen Intellektuellen und Künstler ins Spiel. Früher mussten sie nur Unterschriften beisteuern (schreiben konnten sie ja) - heute teilen sie als 'Follower' Petitionen. 
Oder sie werden Unterstützer - wie Anette Humpe und Nina Hagen - oder Dramaturg Stegemann vom Berliner Ensemble. Er schreibt über 'den Flüchtling', er sei ein Fremder, "dessen unbekanntes Verhalten zu Verunsicherung führen kann". Dem Volk aufs Maul schauen. Natürlich-tragische Geigenmusik zum Film: Deutschland dem deutschen Arbeiter. Wenn das der Brecht wüsste.

Die Medien überschlagen sich für #Aufstehen. Also, genauer: die russischen Staatsmedien. Hier werden normalerweise Filmclips gefälscht und genau die Lügen in die Welt gesetzt, die einen halbnackten Zaren zum Helden für Frieden und Freiheit aufblasen sollen. Geht meistens schief. Egal. Wenn alles gelogen ist... Trump  hat den Sender FOX - und Putin hat 'Russia Today'. Hier schwadronieren Rechtsnationale aus aller Welt - und natürlich ist Frau Wagenknecht Dauergast. Alles und alle gegen die verhasste Demokratie.

Überhaupt: Obwohl der nackte Reiter alles abräumt, was sich in den Weg stellt, die Opposition einsperrt, in Syrien Krieg führt, natürlich auch in der Ukraine, lange schon in Tschetschenien, oder einfach die Krim annektiert - wir finden auf der Plattform niemanden, der hier gegen Krieg wäre, auch keine noch so kleine Kritik an Moskau. Ludger Vollmer, Altgrüner, plappert auf der Gründungspressekonferenz trotzdem über Pazifismus. Wie dumm kann man sein? Kaum zu glauben, dass Menschen vorgeben für Demokratie und Frieden zu sein und sich gleichzeitig zwischen Nationalisten und Anhängern der Diktatur eines Geheimdienst-Simpels einreihen. So wird der Begriff 'Linke' vollends ad absurdum geführt. Auf zur Pegida-Demo. Da wird auch gebrüllt: "Hilf uns Putin!".
Wie um diese Doppelmoral zu bestätigen, bleiben die Luftschläge der Russen und der drohende Giftgasangriff in Syrien unerwähnt. Die „Zeit“ schreibt zur Frage eines Eingreifens: „die Linke verwahrt sich gegen einen drohenden 'Völkerrechtsbruch', der sie allerdings immer nur dann empört, wenn westliche Kräfte daran beteiligt sind.“

Früher waren aufrechte Intellektuelle noch gegen jeden Einsatz von Giftgas, gegen jeden Krieg,  Sie schrieben und inszenierten 
gegen jede Gewaltherrschaft an, standen gegen jede Diktatur auf. Hier und anderswo, überall, mit Herz und Hirn.
Natürlich gab es auch damals Schriftsteller, die auch von Stalin dachten, er sei eine Alternative. Wir sollten langsam aus der Geschichte gelernt haben. Oder?

Heute aber leben wir im postfaktischen Zeitalter. Der oben erwähnte Stegemann schreibt populistische Essays, twittert für die Wagenknecht - und sein Profilbild zeigt ihn an der Kremlmauer.

Liebe Kollegen Praml, Engler, Lisa Fitz, Musikkabarettist Hagemann, Chansonier Meyer, Kabarettist Kröhnert und ihr anderen Künstler. Euer Motto sollte sein: Aufwachen! Faktencheck, Geschichtsunterricht. Nächstes Mal könnt ihr ja versuchen genauer hinzusehen.

Und wir, die wir uns tatsächlich für die Demokratie einsetzen wollen - was sollen wir tun? Auch ein Video drehen? Bloß nicht. Sonst müssen wir noch kotzen, untermalt mit Geigenmusik und in Zeitlupe.

Also: Besser aufstehen, bevor es andere tun.

Sonntag, 29. Juli 2018

Tor!

Es ist furchtbar. Die Sache wird immer verzwickter. Was soll ich nur tun? Ich bin doch Fan des FC Arsenal, einfach Fußballfan - und froh, wenn die Spieler nur spielen und nicht ständig reden oder posten oder twittern oder Fotos machen. Und jetzt Özil. Özil ist der Kapitän und schieß ein Tor. Und mich freut’s. Auf der Arsenal-Homepage ist von Özil-Mania die Rede. Millionen von Followern (kann man 'Follower' beugen?) - sind außer Rand uns Band.

Wie war das früher? Tony Woodcock, Tony Adams, Thierry Henry, rotweiße Leibchen, O2, Highbury, Meisterschaft - normal. Toller Fußball. Und jetzt? Mintgrüne Ausweich-Leibchen - mintgrün - Ärmelsponsor, rosa Binde, Emirates auf der Brust, Bürsten auf dem Kopf, ausrasierte Nacken, Tatoos auf jedem Fleckchen Haut. Körpersprache? Die ständig sich bekreuzenden Torschützen und Auswechselspieler hab ich noch unter Folklore abgehakt, aber mittlerweile ist der heilige Rasen zum Gebetsteppich geworden, passend zu den tätowierten Kreuzen, Marienbildchen, oh Gott... Was kommt noch? Die jüdischen Tottenham Hotspur spielen gegen das muslimische Arsenal - Irrsinn!
Muss ich jetzt als Fan des FC Arsenal konvertieren wegen Özil, oder Schnösel werden wegen Oba - der hat sich doch schon in Dortmund danebenbenommen... oder einfach reich werden, wie alle...
Die wollen nur spielen und ich will nur zuschauen. Oba auf Özil: Tor.
Oba ist eben ein Wilder. Und Özil kämpft gegen den Faschismus. Wie wir früher. Also: Alles gut.

Aber wenn sich jetzt die arabischen Emirate da einmischen? Die sind ja auf den Erdogan nicht gut zu sprechen. Aber stecken viel Geld in den Club. Und wer die Musik bezahlt... Das ist doch auch normal, oder? Aber der ganze Club wird jetzt von einem Amerikaner gekauft. Big Deal. So sad. Nein, diesmal nicht der Clown vom weißen Haus. Es ist Stan Kroenke, Eigentümer des Eishockey Clubs Colorado Avalanche. Er kauft Arsenal für zwei Milliarden Dollar. Dazu kommen noch so ein paar Kleinigkeiten. Denn dass der Ärmelsponsor Ruanda die Hälfte der britischen Entwicklungshilfe, etwa 35 Millionen, dem englischen Club überweist, um für den Tourismus zu werben, ist doch auch normal, oder? Warum soll ein armes Land nicht auch Sponsor sein können. Nur weil die Kolonialisten sich mal wieder paternalistisch aufspielen müssen? Fußball hat ohnehin keine Moral mehr. Weiß ich doch. Bei Scheiß Chelsea sieht es noch viel schlimmer aus.

Wenn Arsenal um die Meisterschaft spielt, werde ich alle Bedenken über Bord werfen. Ich kenn mich doch.
Ich kann nicht anders.
Und Özil? Wie glücklich er von der Bank in die Kameras gewinkt hat, als ihm die Fans im Stadion zujubelten.
Da war er wieder, der Sieger, also der echte Engländer. Die haben schließlich auch gegen die Krauts gekämpft. Das ist wirklich Kuddelmuddel. Der deutsche Spieler aus London macht Fotos mit thailändischen Frauen, schießt nach Pass eines Gabuners das erste Tor gegen den deutschen Trainer von Paris und kämpft auch noch gegen den faschistischen Virus. Wir sollten alle glücklich sein.

Ich habe ihn schon immer gerne spielen sehen, den Melancholiker, der so wundersame Pässe spielen kann. Und ich war froh, dass er für die Gunners aufläuft.

