Freitag, 20. April 2018

Nachtrag zu 'Nazi-Echo'

Die letzte Glosse aus meinem Blog fand große Verbreitung. Das hat mich gefreut, denn es zeigt, dass der Fall 'Kollegah', ein Fall von Verrohung in Kultur und Sprache, viele Menschen beschäftigt - und das ist gut.

Eins noch: Einige besonders schlaue Journalisten versuchen nun zu erklären, im Hiphop ginge es eben um Tabubruch und Beschimpfungen, das sei der Sinn der Sache. Das müsse man verstehen. Muss man nicht.
Dieses „Laberlaberlaber kotz, ich bin Hitler, du bist Rotz“ ging mir immer schon schlicht auf die Nerven. Und die Videos mit Geballer, Goldkettchen und Nutten waren schon zu Beginn unerträglich. All das ist zwangsläufig jetzt da gelandet, wo es immer schon hinwollte. Die Überraschung und das Erschrecken sind also doppelbödig. Die Musikindustrie hat genau davon jahrelang gut gelebt und kalkuliert. "Mit Kollegah und Farid Bang sind wir jetzt die Nummer eins in Deutschland", protzte die Bertelsmann Music Group (BMG) zur Preisverleihung. Darum geht es.

Manch nachgeschobene intellektuelle Erklärung völlig ins Leere: ‚Kollegah’ führt eben keinen ‚Battle’ unter Rappern, sondern schießt Salven an Vorurteilen und Gewaltphantasien von oben nach unten, in ein junges Publikum, das getroffen werden soll, um den Mist dann kaufen zu müssen - und nicht nur das - es soll den Mist glauben, es soll genauso labern wie die Vorbilder und das tut es dann auch. Und dann kriegt der Mist auch noch einen Preis. Und ‚Kollegah’ hat immer noch über eine Million Follower. Die fühlen sich in ihrer 'Außenseiter-Rolle' bestätigt und hetzen jetzt gegen die Kritiker. ‚Kollegah‘ glaubt ohnehin an Weltverschwörungen und selbstverständlich an eine gelenkte Presse, aber natürlich nicht an die Evolution. Wie könnte er auch.
Es ist eben ein Unterschied, ob zwei Spatzen miteinander kämpfen oder ein Primat mit der Keule auf sie eindrischt.

Klaus Voormann hat den Preis für sein Lebenswerk zurückgegeben, wie auch andere Ernst zu nehmende Musiker. Respekt. Auch Westernhagen befreit sich von seinen sieben Preisen, obwohl er schreibt, er halte ‚Kollegah‘ nicht für antisemitisch. Ach ja?

Die Muster von Antisemitismus, Gewalt und Respektlosigkeit sind bei Hiphop Dumpfbeuteln wie ‚Kollegah’, die gleichen, wie sie sowohl in fundamentalistischen als auch in Nazi-Kreisen zu finden sind. Es war höchste Zeit dagegen aufzustehen.

Eins noch: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Lügen, Verschwörungsgefasel und Kommerz, Seichtheit, kalter Eventkultur, dümmlichem Schlagerkitsch, den Simpeltexten des deutschen Pops und einem immer lauter werdenden Schweigen? Ich denke ja. Und ich hoffe, das Schweigen hat jetzt ein Ende.

Freitag, 13. April 2018

Nazi 'Echo'

Vortäuschung einer Preisverleihung, Vortäuschung von 'Musik', Vortäuschung von Qualität, Vortäuschung einer Fernsehsendung. Eine widerwärtige Veranstaltung war die 'Echo'-Verleihung immer schon. Eine Werbe-Show, die ausschließlich Verkauf und Mainstream feiert.

Dass uns hier die ganzen verblödeten, vernuschelten Lallkönige aufs Auge gedrückt werden, wissen wir. Dass die Frigiditätskönigin Fischer hier Dauerpreisträgerin ist, wundert niemanden mehr.
Dass sprachunfähige, aufgepumpte Wortspucker uns ihre Gewaltphantasien entgegenschleudern, finden die meisten schon lange normal. Fotze, Schwuler, aufhängen, jagen - kein Problem - ist ja Hip Hop.

Aber dass Bumms, Schwanz und Brudaa jetzt auch schon härteste Nazi Kacke auf dieser Veranstaltung verkaufen dürfen, ist neu. Ah, da sind sie ja, die mit dem dummen Gesicht, Kampffrisur, aufgeblasene Oberarme, IS-Bart, Goldketten, Klunker - wo sind ihre Nutten? Ah ja, da.
Bang und Kollegah - ja wir wissen, ihr seid zu doof Namen richtig zu schreiben - rotzen und witzeln und mumpfen und dumpfen, schlagen um sich, beleidigen und hetzen.

"Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch
Sie sagt, 'Lass mich in Ruhe!', doch er versteht sie nicht
Zerlege dich, gab mir Testo
Mach' dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo
(...)
Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen
Ich tick' Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper
... ah"

Nein, der Text ist echt. Echt.
Wo sind wir hier gelandet?
Leider wurden die psychisch gestörten Dummbeutel nicht an Ort und Stelle verhaftet, sondern bekommen auch noch einen Preis für "Jung, Brutal, Gutaussehend 3"

Und warum?
"Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht
Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)
Danach fick' ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe"

Ach so.
So viel zum 'Echo'. Und noch etwas: Hat das Publikum diese Musik-Terroristen von der Bühne gejagt? Nein.
Wer von den Stars hat bei dieser 'Preisverleihung' das Maul aufgemacht? Der Preisträger Mark Forster, der so lange auf seinen Preis warten musste? Der wollte schön brav sein. Die Helene Fischer? Sicher nicht. Sie würde ihre ganzen AfD-Groupies verlieren. Alles in allem eine Schande. Soviel zu unserer Musikszene. Nur Campino hat protestiert. Das macht ihn fast sympathisch. Aber er stand auf verlorenem Posten. Soviel zu 'Gesicht zeigen'.