Aber in Deutschland gibt es diese Miesmacher, die nichts aber auch gar nichts von Fußball verstehen, aber unbedingt ihre Betroffenheitsgesichter ins Netz stellen müssen und unter dem Hashtag #WirSindÖzil dramatische Bekenntnissen gegen Rassismus abgeben. Ich kann sie nicht mehr sehen. Ich kann nicht mehr Fußball spielen - die Kniegelenke! Also: Ich bin nicht Özil. Und Emr Can, der sich eben nicht mit Erdogan getroffen hat, auch nicht - und der kurdische Fußballspieler Deniz Naki ebensowenig.

Deniz Naki nennt Erdogan einen "Völkerrechtsbrecher" und wurde dafür im Netz "kurdischer Terrorist" genannt.
Der Ex-Profi (Amed SF, Bayer Leverkusen, FC St. Pauli) stellt Mesut Özil im Netz die Frage, warum er nicht auch in der Türkei gegen Rassismus aufstehe. Er schreibt: "In deiner Erklärung gehst du berechtigt auf den dir begegneten Rassismus und deine diesbezüglichen Gründe ein, die Nationalmannschaft zu verlassen. Wieso zeigst du diese Reaktion nicht, wenn es in der Türkei immer mehr zu rassistischen und faschistischen Angriffen auf mich oder auf kurdischstämmige oder zu anderen Minderheiten gehörenden Fußballern kommt?"

Naki ist in der Türkei lebenslang für den Fußball gesperrt.
Özil spielt in England um die Meisterschaft. Hoffentlich. Was bewegt mich mehr? Das ist alles so ungerecht. Ich will die Meisterschaft.
Mit dem 1.FC Köln wird das ja wohl nichts mehr. Zumindest nicht so bald.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Glattbügelpresse

Was ist los? Unter der Prügel von rechts, unter dem ununterbrochenen Geschrei von ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ sind die Medien offenbar schon von alleine dabei zusammenzubrechen, sich selbst abzuschaffen.

Noch werden Sender nicht abgeschaltet von rechtsnationalen Idioten. Sie haben nicht die Macht. Aber unsere Medien verschaffen ihnen gerade diese Macht, freiwillig. Sie geben keiner Partei eine größere Plattform als der rechtsnationalen AfD. Als ob sie um ihre Abschaltung und gleich um die Zerstörung der Demokratie betteln wollten.

Parlamentsdebatten haben ausgedient, dafür gibt es ja die Talkshow.
Der Chef des ARD-Politmagazins „Monitor“, hat zuletzt kritisiert, dass in Talkshows nur noch Schlagwörter aus dem rechtsnationalen Spektrum als Überschriften taugen. „Ich teile die Kritik dass mit der Übernahme von Begriffen wie 'Flüchtlingsflut' ... rassistische Kampagnen der AfD verstärkt werden“, sagt Georg Restle und findet das widerwärtig.

Natürlich - auch vorher haben die Medien schon fleißig gebettelt und ein Netz der Dummheit gesponnen. Die Kastelhuber Spatzen pfeifen es schon lange von den Dächern. Schlimm genug, dass wir uns die weiße Massai, das Traumhotel, oder das Traumschiff bieten lassen müssen, klebriger, klumpiger Kolonialkitsch. Herzkino à la Leni Riefenstahl. Der bildungsferne Zuschauer ist begeistert. Fernsehen eben. Und YouTube für ihre Kiddies eben mit Hip Hop Gangsta Rassismus. Alles normal.

Seit einiger Zeit aber zieht das Tempo an, jetzt wird es Ernst.
Jede Talkshow ein Gruselkabinett. Nur noch die Säcke und Besen aus den Reihen neuer Nazi Parteien. Zur besten Sendezeit dürfen sie hetzen und dementieren.

Noch höher die Quote in der Halbzeitpause eines WM-Spiels - da wird natürlich ein Interview mit dem Rechtsnationalen Hassprediger Gauland fällig.
Und im Juli taucht tatsächlich der rechtsnationale Sprecher der AfD in einem Sommerinterview der ARD auf. Seid ihr noch ganz dicht? Dicht sind hier offenbar die Grenzen des Verstandes. Meuthen bestätigt, er sei für eine Kooperation mit der italienischen ‚Lega‘, sie hätten die gleichen Ziele. Die Journalistin, die das Interview führt, ist nicht in der Lage dieses Bündnis als das zu benennen was es ist, das Bündnis mit einer faschistischen Partei, oder, noch besser, das Interview an dieser Stelle zu beenden, um klar zu machen, ein Abgeordneter, der sich mit einem Parteichef solidarisch erklärt, der Flüchtlinge „absaufen“ lassen will und diese als „Menschenfleisch“ bezeichnet, hat kein Recht mehr, als Gesprächspartner Ernst genommen zu werden.

Eine Partei, die menschenverachtende Politik betreibt, sich der Sprache der Nazis bedient, ist keine ganz ‚normale‘ Partei. Wann begreift ihr das endlich? Mit Hetzern kann es kein ‚Gespräch‘ geben. Aber das Fernsehen besäuft sich an seiner eigenen Ausgewogenheit, bis es untergeht.

Dienstag, 24. Juli 2018

Der Özil Irrtum

Özil ist zurückgetreten. Die Affaire um einen begnadeten Fußballspieler, der sich dummdreisten Anfeindungen ausgesetzt sieht, der auf der anderen Seite aber einfach nicht verstehen will, dass sich ein Foto mit Erdogan in unseren Zeiten verbietet. Der tatsächlich behauptet, egal wer Präsident sei, er habe Respekt erweisen wollen. Respekt vor was? Vor wem? So dämlich kann kein denkender Mensch sein.
In einer demokratischen Gesellschaft könnte vernünftig darüber diskutiert werden und Özil würde weiter für Deutschland spielen.

Aber Vernunft ist in Zeiten, in denen die meisten Staatsführer Psychopathen sind, ein Ding der Unmöglichkeit geworden.
Zur Unvernunft kommen im Fall Özil unweigerlich noch Medien, Verbände, Sponsoren und alle anderen Idioten ins Spiel. Tatsächlich sagt ein Reporter vor der DFB-Zentrale mit betroffener Miene: Es ginge um ein Foto mit einem Präsidenten, der nicht immer so demokratisch handele, wie wir das gewohnt seien... 
Welche Art von Verharmlosung soll das werden, wenn’s fertig ist? 

Zur Erinnerung: Dieser türkische Präsident lässt ganze Zeitungsredaktionen schließen, Lehrer und Journalisten einsperren, Oppositionelle verprügeln, die Bewohner ganzer Dörfer erschießen - nicht so demokratisch... ach, wirklich?
Erdogan beschimpft die Kanzlerin und den Präsidenten dieses Landes als Faschisten... und Özil erweist ihm Respekt? Als deutscher Nationalspieler? Das ist untragbar. Vor allem weil ‚DieMannschaft‘, egal wo die Wurzeln der Spieler liegen, die Mannschaft eines demokratischen Landes ist.

Insofern bemerkt Özil zurecht, dass ein Foto des Ehrenspielführers der Nationalmannschaft Lothar Matthäus, nicht zum Thema gemacht wurde, obwohl sich der mit Putin fotografieren ließ. Ich vermute allerdings, es wurde kein Thema, weil einfach niemand mehr Lust hat, den Lodda wegen irgend etwas zum Thema zu machen. Oder Thomas Müller posiert mit Seehofer - na gut, das ist eben normal.

Wir haben uns schon an so vieles gewöhnt. Talkshows, Kommentare, Interviews, immer öfter denke ich: Falsch, falsch, falsch, falsch.
Immer mehr hasserfüllter Müll auf den unsozialen Netzwerken, und in den klassischen Medien immer mehr hasenfüßige Vermischung, immer mehr falsche Bilder, Immer mehr falsche Schlussfolgerungen. Nur weil eine Sache nicht mehr von mehreren Seiten beleuchtet wird, sondern nur von einer, ein irres Wettrennen mit allen unsozialen Plattformen, die unsere Hirne plattformen. 

So wird diese eine Seite einfach immer greller beleuchtet. Es geht nur noch in eine Richtung, bis das Objekt der Begierde zu Tode gehetzt ist. So wird eine Meldung auf die nächste getürmt, bis der Turm zu Babel zusammenstürzt. Özil wird von einem Fan rassistisch beleidigt, Özil wehrt sich - die Überschrift: „Özil legt sich mit einem Fan an“. Ja. Typisch Lügenpresse.