Fazit: Wenn in der Schule ein weiterer kleiner Kapuzenträger auf einen Scheiß Juden spuckt oder einen Schwulen verprügelt oder ein Mädchen ohne Kopftuch als Schlampe bezeichnet, wissen wir, dass ihre preisgekrönten Vorbilder ihre Arbeit getan haben. Gedeckt vom Schweigen der Anderen.

Montag, 9. April 2018

Und wieder: psychisch Gestörte

Ein psychisch gestörter Mann fährt in einem Campingwagen in eine Menschenmenge vor einem Restaurant. Münster trauert. Die Menschen halten inne. Die Trauer wird natürlich sofort von Tweets gestört. Die psychisch gestörte Bundestagsabgeordnete Frau von Hass twittert sofort. Alle Gestörten müssen immer sofort twittern.
'WIR SCHAFFEN DAS' twittert sie, garniert den Tweet mit einem Hass-Emotion, das ein dummes kleines Gesicht mit Hass-Grimasse zeigt. Unverkennbar das Profilbild der Frau von Hass, vom Blute derer von Storch.

Das dumme kleine Gesicht ist tatsächlich Mitglied des deutschen Bundestages geworden, weil viele dumme, kleine, verschreckte Gesichter aus einer Menge Gesichtsloser das Kreuz an der rechten Stelle machen mussten. Hat das Kreuz schon Haken? Wenn wir uns die Hackfressen ansehen, mit denen das kleine, dumme Gesicht im Parlament sitzt, dann heißt die Antwort: Ja. Wir müssen das Schlimmste befürchten.

Der psychisch gestörte Mann im Wagen ist offenbar ausnahmsweise kein psychisch gestörter Religiöser, sondern ein psychisch gestörter Gestörter, der andere mit in den Tod reißen wollte. Die psychisch gestörte Frau muss trotzdem zwanghaft twittern. Zwanghaft twittern ist eine Gewohnheit der psychisch Gestörten geworden. Egal was passiert, sie twittern 'WIR SCHAFFEN DAS' - also, den Hass zur Regel zu machen und ihn in handelsüblichen Simpelbotschaften in die Menge zu feuern.

Wer ist verantwortlich für das Böse? Sind es die Terroristen, die psychisch gestörten Religiösen oder die psychisch gestörten Gestörten... vor allem - wo ist der Unterschied? Frau von Hass kennt sich da aus, aber sie feuert nur dann auf die Gestörten, wenn sie aus einem anderen Land kommen oder von anderer Religion sind. Und wenn die jetzt noch nicht im Auto saßen, dann bald. Das ist eine Drohung. Sie kennt sich da aus.

Die psychisch gestörten Religiösen wollen andere mit in den Tod reißen, damit sie im Paradies der psychisch Gestörten als Helden gefeiert werden können. Die psychisch gestörte Hasspredigerin bleibt leider Abgeordnete, bis wir Gesicht zeigen und sie abwählen.

Mittwoch, 4. April 2018

Dann kam der Osterhase zu Besuch

Auch Ostern ist vorbei. Das war anstrengend. Der Papst musste mal wieder seine Brüder Urbi und Orbi wie jedes Jahr auf dem Balkon dem versammelten Volk zeigen, das entzückt jubelte. Das Fernsehen musste natürlich alles auch noch übertragen. Die große Urbi und Orbi Show im Carmen Nebel.

Und der Osterhase musste trotz dieses Events seine jährliche Performance mit Eiern absolvieren. Obwohl keiner an ihn glaubt, außer ein paar Kinder - musste er mit dieser Performance auf Tour gehen. Wie jedes Jahr.
Die meisten Nicht-Hasen glauben ja lieber an Gespinste und zornige Männer mit Bärten, der Osterhase aber musste den Osterhasen spielen. Wie jedes Jahr.
Der Osterhase war müde und wollte wohl mit jemandem sprechen. Aber warum ausgerechnet mit mir?

Als Kind habe ich ihn nie zu Gesicht bekommen, aber jetzt musste er ausgerechnet bei mir klingeln, die Kiepe abstellen und sich an meinen Tisch setzen, um sich einmal richtig auszusprechen.
Bei einer Tasse Kaffee geriet er ins Erzählen. Jedes Jahr die Performance mit den Eiern - und er wüsste nicht warum - und dann die blöden Hühner, die nur zuschauten und er allein müsste die ganzen Eier überall verstecken, ob große oder kleine Locations, damit das Publikum sie suchen könne - Überraschungseier, aber was bedeutete das, gesellschaftlich? Und dass sein Akku schon im roten Bereich sei...