Und typisch, dass die Schule in Gelsenkirchen, in der Özil unterrichtet worden war und die er bis heute unterstützt, ihn nicht mehr sehen will aus - Zitat: „Angst vor rechten Parteien“. Zu einer solchen Schulleitung fallen mir nur vier Begriffe ein: Verlogenes, heuchlerisches, feiges Pack. Ich möchte nicht wissen was Schüler in dieser Schule lernen. Auch die rassistischen Angriffe auf Özil, die es seit dem Ausscheiden der Nationalmannschaft gibt, sind eine Schande. Ergebnis eines heutzutage ‚normalen’ Rassismus in Deutschland, an dem die Medien einen großen Anteil haben. Ja, einen großen Anteil, weil sie eben in der Sprache keine Klarheit walten lassen. Weil das Etikett zu Anfang ‚islamkritisch’ und später ‚rechtspopulistisch’ lautete. Weil sie immer noch so tun, als sei die AfD eine ‚normale‘ neue Partei im Bundestag. Weil sie die dämliche, rechtsradikale Twitterei eines amerikanischen Clowns nicht als das bezeichnen was es ist: Müll. Weil sie die Tritte Seehofers in den Unterleib der Demokratie nicht brandmarken, sondern so tun, als wären ‚beide Seiten‘ schuld. Nein, es sind eben nicht immer beide Seiten schuld. Wenn ein Nazi in Amerika eine Demonstrantin überfährt, dann sind auch nicht beide schuld. Wer einsieht, dass Seehofer weg muss, ist nicht gezwungen auch noch ‚Merkel muss weg’ zu rufen. Mit dieser verlogenen Ausgewogenheit geben wir unsere Prinzipien auf. Die Feinde der Demokratie müssen benannt und bekämpft werden.
In Deutschland war schon lange vor der AfD einiges nicht mehr in Ordnung. Aber jetzt: Die Nazi-Brut im weißen Hemd, kann schon nach kürzester Zeit und ohne weiteres mit ihrer Hass-Sprache unser Land vergiften. Sie schafft es durch die Medien, die das Spiel mitspielen, uns jede ihrer kruden Diskussionen aufzuzwingen. 

So verhindert sie, dass eine Auseinandersetzung über Nation, Identität, Demokratie, Moral, oder Fußball an der Sache entlang stattfinden kann. Stattdessen geht es um Abschottung, Kümmeltürken, Menschenfleisch. Wo bleibt der Haltepunkt, der Protest, der Aufschrei?
Ist der Aufschrei medienkompatibel?

Dafür kriechen jetzt auch noch die üblichen Verdächtigen aus ihren kriminellen Chefetagen. Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, Busenfreund der Folterknechte in Quatar, hetzt gegen Özil, es sei Jahre her, dass „er den letzten Zweikampf gewonnen hat“. Er habe „seit Jahren einen Dreck gespielt und jetzt sollen Grindel oder Bierhoff schuld sein“. Klar, dass der alte Knastbruder dem rechtsnationalen Grindel den Rücken stärkt, der auch schon meinte Multikulti sei Kuddelmuddel. 
Und natürlich kommt vom Sultan-hörigen türkischen Justizminister Abdülhamit Gül die nächste Beleidigung. Özil habe mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen“.
Auch Nazi Weidel kotzt sich einmal mehr aus: „typisches Beispiel für die gescheiterte Integration“. Jaja. Und Merkel muss weg und Flüchtlinge raus und überhaupt...

Ein amerikanischer Late Night Moderator und Comedian hatte der Nationalmannschaft Frankreichs gratuliert und sich über den Sieg Afrikas gegen die Kroaten gefreut.
Ein Shitstorm war die Antwort. Er musste in der nächsten Sendung die Pointe erklären, mit der klugen Bemerkung, jeder Satz könne durch unterschiedlichen Kontext andere Bedeutung bekommen. Wenn er als Schwarzer in einer Bar seine schwarzen Freunden mit ‚Hey Nigger, wie geht’s‘, begrüßen würde, sei das etwas anderes, als wenn ein Weißer die Bar beträte mit den Worten...

Er habe einen empörten Brief erhalten. Die Spieler seien Franzosen, keine Afrikaner, betone der französische Botschafter. Ja, sagt der Moderator. Und wenn alle Familiengeschichten zu ihrem Ursprung kämen, stieße man sicher auf die gemeinsame Geschichte des Kolonialismus. Er wisse, dass viele seiner Freunde sehr stolz darauf wären, dass Franzosen aus dieser afrikanischen Linie eine Weltmeisterschaft für ihr Land gewinnen konnten. Stolze Franzosen, stolze Afrikaner.

Ein gutes Beispiel. Cem Özdemir hat Recht: „Es ist fatal, wenn junge Deutschtürken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf. Leistung gibt es nur in Vielfalt, nicht in Einfalt. So sind wir 2014 Weltmeister geworden. Und Frankreich jetzt.“

Wir haben soviel verpasst. Weil wir nie über die Widersprüchlichkeit von Identität gesprochen haben, über eine Integration nach Regeln. Über den Respekt vor unterschiedlichen Geschichten, über falsch verstandene Toleranz gegenüber Intoleranz oder religiösem Fanatismus. Alles musste in einem Mustopf verrührt werden. Die Multikulti-Lüge hat unser Hirn vernebelt. Achtung Kontext: Ich darf das schreiben. Frau Weidel nicht. 

Montag, 23. Juli 2018

Trump beherrscht die Welt

Ein neuer politischer Stil. Und alle machen mit.
Keine Begegnungen mehr, keine Augengespräche, keine Presserklärungen.
Trump hat es vorgemacht und alle folgen. Politiker twittern die Gesetze, posten den nächsten Panzereinsatz und teilen den nächsten Regierungs-Tweet.

Es wird nur noch getwittert und gezwitschert. Großartiger Junge. Kompletter Versager. Fantastische Deal. So in der Art. Big Day. Big Deal. Big Daddy. So sad.
Früher stand auf den amerikanischen Bomben: Peace Maker. Die Botschaft erreichte den Empfänger noch etwas schneller und war auch verständlicher. Ein explosiver Tweet sozusagen.

Hier in Deutschland folgen wir immer noch diesen komplizierten Deutsch. Obwohl... na ja... statt des ‚r’ ein ‚eaa’ und alles ohne Genitiv - und ohne, na ja egal... zumindest steht hier noch auf den Dosen: Mindestens haltbar bis... Diese wunderbaren riesigen Wort-Ungetüme - damit werden hier in Deutschland Tatsachen verdreht. Noch besser: Anti-Abschiebe-Industrie, Asyl Tourismus, Herrschaft des Unrechts... Sprachwendungen, die an den Nationalsozialismus erinnern. Mindestens haltbar bis 1945? Nein. „Umvolkung“ „Lügenpresse“... das gibt’s heute noch.

Jetzt hat sich der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, auch so ein kompliziertes Wort - in anderen Ländern gibt es nicht nur das Wort nicht mehr - zu Wort gemeldet. Er kritisiert offen die Rhetorik der CSU und nennt sie inakzeptabel, weil sie an die besagte Wortwahl erinnere. Hoppla. Was sagt denn da die CSU? Sprachlos?

Herrmann entgegnet, man müsse jetzt nach vorne schauen. Hä? Und Seehofer wehrt sich gegen ‚Sprachpolizei‘.
Ich denke, wir hätten viel früher eine Sprachpolizei gebraucht. Seehofer raus! Und Sprachzuchthäuser. Dobrindt rein. Und Sprachabschiebungen. Weidel, Höcke, Gauland - ab nach drüben.

Sonntag, 22. Juli 2018

Fraschnullige Pengagine

Fraschnullige Pengagine sind großartig. 

Unbekannte Lebensformen beinahe. Und damit das so bleibt, wehre ich mich gegen Autokorrektur. Die Pengagine sind eben keine Pentagone, sie sind einmalig. Und wenn sie erst einmal fraschnullig sind... toll. Das muss man gesehen haben. Entschuldigung. Das ‚Man‘ natürlich mit von beiden Händen mit jeweils zwei Fingern in die Luft gemalten „Gänsefüßchen“. Und vielleicht mit schief gelegtem Kopf. Oh. So sieht der Sprechende schon fast so aus wie ein fraschnulliger Pengagin. Und kein Bengalin. Die Welt ist schon über und über bevölkert mit unfraschnulligen Nicht-Pengaginen.

Nachdem die piepsende Enten und quakende Gänse an schlechtem Geschmack zugrunde gegangen sind, hatten auch die röhrenden Ratten kaum noch eine Überlebenschance, obwohl sie verzweifelt zwischen Sportstudios und Mama hin und her wetzten, sich das Fell bis auf eine Bürste auf dem Kopf über die Ohren ziehen - und dann die übriggebliebene nackte Haut mit dummen Sprüchen und Bildchen verzieren ließen. ‚Verzieren‘ natürlich mit von beiden Händen mit jeweils zwei Fingern in die Luft gemalten „Gänsefüßchen“. Aber ohne schief gelegten Kopf, das sähe schwul aus. Und dann wären ja alle wie alle. Und wie alle will ja keiner aussehen. Also wollen alle so aussehen wie alle anderen. Und auf diese Weise gibt es nur wenige fraschnullige Pengagine. Aber die haben es in sich. 

Donnerstag, 28. Juni 2018

#wm2018 #zsmmn #diemannschaft #raus #deutschland

Und dann wieder der Fußball. Kroos. Fehlpass. Staunen, Krampf. Müller vorbei. Ratlos am Strafraum. Letzte Minuten vor dem Ausscheiden in der Gruppenphase. Flanke. Wieder Kroos. Nicht drin. Dann die Koreaner: Wild, schnell. Aufpassen. Null zu eins. Aufschrei. Erlösung. Ausgeschieden.

Montag, 25. Juni 2018

#zsmmn #WM2018

Der offizielle Hashtag des DFB heißt, man glaubt es kaum: #zsmmn - das sagt alles. Wie jeder Hashtag. Wie der WM-Song: „Wir sind zsmmn doof“.
Hashtag, Laute, Silbenklumpen - Silben ist reden, verschweigen ist Gold. #zsmmn - Hashtag eines unerträglichen Zustandes in der Politik, der Kultur, im Fußball. Jenseits von Spots, Songs, Tweets und Hashtags sieht die Wirklichkeit anders aus. Alles kracht auseinander. Niemand ist mehr zsmmn. Weder Europa, noch Deutschstämmige und Deutschmächtige, geschweige denn Seehofer und Merkel, BAMPF, Ämter und Politik, FIFA und der Fußball, Fußball und die Nationalmannschaft. Özil und Gündogan nicht zsmmn mit der Mannschaft. Denn da ist dieses dumme Foto - und wenn nicht dumm, dann noch schlimmer.

Bierhof, Sprecher von Le Mannschaft, frisch vom Händeschütteln mit Haargel-Sponsoren zurück, erklärt entschuldigend, man müsse verstehen wie die Türken ticken.
Türken ticken wie Zeitbomben, man weiß nie, welchem Präsidenten sie als nächstes die Hand geben. Treffen mit Präsidenten von Gottesstaaten, Autokonzernen, Geldübergabeinstituten, Scheichs, Zaren, Energieriesen und Gazprom - das ist ja ohnehin schon Tradition...

Dazwischen kommen nur noch die lästigen Pflichttermine: Filmaufnahmen für die Respect-Kampagne gegen Rassismus, die mittels Morphing zeigt, wie über hässlichen Gesichtern ständig die Frisuren wechseln. Hoffentlich verderben die ganzen Anti-Rassismus-Spots nicht den Fototermin mit dem nächsten Tyrannen.

Alles ist gut. Erdogan hat die Kampagne gegen Rassismus nicht übel genommen. Huldvoll lässt sich der Sultan mit seinen Helfern Özil und Gündogan ablichten.
Das nützt bei den Wahlen und außerdem ist die Türkei der einzige Konkurrent Deutschlands um die Bewerbung Ausrichter der nächsten EM. Da gibt es zwar Kriterien, aber auch ohne die Steinigung einzuführen, ist das Land gut im Rennen. Russland und Qatar haben es vorgemacht.
Die EM ist sicher. Alles ist sicher. Alles ist gut.
Außerdem kommen wieder einmal die Unter-Den-Teppich-Kehrer zu Hilfe und behaupten, Kritik an Özil und Gündogan sei Rassismus.
Nein, ist es nicht. Ägyptens Mo Salah hat sich wegen der Propagandafotos mit dem Mörder und tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow zumindest sehr unwohl gefühlt. Emr Can, deutscher Nationalspieler (nicht nominiert), hat sich sogar einem Foto mit Erdogan verweigert. Es geht also auch anders.

Özil und Gündogan mussten sich allerdings keine Sorgen machen: von der Nationalmannschaft wird ein Spieler nur dann ausgeschlossen, wenn wir es mit wirklichen Verbrechen zu tun haben - wir erinnern uns nur an Effenberg und Schumacher: Mittelfinger zeigen oder ein Buch schreiben. Da versteht der DFB wirklich keinen Spaß. Aber Diktatur, Hooliganismus, Korruption - Entschuldigung: Fußball ist ein Männersport. Die Fragen nach Doping, Menschenrechten, Meinungsfreiheit bleiben Fragen für Weicheier. Alles ist gut.
Außerdem beteuert der DFB, die beiden stünden voll hinter dem Grundgesetz. Jetzt fehlt nur noch der Satz: Der Trainer sitzt auch nächsten Samstag noch auf der Bank.

Nach-Vorne-Schauen-Phrasen, Marketing, Abschottung, das alles passt zwar zur Türkei und auch nach Russland, aber immer noch nicht, so hoffte ich bis jetzt zumindest, zu einer deutschen Nationalmannschaft. Verunsicherung. Auch das Fußballspiel bleibt so letzten Endes auf der Strecke. Das war gut zu sehen gegen Österreich, gegen die Saudis und im ersten Vorrundenspiel gegen Mexiko. Weil eben nichts zsmmn ging. Oh oh ohhh.

Die Spieler liefen in der Gegend herum wie bestellt und nicht von der Agentur abgeholt. Plattenhard, Müller - das Phlegma von Özil und Khedira, die Phantome der Opas, keine Tempowechsel, kein Kombinationsspiel - Masterplan und nichts dahinter.
Fußball, Spiel, Mut, Unberechenbarkeit - sie kamen nicht nur nicht zusamm. Es war eine Gleichung mit mehreren Unbekannten. Welche Risse und Brüche sind hier sichtbar geworden?

Zusamm bleim... Ich kann den Schwachsinn nicht mehr hören. Deshalb habe ich diesmal auch so wenig Lust auf eine WM. Kommerziell war die Veranstaltung immer schon - aber das alles ist zu einem Super-Event verkommen, das erst durch Korruption und Käuflichkeit zustande kommt, dann von Sklaven gebaut wird, von gedopten Spielern bevölkert, der Geheimdienst hat auch noch die Hände im Spiel und kein Schiedsrichter weit und breit. Während der Gastgeber seine Gegner im Lager verrotten lässt, bekommen wir Putins Nutten, Bier, seine Motorradgang, Gazprom und Schröder zu sehen. Widerlich.

Und auf dem Platz nur noch Werbeikonen, beleidigte Grazien wie Neymar oder Messi, Gladiatoren wie CR7 - Typische Szene im Spiel gegen Mexiko. Kroos pflanzt sich Nase an Nase vor dem Schiedsrichter auf. Soll heißen: Ich bin Real, ich bin Chef. Der Schiedsrichter schiebt ihn auf Abstand und macht ihm klar: Ich bin der Chef. Dieses Posen, alle Posen aller aufgepumpter Tätowiermodelle ist nichts - vor allem keine neue ‚Körpersprache‘ - nur Theaterdonner.