Meiner auch, sagte ich und geriet auch ins Erzählen. Der Osterhase machte den Mund zu und spitzte die langen Ohren. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Ich redete und redete. Proben laufen für die MÖWE. MÖWE? Ja, MÖWE. Tschechow. Ein paar Tage frei und Durchatmen. Ohne Osterhase. Der Osterhase schaute traurig über den Rand seiner Tasse.
In den letzten Wochen, erzählte ich weiter, hätten wir nicht so viel Zuschauer gehabt, wegen Ostern - gerade mal zwanzig bei den KÄFERN - KÄFER? Ja, KÄFER. Die seien durchaus beeindruckt gewesen - inklusive drei aus Düsseldorf, die es gut fanden, mal da gewesen zu sein - und die Schauspieler wären ganz beseelt gewesen und vor ein paar Tagen hätte ich den Spielplan fertig gemacht und ein paar Entscheidungen gefällt. Zum Beispiel, dass ich im zweiten Halbjahr PÜDEL TAM TAM auf die Bühne bringen würde... PÜDEL TAM TAM? Ja, PÜDEL TAM TAM... Auf die Bühne? Ja, auf die Bühne.
Der Hase trank hastig aus, sah irritiert auf die Uhr, sagte: "Muss geh'n, muss geh'n, auf Wiedersehen", hoppelte davon und warf die Tür hinter sich zu. Ich dachte: So geht es also auch.
So bin ich den Hasen wieder los geworden. Aber erleichtert bin ich immer noch nicht.

Montag, 2. April 2018

Bomb Mom

Oh mein Gott!
Da kursiert mal wieder eine gaanz tolles Video auf FB. Wie immer unter dem Motto: „Ihr werdet es nicht für möglich halten“. Doch.

Es geht um eine Mutter. So eine richtige tolle Mutter mit diesem ernsthaften Tolle-Mutter-Gesicht und dem Ich-Nehme-Meinen-Sohn-Ernst-Gesicht. Und mit der Oh-Mein-Gott-Mimik und Sätzen wie „ich bin fast ausgeflippt“ während sie mit ihren Händen diese aufgeregten Kreisbewegungen macht. Dieses große, aufgeregte Kreisen, das sagen soll „Hört ihr mich? Ich habe meinen 10jährigen Sohn schon so gut abgerichtet, dass er die gleichen Sätze sagt wie ich. Zum Beispiel: ‚Wir müssen reden!‘“
„Was passiert hier?“ fragt sie sich, verzerrt ihr Gesicht, macht eine hochschwangere Pause, schaut aus den Augenwinkeln nach rechts und gestikuliert mit kreisenden Händen. „Normalerweise ist mein Sohn spontan“ - die Sache wird immer spannender. Sie flippt aus. Riesige Handkreisbewegungen. Verzerrte, angstvolle Gesichtszüge.

Diese Mutter gehört zu den Müttern, die ihre Söhne „Buddy“ nennen. Das Ganze müssen wir uns ohnehin in breitem Kaugummi-Amerikanisch vorstellen. Bis wir endlich wissen worum es geht: „I am straight“ Das bekennt ihr 10jähriger Sohn. Wie süß. Die Botschaft ist: Egal ob schwul oder straight - Menschen sind alle gleich! Das sind die Gespräche zwischen aufgeregten Müttern und ihren Söhnen. Heutzutage.
In solch einer Welt sollten wir alle leben, meint das amerikanische Muttertier. Kinder sollen ganz offen und ganz „straight“ sein.
Um dem noch die Krone aufzusetzen: Das Ganze gibt es als Serie und die heißt tatsächlich „Truth Bomb Mom“. Folge: Coming out. OMG.
Meine Mutter, vor vielen Jahren, sagte einfach: „Jetzt nichts Süßes mehr, gleich gibt es Essen“.
Das waren noch Gespräche.

Mittwoch, 28. März 2018

Frauen. Frauen und Bäume.

Frauen und Bäume und ein Beobachter. So wollte ich das schreiben, als ich noch jung und unschuldig war. Dann ist mir dieser Schweizer Dichter zuvorgekommen, Gomringer, der hat dann für ähnliche Zeilen einen Preis bekommen. Aber dafür muss er jetzt auch büßen. Denn so kann mann das ja nicht schreiben. Das hätte er wissen müssen. Ich hab das damals schon befürchtet.

Bewunderer – Beobachter. Das geht zu weit. Schon stehen Frauen auf den Barrikaden. Das muss verboten werden. Denn der Beobachter ist ein Sexist, weil er beobachtet. Und dann dachte ich: Nein, Frauen, ihr seid nicht so dumm. Eine böse Dystopie.

Alice Salomon Hochschule Berlin - in altem Zustand
Tut mir leid. Weit gefehlt. Es ist schon soweit. Das Gedicht stand an der Gebäudewand einer Uni. Aber Gott sein Dank gab es dort nicht nur Studenten, sondern auch Studentinnen, nein, Studierende, obwohl - Studentinnen sind nicht unbedingt Studierende - aber auf jeden Fall Frauen. Also sorgen sie für Säuberung. Das Gedicht musste übermalt werden, Gott sei Dank.
Entschuldigung. Göttin sei Dank. A propos:
„Wann haben Sie zum letzten Mal was gemalt?“ fragt die Moderatorin von ‚heute plus‘. Ah, eine Frau in den Medien.
„Also nicht die Kuli-Kritzeleien, die beim Telefonieren entstehen“, moderiert sie, sondern - malen nach Zahlen. Das unbewusste, kreative Gekritzel ist - was? Entartet?
Genial. Kichernde Frauen treffen sich zum Nachmalen. Sie malen einen Affen. So einen wie auf Hauswänden. Street Art. Was ist Nachmalen? Nachmalen ist für die Frauen Freiheit. Die Reporterin ist natürlich dabei, um alles zu beobachten. Auch sie kichert und quietscht, wie die anderen Teinehmerinnen.