Und dann doch noch Fußball wie wir ihn lieben. Wieder Kroos. Fehlpass. Staunen, Null zu eins. Kampf, Ausgleich. Zu wenig. Letzte Sekunde vor dem Ausscheiden in der Gruppenphase. Freistoß. Wieder Kroos. Drin. Aufschrei. Erlösung.

Und gute Mannschaften: Kolumbien, Island, Schweiz, Belgien, England, Kroatien... Sie sind heiß auf das Spiel. Wird es darum in Zukunft überhaupt noch gehen? Ich will wieder Lust auf Fußball bekommen, ich will gute Gespräche, Vernunft und eine demokratische Gesellschaft. Ja, ich weiß. Sonst noch was?

Freitag, 20. April 2018

Nachtrag zu 'Nazi-Echo'

Die letzte Glosse aus meinem Blog fand große Zustimmung. Das hat mich gefreut, denn es zeigt, dass der Fall 'Kollegah', nur ein Fall von Verrohung in Kultur und Sprache, viele Menschen beschäftigt - und das ist gut.

Eins noch: Einige besonders schlaue Journalisten versuchen nun zu erklären, im Hiphop ginge es eben um Tabubruch und Beschimpfungen, das sei der Sinn der Sache. Das müsse man verstehen. Muss man nicht.
Dieses „Laberlaberlaber kotz, ich bin Hitler, du bist Rotz“ ging mir immer schon schlicht auf die Nerven. Und die Videos mit Geballer, Goldkettchen und Nutten waren schon zu Beginn unerträglich. All das ist zwangsläufig jetzt da gelandet, wo es immer schon hinwollte. Die Überraschung und das Erschrecken sind also doppelbödig. Die Musikindustrie hat genau davon jahrelang gut gelebt und kalkuliert. "Mit Kollegah und Farid Bang sind wir jetzt die Nummer eins in Deutschland", protzte die Bertelsmann Music Group (BMG) zur Preisverleihung. Darum geht es.

Manch nachgeschobene intellektuelle Erklärung völlig ins Leere: ‚Kollegah’ führt eben keinen ‚Battle’ unter Rappern, sondern schießt Salven an Vorurteilen und Gewaltphantasien von oben nach unten, in ein junges Publikum, das getroffen werden soll, um den Mist dann kaufen zu müssen - und nicht nur das - es soll den Mist glauben, es soll genauso labern wie die Vorbilder und das tut es dann auch. Und dann kriegt der Mist auch noch einen Preis. Und ‚Kollegah’ hat immer noch über eine Million Follower. Die fühlen sich in ihrer 'Außenseiter-Rolle' bestätigt und hetzen jetzt gegen die Kritiker. ‚Kollegah‘ glaubt ohnehin an Weltverschwörungen und selbstverständlich an eine gelenkte Presse, aber natürlich nicht an die Evolution. Wie könnte er auch.
Es ist eben ein Unterschied, ob zwei Spatzen miteinander kämpfen oder ein Primat mit der Keule auf sie eindrischt.

Klaus Voormann hat den Preis für sein Lebenswerk zurückgegeben, wie auch andere Ernst zu nehmende Musiker. Respekt. Auch Westernhagen befreit sich von seinen sieben Preisen, obwohl er schreibt, er halte ‚Kollegah‘ nicht für antisemitisch. Ach ja?

Die Muster von Antisemitismus, Gewalt und Respektlosigkeit sind bei Hiphop Dumpfbeuteln wie ‚Kollegah’, die gleichen, wie sie sowohl in fundamentalistischen als auch in Nazi-Kreisen zu finden sind. Es war höchste Zeit dagegen aufzustehen.

Eins noch: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lügen, Verschwörungsgefasel und Kommerz, Seichtheit, kalter Eventkultur, dümmlichem Schlagerkitsch, den Simpeltexten des deutschen Pops und einem immer lauter werdenden Schweigen? Ich denke ja. Und ich hoffe, das Schweigen hat jetzt ein Ende.

Freitag, 13. April 2018

Nazi 'Echo'

Vortäuschung einer Preisverleihung, Vortäuschung von 'Musik', Vortäuschung von Qualität, Vortäuschung einer Fernsehsendung. Eine widerwärtige Veranstaltung war die 'Echo'-Verleihung immer schon. Eine Werbe-Show, die ausschließlich Verkauf und Mainstream feiert.

Dass uns hier die ganzen verblödeten, vernuschelten Lallkönige aufs Auge gedrückt werden, wissen wir. Dass die Frigiditätskönigin Fischer hier Dauerpreisträgerin ist, wundert niemanden mehr.
Dass sprachunfähige, aufgepumpte Wortspucker uns ihre Gewaltphantasien entgegenschleudern, finden die meisten schon lange normal. Fotze, Schwuler, aufhängen, jagen - kein Problem - ist ja Hip Hop.

Aber dass Bumms, Schwanz und Brudaa jetzt auch schon härteste Nazi Kacke auf dieser Veranstaltung verkaufen dürfen, ist neu. Ah, da sind sie ja, die mit dem dummen Gesicht, Kampffrisur, aufgeblasene Oberarme, IS-Bart, Goldketten, Klunker - wo sind ihre Nutten? Ah ja, da.
Bang und Kollegah - ja wir wissen, ihr seid zu doof Namen richtig zu schreiben - rotzen und witzeln und mumpfen und dumpfen, schlagen um sich, beleidigen und hetzen.

"Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, 'Lass mich in Ruhe!', doch er versteht sie nicht
Zerlege dich, gab mir Testo
Mach' dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
(...)
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick' Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
... ah"

Nein, der Text ist echt. Echt.
Wo sind wir hier gelandet?
Leider wurden die psychisch gestörten Dummbeutel nicht an Ort und Stelle verhaftet, sondern bekommen auch noch einen Preis für "Jung, Brutal, Gutaussehend 3"

Und warum?
"Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick' ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe"

Ach so.
So viel zum 'Echo'. Und noch etwas: Hat das Publikum diese Musik-Terroristen von der Bühne gejagt? Nein.
Wer von den Stars hat bei dieser 'Preisverleihung' das Maul aufgemacht? Der Preisträger Mark Forster, der so lange auf seinen Preis warten musste? Der wollte schön brav sein. Die Helene Fischer? Sicher nicht. Sie würde ihre ganzen AfD-Groupies verlieren. Alles in allem eine Schande. Soviel zu unserer Musikszene. Nur Campino hat protestiert. Das macht ihn fast sympathisch. Aber er stand auf verlorenem Posten. Soviel zu 'Gesicht zeigen'.

Fazit: Wenn in der Schule ein weiterer kleiner Kapuzenträger auf einen Scheiß Juden spuckt oder einen Schwulen verprügelt oder ein Mädchen ohne Kopftuch als Schlampe bezeichnet, wissen wir, dass ihre preisgekrönten Vorbilder ihre Arbeit getan haben. Gedeckt vom Schweigen der Anderen.

Montag, 9. April 2018

Und wieder: psychisch Gestörte

Ein psychisch gestörter Mann fährt in einem Campingwagen in eine Menschenmenge vor einem Restaurant. Münster trauert. Die Menschen halten inne. Die Trauer wird natürlich sofort von Tweets gestört. Die psychisch gestörte Bundestagsabgeordnete Frau von Hass twittert sofort. Alle Gestörten müssen immer sofort twittern.
'WIR SCHAFFEN DAS' twittert sie, garniert den Tweet mit einem Hass-Emotion, das ein dummes kleines Gesicht mit Hass-Grimasse zeigt. Unverkennbar das Profilbild der Frau von Hass, vom Blute derer von Storch.

Das dumme kleine Gesicht ist tatsächlich Mitglied des deutschen Bundestages geworden, weil viele dumme, kleine, verschreckte Gesichter aus einer Menge Gesichtsloser das Kreuz an der rechten Stelle machen mussten. Hat das Kreuz schon Haken? Wenn wir uns die Hackfressen ansehen, mit denen das kleine, dumme Gesicht im Parlament sitzt, dann heißt die Antwort: Ja. Wir müssen das Schlimmste befürchten.

Der psychisch gestörte Mann im Wagen ist offenbar ausnahmsweise kein psychisch gestörter Religiöser, sondern ein psychisch gestörter Gestörter, der andere mit in den Tod reißen wollte. Die psychisch gestörte Frau muss trotzdem zwanghaft twittern. Zwanghaft twittern ist eine Gewohnheit der psychisch Gestörten geworden. Egal was passiert, sie twittern 'WIR SCHAFFEN DAS' - also, den Hass zur Regel zu machen und ihn in handelsüblichen Simpelbotschaften in die Menge zu feuern.

Wer ist verantwortlich für das Böse? Sind es die Terroristen, die psychisch gestörten Religiösen oder die psychisch gestörten Gestörten... vor allem - wo ist der Unterschied? Frau von Hass kennt sich da aus, aber sie feuert nur dann auf die Gestörten, wenn sie aus einem anderen Land kommen oder von anderer Religion sind. Und wenn die jetzt noch nicht im Auto saßen, dann bald. Das ist eine Drohung. Sie kennt sich da aus.

Die psychisch gestörten Religiösen wollen andere mit in den Tod reißen, damit sie im Paradies der psychisch Gestörten als Helden gefeiert werden können. Die psychisch gestörte Hasspredigerin bleibt leider Abgeordnete, bis wir Gesicht zeigen und sie abwählen.

Mittwoch, 4. April 2018

Dann kam der Osterhase zu Besuch

Auch Ostern ist vorbei. Das war anstrengend. Der Papst musste mal wieder seine Brüder Urbi und Orbi wie jedes Jahr auf dem Balkon dem versammelten Volk zeigen, das entzückt jubelte. Das Fernsehen musste natürlich alles auch noch übertragen. Die große Urbi und Orbi Show im Carmen Nebel.

Und der Osterhase musste trotz dieses Events seine jährliche Performance mit Eiern absolvieren. Obwohl keiner an ihn glaubt, außer ein paar Kinder - musste er mit dieser Performance auf Tour gehen. Wie jedes Jahr.
Die meisten Nicht-Hasen glauben ja lieber an Gespinste und zornige Männer mit Bärten, der Osterhase aber musste den Osterhasen spielen. Wie jedes Jahr.
Der Osterhase war müde und wollte wohl mit jemandem sprechen. Aber warum ausgerechnet mit mir?

Als Kind habe ich ihn nie zu Gesicht bekommen, aber jetzt musste er ausgerechnet bei mir klingeln, die Kiepe abstellen und sich an meinen Tisch setzen, um sich einmal richtig auszusprechen.
Bei einer Tasse Kaffee geriet er ins Erzählen. Jedes Jahr die Performance mit den Eiern - und er wüsste nicht warum - und dann die blöden Hühner, die nur zuschauten und er allein müsste die ganzen Eier überall verstecken, ob große oder kleine Locations, damit das Publikum sie suchen könne - Überraschungseier, aber was bedeutete das, gesellschaftlich? Und dass sein Akku schon im roten Bereich sei...

Meiner auch, sagte ich und geriet auch ins Erzählen. Der Osterhase machte den Mund zu und spitzte die langen Ohren. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Ich redete und redete. Proben laufen für die MÖWE. MÖWE? Ja, MÖWE. Tschechow. Ein paar Tage frei und Durchatmen. Ohne Osterhase. Der Osterhase schaute traurig über den Rand seiner Tasse.
In den letzten Wochen, erzählte ich weiter, hätten wir nicht so viel Zuschauer gehabt, wegen Ostern - gerade mal zwanzig bei den KÄFERN - KÄFER? Ja, KÄFER. Die seien durchaus beeindruckt gewesen - inklusive drei aus Düsseldorf, die es gut fanden, mal da gewesen zu sein - und die Schauspieler wären ganz beseelt gewesen und vor ein paar Tagen hätte ich den Spielplan fertig gemacht und ein paar Entscheidungen gefällt. Zum Beispiel, dass ich im zweiten Halbjahr PÜDEL TAM TAM auf die Bühne bringen würde... PÜDEL TAM TAM? Ja, PÜDEL TAM TAM... Auf die Bühne? Ja, auf die Bühne.
Der Hase trank hastig aus, sah irritiert auf die Uhr, sagte: "Muss geh'n, muss geh'n, auf Wiedersehen", hoppelte davon und warf die Tür hinter sich zu. Ich dachte: So geht es also auch.
So bin ich den Hasen wieder los geworden. Aber erleichtert bin ich immer noch nicht.

Montag, 2. April 2018

Bomb Mom

Oh mein Gott!
Da kursiert mal wieder eine gaanz tolles Video auf FB. Wie immer unter dem Motto: „Ihr werdet es nicht für möglich halten“. Doch.

Es geht um eine Mutter. So eine richtige tolle Mutter mit diesem ernsthaften Tolle-Mutter-Gesicht und dem Ich-Nehme-Meinen-Sohn-Ernst-Gesicht. Und mit der Oh-Mein-Gott-Mimik und Sätzen wie „ich bin fast ausgeflippt“ während sie mit ihren Händen diese aufgeregten Kreisbewegungen macht. Dieses große, aufgeregte Kreisen, das sagen soll „Hört ihr mich? Ich habe meinen 10jährigen Sohn schon so gut abgerichtet, dass er die gleichen Sätze sagt wie ich. Zum Beispiel: ‚Wir müssen reden!‘“
„Was passiert hier?“ fragt sie sich, verzerrt ihr Gesicht, macht eine hochschwangere Pause, schaut aus den Augenwinkeln nach rechts und gestikuliert mit kreisenden Händen. „Normalerweise ist mein Sohn spontan“ - die Sache wird immer spannender. Sie flippt aus. Riesige Handkreisbewegungen. Verzerrte, angstvolle Gesichtszüge.

Diese Mutter gehört zu den Müttern, die ihre Söhne „Buddy“ nennen. Das Ganze müssen wir uns ohnehin in breitem Kaugummi-Amerikanisch vorstellen. Bis wir endlich wissen worum es geht: „I am straight“ Das bekennt ihr 10jähriger Sohn. Wie süß. Die Botschaft ist: Egal ob schwul oder straight - Menschen sind alle gleich! Das sind die Gespräche zwischen aufgeregten Müttern und ihren Söhnen. Heutzutage.
In solch einer Welt sollten wir alle leben, meint das amerikanische Muttertier. Kinder sollen ganz offen und ganz „straight“ sein.
Um dem noch die Krone aufzusetzen: Das Ganze gibt es als Serie und die heißt tatsächlich „Truth Bomb Mom“. Folge: Coming out. OMG.
Meine Mutter, vor vielen Jahren, sagte einfach: „Jetzt nichts Süßes mehr, gleich gibt es Essen“.
Das waren noch Gespräche.

Mittwoch, 28. März 2018

Frauen. Frauen und Bäume.

Frauen und Bäume und ein Beobachter. So wollte ich das schreiben, als ich noch jung und unschuldig war. Dann ist mir dieser Schweizer Dichter zuvorgekommen, Gomringer, der hat dann für ähnliche Zeilen einen Preis bekommen. Aber dafür muss er jetzt auch büßen. Denn so kann mann das ja nicht schreiben. Das hätte er wissen müssen. Ich hab das damals schon befürchtet.

Bewunderer – Beobachter. Das geht zu weit. Schon stehen Frauen auf den Barrikaden. Das muss verboten werden. Denn der Beobachter ist ein Sexist, weil er beobachtet. Und dann dachte ich: Nein, Frauen, ihr seid nicht so dumm. Eine böse Dystopie.