In den Museen sorgen die besorgten Frauen dafür, dass Bilder abgehängt werden, aber hier machen die Frauen selbst Kunst, rufen, wenn sie fertig sind „Ta daa“ - und präsentieren ihre Bilder. Nachmalen ist schwierig, aber sozial. Das ist die Hauptsache. Das lernen die Frauen in diesen Workshops. Malen nach einer Vorlage. Was ist das Ziel in diesem Spiel? Ziel ist: Gute Laune. Was sonst. Kommt aus Amerika: „Social Painting Event“. Bewundernswert.
Die Männer telefonieren derweil, kritzeln sich was zusammen und hören Musik.
Aber die Frauen wissen: Auch Musik kann Frau selber machen. Auch dafür gibt es Events. Rudelsingen. Für die gute Laune. Rudelsingen von Schlagern, da singt Frau sich frei, denn Musik muss gute Laune machen. Vergesst Mozart. Oh Gott, ich habe gesungen, oh Gott, ich habe gemalt und es hat Spaß gemacht.
Das ist auch eine Kunstauffassung.

Danke, liebe Frauen. Danke für Rudelsingen, den ein oder anderen Hashtag. Danke für Fahrradhelm und Cappuccino bei der Totalüberwachung der Kinder. Danke für das gleichzeitige Verfassen einer Petition gegen Datenspeicherung, natürlich. Teilen, teilen, teilen. Und alles gewaltlos. Vegetarische Malerei, vegetarisches Singen, vegetarisches Übermalen.
Kein Sex in der Kunst. Bitte keine Nackten. Modelle sind Objekte.
Böse Schauspieler müssen aus Filmen herausgeschnitten werden. Böse Bücher müssen verboten werden.
Buddha Statuen sprengen. Ach nein, das waren die anderen.
Und auf jeden Fall müssen wir noch alle Lieder und Gedichte umtexten, die sexistisch sind von wegen Beobachter und so. Und erst wenn die Beobachter abgeschafft sind, kann es heißen: Alle Menschen werden Brüder – nein, auch nicht, das geht gar nicht. Besser Schwestern. Und dann: Bitte kein Vaterland. Besser Mutterkuchen. Gott sei Dank. Nein, Göttin sei Dank. Genau.
Und da Gott eine Dame ist, sollten wir auch anders beten: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Dämlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Liebe Frauen, ich bewundere euch immer noch, aber ich bin nicht auf eurer Seite. Die Rache für Hexenverbrennung ist nicht die Bücherverbrennung.

Quellen: heute plus vom 17. März 2018; Alice Salomon Hochschule Berlin 2018; Gleichstellungsbeauftragte Kristin Rose-Möhring im SPD-geführten Bundesfamilienministerium 2018

Mittwoch, 14. März 2018

Alle vernunftbegabten Wesen denken...

Demokratie ist toll. Aber manchmal... Wahlen in Österreich, Wahlen in Italien. Klingt wie ein Witz, ist auch einer. Berlusconi, der bemalte Holzkopf, Grillo, der schreiende Lockenkopf, Nazi, Nazi! Der Sultan mit Tourette Syndrom, Nazi, Nazi!  Dazu die Gouvernante May, Hand in Hand mit Donald, die Säcke Strache und Blocher, dann das polnische Rumpelstilzchen, der Österreicher im Konfirmationsanzug, der ungarische Blödmann. Und dann noch: Der Riesenidiot mit dem Wortschatz eines Sechsjährigen. Trump droht mit Feuer und Zorn, denn sein roter Knopf ist der größte. Putin, der Popanz, droht nackt auf einem Pferd mit der längsten Rakete der Welt, der kleine Koreaner friert sein Lächeln ein und droht mit der dicksten Rakete der Welt, Xi, der Oberbonze droht mit der längsten Amtszeit der Welt - es nimmt kein Ende...

Und womit drohen wir? Wir drohen einfach zum wiederholten Mal mit Stabilität.
Ja, Deutschland scheint im Vergleich mit anderen Chaos-Clubs geradezu wie ein Zentrum von Vernunft und Seriosität.
Obwohl wir doch genug echte Komiker haben. Schulz und Scholz, der CSU-Comedy Club, das Lindner Baby, der grüne Hofreiter ohne Pferd - und so fort. Aber selbst die werden noch zur Vernunft gebracht. Von Angela. Ruhe! Anschließend Kartoffelsuppe.

Richtige Horror-Clowns gab es nur in früheren Zeiten. Das haben viele schon fast vergessen. Wie war das noch? Erbsensuppe, Schäferhund, zu kurze Uniformjacke, dicke Hose, Stiefel, komischer Gang. Dieser Chaplin kam als Flüchtling von Österreich nach Deutschland, nannte sich Hitler, schaffte Presse und Parteien ab, um sich anschließend durch die Straßen zu prügeln, durch Europa zu metzeln und ganze Völker niederzumachen. Das ist eben das Problem mit richtigen Witzfiguren. Alle vernunftbegabten Wesen denken: Der Spuk ist bald vorbei. Und dann wundern sie sich. Denn diese Clowns werden nicht nur an die Macht geputscht, sondern sogar gewählt. Von wem? Von diesem erregten Publikum, das schon lacht, wenn sich Witzereißer über die Schwächeren hermachen. Bei jedem Kracher wird geklatscht und gejohlt, bis die Clowns plötzlich anfangen auf die ersten Reihen zu zielen und ins Publikum zu schießen. Dann aber ist es zu spät, dann ist die Show vorbei. Schreiben wir also lieber unser eigenes Stück, bevor es zu spät ist.