Alice Salomon Hochschule Berlin - in altem Zustand
Tut mir leid. Weit gefehlt. Es ist schon soweit. Das Gedicht stand an der Gebäudewand einer Uni. Aber Gott sein Dank gab es dort nicht nur Studenten, sondern auch Studentinnen, nein, Studierende, obwohl - Studentinnen sind nicht unbedingt Studierende - aber auf jeden Fall Frauen. Also sorgen sie für Säuberung. Das Gedicht musste übermalt werden, Gott sei Dank.
Entschuldigung. Göttin sei Dank. A propos:
„Wann haben Sie zum letzten Mal was gemalt?“ fragt die Moderatorin von ‚heute plus‘. Ah, eine Frau in den Medien.
„Also nicht die Kuli-Kritzeleien, die beim Telefonieren entstehen“, moderiert sie, sondern - malen nach Zahlen. Das unbewusste, kreative Gekritzel ist - was? Entartet?
Genial. Kichernde Frauen treffen sich zum Nachmalen. Sie malen einen Affen. So einen wie auf Hauswänden. Street Art. Was ist Nachmalen? Nachmalen ist für die Frauen Freiheit. Die Reporterin ist natürlich dabei, um alles zu beobachten. Auch sie kichert und quietscht, wie die anderen Teinehmerinnen.

In den Museen sorgen die besorgten Frauen dafür, dass Bilder abgehängt werden, aber hier machen die Frauen selbst Kunst, rufen, wenn sie fertig sind „Ta daa“ - und präsentieren ihre Bilder. Nachmalen ist schwierig, aber sozial. Das ist die Hauptsache. Das lernen die Frauen in diesen Workshops. Malen nach einer Vorlage. Was ist das Ziel in diesem Spiel? Ziel ist: Gute Laune. Was sonst. Kommt aus Amerika: „Social Painting Event“. Bewundernswert.
Die Männer telefonieren derweil, kritzeln sich was zusammen und hören Musik.
Aber die Frauen wissen: Auch Musik kann Frau selber machen. Auch dafür gibt es Events. Rudelsingen. Für die gute Laune. Rudelsingen von Schlagern, da singt Frau sich frei, denn Musik muss gute Laune machen. Vergesst Mozart. Oh Gott, ich habe gesungen, oh Gott, ich habe gemalt und es hat Spaß gemacht.
Das ist auch eine Kunstauffassung.

Danke, liebe Frauen. Danke für Rudelsingen, den ein oder anderen Hashtag. Danke für Fahrradhelm und Cappuccino bei der Totalüberwachung der Kinder. Danke für das gleichzeitige Verfassen einer Petition gegen Datenspeicherung, natürlich. Teilen, teilen, teilen. Und alles gewaltlos. Vegetarische Malerei, vegetarisches Singen, vegetarisches Übermalen.
Kein Sex in der Kunst. Bitte keine Nackten. Modelle sind Objekte.
Böse Schauspieler müssen aus Filmen herausgeschnitten werden. Böse Bücher müssen verboten werden.
Buddha Statuen sprengen. Ach nein, das waren die anderen.
Und auf jeden Fall müssen wir noch alle Lieder und Gedichte umtexten, die sexistisch sind von wegen Beobachter und so. Und erst wenn die Beobachter abgeschafft sind, kann es heißen: Alle Menschen werden Brüder – nein, auch nicht, das geht gar nicht. Besser Schwestern. Und dann: Bitte kein Vaterland. Besser Mutterkuchen. Gott sei Dank. Nein, Göttin sei Dank. Genau.
Und da Gott eine Dame ist, sollten wir auch anders beten: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Dämlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Liebe Frauen, ich bewundere euch immer noch, aber ich bin nicht auf eurer Seite. Die Rache für Hexenverbrennung ist nicht die Bücherverbrennung.

Quellen: heute plus vom 17. März 2018; Alice Salomon Hochschule Berlin 2018; Gleichstellungsbeauftragte Kristin Rose-Möhring im SPD-geführten Bundesfamilienministerium 2018

Mittwoch, 14. März 2018

Alle vernunftbegabten Wesen denken...

Demokratie ist toll. Aber manchmal... Wahlen in Österreich, Wahlen in Italien. Klingt wie ein Witz, ist auch einer. Berlusconi, der bemalte Holzkopf, Grillo, der schreiende Lockenkopf, Nazi, Nazi! Der Sultan mit Tourette Syndrom, Nazi, Nazi!  Dazu die Gouvernante May, Hand in Hand mit Donald, die Säcke Strache und Blocher, dann das polnische Rumpelstilzchen, der Österreicher im Konfirmationsanzug, der ungarische Blödmann. Und dann noch: Der Riesenidiot mit dem Wortschatz eines Sechsjährigen. Trump droht mit Feuer und Zorn, denn sein roter Knopf ist der größte. Putin, der Popanz, droht nackt auf einem Pferd mit der längsten Rakete der Welt, der kleine Koreaner friert sein Lächeln ein und droht mit der dicksten Rakete der Welt, Xi, der Oberbonze droht mit der längsten Amtszeit der Welt - es nimmt kein Ende...

Und womit drohen wir? Wir drohen einfach zum wiederholten Mal mit Stabilität.
Ja, Deutschland scheint im Vergleich mit anderen Chaos-Clubs geradezu wie ein Zentrum von Vernunft und Seriosität.
Obwohl wir doch genug echte Komiker haben. Schulz und Scholz, der CSU-Comedy Club, das Lindner Baby, der grüne Hofreiter ohne Pferd - und so fort. Aber selbst die werden noch zur Vernunft gebracht. Von Angela. Ruhe! Anschließend Kartoffelsuppe.

Richtige Horror-Clowns gab es nur in früheren Zeiten. Das haben viele schon fast vergessen. Wie war das noch? Erbsensuppe, Schäferhund, dicke Hose, Stiefel, komischer Gang. Dieser Chaplin kam als Flüchtling von Österreich nach Deutschland, nannte sich Hitler, schaffte Presse und Parteien ab, um sich anschließend durch die Straßen zu prügeln, durch Europa zu metzeln und ganze Völker niederzumachen. Das ist eben das Problem mit richtigen Witzfiguren. Alle vernunftbegabten Wesen denken: Der Spuk ist bald vorbei. Und dann wundern sie sich. Denn diese Clowns werden nicht nur an die Macht geputscht, sondern sogar gewählt. Von wem? Von diesem erregten Publikum, das schon lacht, wenn sich Witzereißer über die Schwächeren hermachen. Bei jedem Kracher wird geklatscht und gejohlt, bis die Clowns plötzlich anfangen auf die ersten Reihen zu zielen und ins Publikum zu schießen. Dann aber ist es zu spät, dann ist die Show vorbei. Schreiben wir also lieber unser eigenes Stück, bevor es zu spät ist.

Freitag, 16. Februar 2018

Deniz Yücel ist frei

Der in der Türkei gefangengehaltene Journalist Deniz Yücel ist frei. Erdogan, Führer der türkischen Terrormiliz AKP, lässt die Geisel nach über einem Jahr ziehen.
Endlich!

Die Geisel wurde vor über einem Jahr ohne Grund entführt und eingekerkert, jetzt ließ man den Journalisten ebenso plötzlich und ebenso ohne Grund wieder frei.

Das Großmaul,  der alle als Nazis beschimpft, schrie noch ein Versprechen in die Mikrophone: "Solange ich Präsident bin, kommt dieser Terrorist nicht frei". Und wieder eine Lüge.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Kinder erschießen - normal

Amoklauf an einer amerikanischen Schule. 17 Tote, mehrere Schwerverletzte. Überrascht?

Wie wir wissen, ist das Töten in Amerika normal. Auch Kinder dürfen regelmäßig erschossen werden. Zum anschließenden Ritual gehört: Beten, Bitten um Verschärfung der Waffengesetze, dann der erneute Beweis, dass die Abgeordneten von der Waffenlobby bezahlt werden - und - die nächsten Schüsse auf Kinder.

Die Kinder laufen mit Waffen durch die Gegend und posten das auf Instagram. Keine Sorge. Normal.
Vielleicht tragen auch die Eltern Kappen, wie der Amokschütze, mit der Aufschrift "Make Amerika Great Again". Ganz ruhig. Alles normal.

Jagen, verspotten, vergewaltigen, um sich schießen. Trump ist ihr Präsident.
Eine seiner Tweets ließ aufhorchen: Das Problem seien die psychisch Kranken.
Er schließt einen Rücktritt trotzdem aus.