Freitag, 16. Februar 2018

Deniz Yücel ist frei

Der in der Türkei gefangengehaltene Journalist Deniz Yücel ist frei. Erdogan, Führer der türkischen Terrormiliz AKP, lässt die Geisel nach über einem Jahr ziehen.
Endlich!

Die Geisel wurde vor über einem Jahr ohne Grund entführt und eingekerkert, jetzt ließ man den Journalisten ebenso plötzlich und ebenso ohne Grund wieder frei.

Das Großmaul,  der alle als Nazis beschimpft, schrie noch ein Versprechen in die Mikrophone: "Solange ich Präsident bin, kommt dieser Terrorist nicht frei". Und wieder eine Lüge.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Kinder erschießen - normal

Amoklauf an einer amerikanischen Schule. 17 Tote, mehrere Schwerverletzte. Überrascht?

Wie wir wissen, ist das Töten in Amerika normal. Auch Kinder dürfen regelmäßig erschossen werden. Zum anschließenden Ritual gehört: Beten, Bitten um Verschärfung der Waffengesetze, dann der erneute Beweis, dass die Abgeordneten von der Waffenlobby bezahlt werden - und - die nächsten Schüsse auf Kinder.

Die Kinder laufen mit Waffen durch die Gegend und posten das auf Instagram. Keine Sorge. Normal.
Vielleicht tragen auch die Eltern Kappen, wie der Amokschütze, mit der Aufschrift "Make Amerika Great Again". Ganz ruhig. Alles normal.

Jagen, verspotten, vergewaltigen, um sich schießen. Trump ist ihr Präsident.
Eine seiner Tweets ließ aufhorchen: Das Problem seien die psychisch Kranken.
Er schließt einen Rücktritt trotzdem aus.

Nachtrag: Kinder und Waffen - die dritthäufigste Todesursache bei amerikanischen Kindern (Quelle: Newsweek)

Nachtrag: Die Schülerinnen und Schüler wollen nicht mehr nur beten und schweigen. Sie demonstrieren, protestieren, schreien ihre Wut heraus. Ein Mädchen, außer sich, sagt auf einer Kundgebung, das Problem seien eben nicht die psychisch Kranken, ein psychisch Kranker hätte mit einem Messer nicht so viele Menschen töten können. Die Überlebenden haben die Nase voll.
Hut ab vor den zornigen jungen Menschen, die nun eine große Demonstration in Washington planen.


Sonntag, 11. Februar 2018

SPD - vorläufig letzter Akt der Tragödie?

"Wann wir schreiten Seit' an Seit' und die alten Lieder singen"...  das singen die Genossinnen und Genossen immer noch, obwohl sie offenbar nicht verstehen, was "Seit' an Seit'" überhaupt bedeuten soll. Mir fällt eher das Lied von Aznavour ein: "Du gute alte SPD, wie siehst du aus, ach das tut weh..." Wir haben es hier mit der Partei zu tun, die mit ihrer etwas schlampigen Figur in der bundesdeutschen Küche sitzt und sich immer wieder über Ungerechtigkeit beschwert, während ihre Frau, Frau Merkel, die praktische Arbeit macht. Na ja, Ehe für alle, sie wissen schon. Frustrierend.

So sitzt sie, die SPD, da wo sie immer sitzt, in besagter Küche, murmelt immer wieder "Erneuerung", singt traurige Küchenlieder und pflegt Selbstgespräche.
Draußen sitzen die Jusos im Sandkasten, nehmen Drogen und singen Erneuerungslieder. Sie leiden unter Dauerpubertät, toben sich aus, treten gegen die Rutsche und verbrennen das GroKoDil.
"In die Fresse", lacht Andrea Nahles, wirft mit Sand und will Badewannenkapitänin des sinkenden Schiffchens SPD werden.

"Ab in die Küche. Die Leute brauchen was zu essen", sagte die Kindergärtnerin, Frau Steinmeier. Schnell wird im Rezeptbuch geblättert und jedes Rezept bürgerlicher Küche in den Koalitionsvertrag eingebaut, das auch schon 2009 oder 2013 dort gestanden hat, ohne dass daraus jemals eine Suppe, geschweige denn ein Kuchen geworden wäre.

Egal. Die gute alte SPD - wird gebraucht. Bätschi.
Und was passiert in der Küche? Es wird gekocht. Hoffentlich dürfen wir die Rezepte auch in Zukunft noch selber schreiben und den Kochvorgang einigermaßen kontrollieren und werden nicht gezwungen nur noch Google- und Facebook-Fertiggerichte zu fressen. Darum sollten die Köche etwas von der Sache verstehen. Wir sind gespannt.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Der Marsch hat begonnen

Nun sind sie schon Ausschussvorsitzende im Parlament. Die Herren mit der Nazi-Sprache.
Nicht irgendwelche, sondern exponierte Vertreter der Rechtsnationalen. Sie raunen von 'Umvolkung' und 'Neuer Weltordnung' - und wenn in Dresden der Mob brüllt "Merkel muss weg", drängt sich der Herr Abgeordnete vor eine Kamera und drückt sich gewählter aus: "diese Dirne der Fremdmächte" führe durch Nicht-Widerstand zum Bürgerkrieg.

"Eine Schande für Deutschland", sagt er noch und meint alle anderen außer sich selbst.
Der neue Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses ist schon verurteilt wegen Beihilfe zu schwerer Körperverletzung.

Und natürlich werden die neuen Würdenträger von einer skandalgeilen Journaille  belagert, dürfen in deren Mikrophone bellen, alle bösen Zitate seinen aus dem Zusammenhang gerissen und sitzen am Abend wieder bei Sandra Will in der Talk-Show.

Samstag, 6. Januar 2018

CSU: Die Rechtsnationalen

Dobrindt passt gut in die Führung der CSU. Die Frage ist nur, wer um Gottes Willen hat ihn dazu gebracht Leitlinien zu formulieren, eine Art Manifest der neuen Rechten. Entweder ist er schon so dumm, dass er einfach ein paar Wörter aus dem Wortschatz der Nazis durcheinandergewürfelt hat, damit er im braunen Sumpf verstanden wird, oder es steckt ein Plan dahinter. Wer hat ihm da die Hausaufgaben gemacht? Frau Le Pen, Herr Strache, Herr Trump? Jedenfalls finden wir hier eine Leitkultur, die sich deutlich absetzt von konservativen Ideen des Bewahrens und Erhaltens, zum Beispiel der Demokratie.

Daher spricht aus Dobrindt auch der Satz von einer "konservativen Revolution", ein Begriff, der bewusst den direkten Vorlauf der nationalsozialistischen Bewegung bezeichnet, also alle Kräfte, die damals gegen die Demokratie zu Felde zogen. Nicht gewusst? Es ist ja üblich geworden, Formulierungen, wie auch "Lügenpresse" oder "völkisch" aus dem Nazi-Kontext zu lösen, um sie unverbraucht wieder aufbauen zu können. Bedeuten sie dann etwas anderes? Nein. Im Gegenteil. Alle sollen Bescheid wissen wohin die Reise geht. Sollte die Reise, wie schon in Österreich, auch in Deutschland wieder dahin gehen, es 'normal' zu finden, dass Rechtsnationale mit engen Verbindung zum braunen Sumpf, mit Querverbindungen zu Schlägertrupps und Terroristen, in Talk-Shows sitzen, im Parlament, oder gar in Regierungen? Wir sind auf dem Weg. Die AfD sitzt schon im Parlament, die CSU in der Regierung und ihre Propagandisten in jeder Show.

Wie, um unter Beweis zu stellen, wie rechtsnational die Partei schon ist, die folgerichtige Einladung der CSU an den rechtsnationalen Ungarn Orban, Präsident des neuen Heimatlandes der internationalen Faschisten, die Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Kloster Seeon zu besuchen. Auf einer CSU-Pressekonferenz darf dieser Orban in genau der Terminologie der neuen Bewegung sagen, das kommende Jahr werde "das Jahr der Wiederherstellung des Volkswillens in Europa". Das europäische Volk werde erzwingen, dass auch in Sachen Migration sein Wille erreicht werde. Genau. So reden sie. Volkswillen! Der Mob wird zum 'Volk' stilisiert, das die Eliten, die Juden, die Ausländer hinwegfegen soll. Und die CSU bescheinigt umgehend ihrem Freund, ein lupenreiner Demokrat zu sein und lässt seine Ausfälle umkommentiert. Allerdings - von Presse und Medien werden sie noch nicht verschont.

Typisch. Immer sind die Intellektuellen, die Journalisten, überhaupt sind alle Vertreterinnen des "versifften links-rot-grünen 68er Deutschlands" - immer dagegen. Daher ist auch in dem Papier von „linker Meinungsvorherrschaft“ ist die Rede, gegen die das Bürgertum aufstehen soll. Diese Verbreiter von Fake News, sollen, wie auch Frau Merkel, verschwinden. "Wir werden sie jagen!" Das sagt Dobrindt natürlich nicht, aber er meint es und lässt es andere sagen. Und die, die das sagen, lassen wieder andere für sie prügeln. So sehen die Abstufungen aus. Aber zurück zu denen, die 'nur' reden. Wenn Dobrindt etwas sagt, muss er sich tatsächlich auch noch vor böswilligen Journalisten rechtfertigen. Das muss ein Ende haben.
Eine wie Frau Slomka darf nicht noch einmal im 'heute journal' einen wie ihn als dummen Jungen entlarven. Erdogan wirft solche Leute einfach ins Gefängnis. So soll es sein. So wird es sein. Sperrt sie ein!

Aber eins sollte ihm klar sein: Auch unter einem CSU/ AfD-Kanzler wird Dobrindt nur Verkehrsminister werden.


Samstag, 9. Dezember 2017

An Nahles kommt keiner vorbei...

Es war einmal eine Kanzlerin, die war eben nicht wie Erdogan oder Orban oder Trump, die versuchte die Welt mit Vernunft zu sehen. Wenigstens das. Und die führte sich nicht auf wie Ochs und Esel.
Das konnten nicht alle verstehen. Nahles, zum Beispiel, ein Wesen, das durch eine Art Märchenwald tobte, lief laut singend durch das Unterholz, so, dass alle Tiere in Panik flüchteten. Manchmal stieg sie auch auf einen Baumstumpf und hielt Reden. Sie machte die Kanzlerin für das Chaos verantwortlich. Nahles, muss man wissen, lebte in einem Paralleluniversum, in dem Vernunft Irrsinn war und umgekehrt. In dieser Ver-Stimmung schmetterte sie der Kanzlerin ein Lied entgegen. Ein einfaches Lied zwar, aber die Töne wollten ihr nicht so recht gelingen, nur der Text stolperte heraus. Alle hielten sich die Ohren zu als es erklang "ich mach mir die Welt - wie die wie die wie sie mir gefällt". Es schallte durch den Wald und dieses Lied war noch nicht einmal, wie alle dachten, auf sie selbst gemünzt. Na ja.