Nachtrag: Kinder und Waffen - die dritthäufigste Todesursache bei amerikanischen Kindern (Quelle: Newsweek)

Nachtrag: Die Schülerinnen und Schüler wollen nicht mehr nur beten und schweigen. Sie demonstrieren, protestieren, schreien ihre Wut heraus. Ein Mädchen, außer sich, sagt auf einer Kundgebung, das Problem seien eben nicht die psychisch Kranken, ein psychisch Kranker hätte mit einem Messer nicht so viele Menschen töten können. Die Überlebenden haben die Nase voll.
Hut ab vor den zornigen jungen Menschen, die nun eine große Demonstration in Washington planen.


Sonntag, 11. Februar 2018

SPD - vorläufig letzter Akt der Tragödie?

"Wann wir schreiten Seit' an Seit' und die alten Lieder singen"...  das singen die Genossinnen und Genossen immer noch, obwohl sie offenbar nicht verstehen, was "Seit' an Seit'" überhaupt bedeuten soll. Mir fällt eher das Lied von Aznavour ein: "Du gute alte SPD, wie siehst du aus, ach das tut weh..." Wir haben es hier mit der Partei zu tun, die mit ihrer etwas schlampigen Figur in der bundesdeutschen Küche sitzt und sich immer wieder über Ungerechtigkeit beschwert, während ihre Frau, Frau Merkel, die praktische Arbeit macht. Na ja, Ehe für alle, sie wissen schon. Frustrierend.

So sitzt sie, die SPD, da wo sie immer sitzt, in besagter Küche, murmelt immer wieder "Erneuerung", singt traurige Küchenlieder und pflegt Selbstgespräche.
Draußen sitzen die Jusos im Sandkasten, nehmen Drogen und singen Erneuerungslieder. Sie leiden unter Dauerpubertät, toben sich aus, treten gegen die Rutsche und verbrennen das GroKoDil.
"In die Fresse", lacht Andrea Nahles, wirft mit Sand und will Badewannenkapitänin des sinkenden Schiffchens SPD werden.

"Ab in die Küche. Die Leute brauchen was zu essen", sagte die Kindergärtnerin, Frau Steinmeier. Schnell wird im Rezeptbuch geblättert und jedes Rezept bürgerlicher Küche in den Koalitionsvertrag eingebaut, das auch schon 2009 oder 2013 dort gestanden hat, ohne dass daraus jemals eine Suppe, geschweige denn ein Kuchen geworden wäre.

Egal. Die gute alte SPD - wird gebraucht. Bätschi.
Und was passiert in der Küche? Es wird gekocht. Hoffentlich dürfen wir die Rezepte auch in Zukunft noch selber schreiben und den Kochvorgang einigermaßen kontrollieren und werden nicht gezwungen nur noch Google- und Facebook-Fertiggerichte zu fressen. Darum sollten die Köche etwas von der Sache verstehen. Wir sind gespannt.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Der Marsch hat begonnen

Nun sind sie schon Ausschussvorsitzende im Parlament. Die Herren mit der Nazi-Sprache.
Nicht irgendwelche, sondern exponierte Vertreter der Rechtsnationalen. Sie raunen von 'Umvolkung' und 'Neuer Weltordnung' - und wenn in Dresden der Mob brüllt "Merkel muss weg", drängt sich der Herr Abgeordnete vor eine Kamera und drückt sich gewählter aus: "diese Dirne der Fremdmächte" führe durch Nicht-Widerstand zum Bürgerkrieg.

"Eine Schande für Deutschland", sagt er noch und meint alle anderen außer sich selbst.
Der neue Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses ist schon verurteilt wegen Beihilfe zu schwerer Körperverletzung.

Und natürlich werden die neuen Würdenträger von einer skandalgeilen Journaille  belagert, dürfen in deren Mikrophone bellen, alle bösen Zitate seinen aus dem Zusammenhang gerissen und sitzen am Abend wieder bei Sandra Will in der Talk-Show.

Samstag, 6. Januar 2018

CSU: Die Rechtsnationalen

Dobrindt passt gut in die Führung der CSU. Die Frage ist nur, wer um Gottes Willen hat ihn dazu gebracht Leitlinien zu formulieren, eine Art Manifest der neuen Rechten. Entweder ist er schon so dumm, dass er einfach ein paar Wörter aus dem Wortschatz der Nazis durcheinandergewürfelt hat, damit er im braunen Sumpf verstanden wird, oder es steckt ein Plan dahinter. Wer hat ihm da die Hausaufgaben gemacht? Frau Le Pen, Herr Strache, Herr Trump? Jedenfalls finden wir hier eine Leitkultur, die sich deutlich absetzt von konservativen Ideen des Bewahrens und Erhaltens, zum Beispiel der Demokratie.

Daher spricht aus Dobrindt auch der Satz von einer "konservativen Revolution", ein Begriff, der bewusst den direkten Vorlauf der nationalsozialistischen Bewegung bezeichnet, also alle Kräfte, die damals gegen die Demokratie zu Felde zogen. Nicht gewusst? Es ist ja üblich geworden, Formulierungen, wie auch "Lügenpresse" oder "völkisch" aus dem Nazi-Kontext zu lösen, um sie unverbraucht wieder aufbauen zu können. Bedeuten sie dann etwas anderes? Nein. Im Gegenteil. Alle sollen Bescheid wissen wohin die Reise geht. Sollte die Reise, wie schon in Österreich, auch in Deutschland wieder dahin gehen, es 'normal' zu finden, dass Rechtsnationale mit engen Verbindung zum braunen Sumpf, mit Querverbindungen zu Schlägertrupps und Terroristen, in Talk-Shows sitzen, im Parlament, oder gar in Regierungen? Wir sind auf dem Weg. Die AfD sitzt schon im Parlament, die CSU in der Regierung und ihre Propagandisten in jeder Show.

Wie, um unter Beweis zu stellen, wie rechtsnational die Partei schon ist, die folgerichtige Einladung der CSU an den rechtsnationalen Ungarn Orban, Präsident des neuen Heimatlandes der internationalen Faschisten, die Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Kloster Seeon zu besuchen. Auf einer CSU-Pressekonferenz darf dieser Orban in genau der Terminologie der neuen Bewegung sagen, das kommende Jahr werde "das Jahr der Wiederherstellung des Volkswillens in Europa". Das europäische Volk werde erzwingen, dass auch in Sachen Migration sein Wille erreicht werde. Genau. So reden sie. Volkswillen! Der Mob wird zum 'Volk' stilisiert, das die Eliten, die Juden, die Ausländer hinwegfegen soll. Und die CSU bescheinigt umgehend ihrem Freund, ein lupenreiner Demokrat zu sein und lässt seine Ausfälle umkommentiert. Allerdings - von Presse und Medien werden sie noch nicht verschont.

Typisch. Immer sind die Intellektuellen, die Journalisten, überhaupt sind alle Vertreterinnen des "versifften links-rot-grünen 68er Deutschlands" - immer dagegen. Daher ist auch in dem Papier von „linker Meinungsvorherrschaft“ ist die Rede, gegen die das Bürgertum aufstehen soll. Diese Verbreiter von Fake News, sollen, wie auch Frau Merkel, verschwinden. "Wir werden sie jagen!" Das sagt Dobrindt natürlich nicht, aber er meint es und lässt es andere sagen. Und die, die das sagen, lassen wieder andere für sie prügeln. So sehen die Abstufungen aus. Aber zurück zu denen, die 'nur' reden. Wenn Dobrindt etwas sagt, muss er sich tatsächlich auch noch vor böswilligen Journalisten rechtfertigen. Das muss ein Ende haben.
Eine wie Frau Slomka darf nicht noch einmal im 'heute journal' einen wie ihn als dummen Jungen entlarven. Erdogan wirft solche Leute einfach ins Gefängnis. So soll es sein. So wird es sein. Sperrt sie ein!

Aber eins sollte ihm klar sein: Auch unter einem CSU/ AfD-Kanzler wird Dobrindt nur Verkehrsminister werden.


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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.