Nach dieser wundersamen Begebenheit suchte sich Nahles ein Herrchen. Schulz, so hieß Herrchen, lebte auch in einem komisch verdrehten Universum. Also lief Nahles dem Schulz hinterher. Herrchen Schulz war, wie das Wesen Nahles, immer gut für einen Ausrutscher oder Schläge auf den Hinterkopf. Und Herrchen führte die EsPeDeh, eine ganz alte Partei, zu einer historischen Niederlage. Toll.

"Die Kanzlerin hat eine krachende Niederlage erlitten. Sie sollte zurücktreten." sagte Nahles, das Wesen, deutete aber offenbar die Fakten irgendwie nicht so ganz richtig, denn Frau Merkel hatte die Wahl nicht verloren, sondern gewonnen, mit Verlusten, aber gewonnen.
Der mit der krachenden Niederlage war Herrchen Schulz. Der aber trat nicht zurück, sondern sagte: Jetzt ist endlich Schluss mit regieren! Folgt mir. Ich führe euch in die Opposition, da ist es toll! Und alle jubelten. Also im Paralleluniversum EsPeDeh. Und Nahles trippelte hinterdrein und kicherte: "Ab morgen gibt's in die Fresse."

Dann aber wurde Herrchen Schulz zum Präsidenten des Waldes gerufen. Der war auch mal EsPeDeh aber der musste dem Schulz erklären, dass es auch eine Verantwortung gibt. Nach dem Gespräch sagte Herrchen: Vielleicht sollten wir doch regieren. In der EsPeDeh jubelte jetzt kaum noch jemand, aber Schulz wurde wiedergewählt. Wegen der krachenden... nein, wegen der Prinzipienfestigkeit... nein, ach, keine Ahnung.
Und Nahles hüpfte und krähte:
"Die SPD wird gebraucht. Bätschi, sage ich dazu nur. Und das wird ganz schön teuer. Bätschi, sage ich dazu nur."
Und alle jubelten. Und die Tiere im Wald liefen davon.

Montag, 20. November 2017

Lindner Baby auf dem Nonstop Flug über den Ozean der Regierungsbeteiligung abgestürzt

Ein Nonstop-Flug über den großen Ozean der Regierungsbeteiligung - das gab's schon lange nicht mehr. Die FDP-Maschinen am Boden. Defekt. Keine Starterlaubnis. Also auf ein Neues. Die Mechaniker haben sich auf Frisur, Hemd, Dreitagebart und Auftreten des Lindner-Babys, also des Piloten, konzentriert. Dazu der neue Trend: Digitalisierung. So fliegt sich's besser. Auch ohne Flugzeug.

Die Zeitungen und Plakate zeigen das Baby beim Jacke anziehen, Smartphone betrachten, Am-Türrahmen-Stehen. In Turnschuhen. Kann es fliegen? Nein. Hauptsache die Performance stimmt. Alles in Schwarz-Weiß mit Schlagschatten. Das Lindner-Baby will sein Fläschchen, das heißt Spontaneität und Digitalisierung, Flexibilität, Startups, Innovation. Was das heißen soll? Nichts. Kann das fliegen? Nein. Das Lindner-Baby bleibt am Boden und behauptet es sei von der Konkurrenz zum Absturz gezwungen worden.

Dann der entscheidende Satz: "Lieber nicht fliegen als falsch fliegen." Toll. Ein spontan formulierter Satz des Lindner-Babys. Es kann nicht nur sprechen, sondern lernt diesen Satz auswendig - in 50 Tagen - und der wird veröffentlicht. Überall. Große Schrift. Eine Sekunde nachdem der Satz ausgesprochen ist, hat er schon eine Werbeplattform.

Das Lindner-Baby muss allerdings noch von den Überfliegern der SPD lernen. Da stand der Satz: "Schulz landet in der Regierung" im Netz noch bevor er ausgetauscht wurde durch den Satz "Wir fliegen erst gar nicht", bevor auch der sich als falsch erweisen sollte und ausgetauscht wurde durch: "Wir landen doch, aber ohne zu fliegen", bevor der ersetzt wurde durch "Wir sind gegen das Fliegen. Aber alle brauchen unser Flugzeug, Bätschi!"

Samstag, 18. November 2017

Wir werden dümmer

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Die Menschheit wird von Jahr zu Jahr dümmer. Der durchschnittliche Intelligenzquotient sinkt. Weltweit. Auf arte zeigt eine Dokumentation unter dem Titel: "Verlieren wir den Verstand?" welche Ursachen diese Entwicklung hat. Wenn wir uns in der Welt umschauen, erübrigt sich die Frage.

Mir kam so ein Verdacht spätestens seit Menschen in meinem Umfeld immer mehr Sprechschablonen aneinander reihen mussten, statt zu sprechen (ich sag mal so - sozusagen - am Ende des Tages - ein Stückweit - sag ich mal), und seit der Genitiv der Ersatz vom Dativ wurde und seit es heißt "isch geh Kino", oder seit immer mehr Götter angerufen werden, bevor Schüsse fallen, oder ein Präsident meint, wenn so viel geschossen wird, brauchen wir mehr Waffen, oder er behaupten darf, auf einem Bild, auf dem weniger Menschen zu sehen sind als auf einem anderen, seien mehr Menschen zu sehen als jemals zuvor, oder er sagt, er könne jeder Frau an die Pussy greifen weil er berühmt sei und kurz darauf behauptet, niemand respektiere Frauen so sehr wie er...

Ein anderer Staatslenker behauptet, Deutschland sei faschistisch, und auch Holland. Dessen Anhänger glauben das auch und rufen "Gott ist groß". Ein paar andere Leute hinter ihren Gartenzäunen glauben, die BRD existiere gar nicht und glauben auch, ihr Haus sei ein Königreich. Andere glauben wieder, die AfD sei nicht faschistisch, aber sie wählen die Partei, weil sie ihr Land zurück haben wollen und den Hitler und sie rufen auf dem Marktplatz "Merkel muss weg" und "Putin hilf uns".

Und Leute, die chemische Ersatzstoffe essen, weil sie gesund leben wollen und am Fahrrad vorne mit einer grell blinkenden Lampe den entgegenkommenden Fahrzeugen jede Möglichkeit nehmen, den Abstand einschätzen zu können, damit man sie umfahren kann um zu beweisen, dass der Helm hält was er verspricht, nämlich den Kopf und nicht das Hirn.

Mittwoch, 15. November 2017

Künste der Welt - gescheitert in Köln

Die Akademie für die Künste der Welt in Köln – auch so eine Geschichte fehlgeleiteter Kulturpolitik.

Die Welt in Köln. Keine lokale Bindung, aber großer Anspruch. Und wieder meint die Stadt Köln, hier möge ein Leuchtturm entstehen. Interkulturell. Klingt gut. Und schon gibt es eine Million. Eine Million, für die die gesamte freie Theaterszene seit Jahren vergeblich gestritten hat.

Die freien Theater sind einfach zu klein, haben keinen globalen Anspruch, nur diese überflüssige lokale Bindung und die Bedeutung für das Publikum, dazu noch eine Verankerung in der Heimat-Stadt. Die erste Theaternacht Deutschlands entstand hier. Köln hat eine besondere Vielfalt. Also weg damit. Es gibt sogar Theater, die spielen noch Theater. Etwa „Mutter Courage“ und nicht „Digging.the.fucking.brecht.mother - reloaded“. Keine Sorge, ist in Arbeit.
Aber die Sache mit den dotcom-Titeln führt eben nicht immer zum Erfolg, zum Image des Global Players in Sachen Kultur. Die Stadt Köln ist enttäuscht.
Die erste Konsequenz. Kein Leuchtturm, also Kürzung des Etats von einer Million auf € 600.000.-

Was geschieht überhaupt in dieser fast unsichtbaren Institution. Auf der Internetseite ist das übliche Kraut-Und-Rüben-Themen-Hopping zu sehen - in schrägem Design natürlich. Jung und dynamisch. Und farbig.
Natürlich sind die Performer gegen PEGIDA und natürlich wird in einer ‚Streitschrift‘ gegen ihre Urheber zu Felde gezogen, zu denen folgende Intellektuelle zählen sollen: Hans Magnus Enzensberger, Ralph Giordano, Monika Maron, Günter Wallraff, Necla Kelek, Henryk M. Broder, Hamed Abdel-Samad. Als intelligente Menschen haben die letztgenannten den gewaltverherrlichenden Charakter einer mittelalterlichen Religion kritisiert.
Die neue Kultur-Toleranz will das nicht zulassen.

Dass Dummheit und religiöse Verzückung, auch ohne in Gewalt münden zu müssen, der Vernunft und der Menschlichkeit entgegenstehen - diese Erkenntnis ist für jeden Humanisten eine Selbstverständlichkeit. Aber Aufklärung ist in der Akademie offenbar in Vergessenheit geraten. Vergessen ist überhaupt ein wichtiger Faktor der Kultur-Elite geworden. Alles heutig, gegenwärtig, kompatibel, alles wird im großen Topf verrührt.

Deshalb liest sich das Mantra der Akademie wie eine kabarettistische Überhöhung des stereotypen Wortgeklingels der Internet-Multikultur. „Digging the Global South“. Toll.
Oder „Pluriversale“ - das ist ein Fest. Da darf natürlich Milo Rau und seine Performance nicht fehlen.

Multikultur ist gut. Identität ist schlecht. Schemata. Das Geschwätz der neuen Kultur-Elite wird nicht mehr lange darüber hinwegtäuschen können, dass besonders diese Elite rechtes Gedankengut salonfähig macht und eine Kultur predigt, die von Populismus nur so starrt. Alles zum Event, alles zur Performance zu machen ist nichts anderes als Populismus. Der Feind: Die Erzählung, das Theater-Theater, Tradition, Ensemble. All das muss abgeschafft werden. Zu kompliziert, zu sprachlastig, zu sozial, zu sehr ‚Kunst‘.
Dafür werden Religion, Schamanismus, Tanz, Fakten-Check und Video durcheinandergewürfelt um als Cross-Over-Kultur auferstehen zu können. Mediale Zersplitterung wird gedanklichen Zusammenhängen entgegengestellt. Bislang war Identität immer ein Projekt vernunftbegabter Menschen. Auf der Seite der Akademie aber finden wir den Satz:  „Wie dekonstruiert sie (die Kunst) nationale Identität?“ Seit langem nicht mehr so einen reaktionären Satz gelesen. Reaktionär, links, Mann Frau, egal.

Als fortschrittlich galt noch vor Jahren, sich der Geschichte zu stellen, sich ihrer bewusst zu sein, Traditionen zu kennen, eine Bindung zur Geschichte herzustellen, um eben gerade denen entgegenzutreten, die immer schon Debatten beenden wollten, mit Sätzen wie „Ich hab nichts mit Nazis oder Krieg zu tun, ich war noch gar nicht geboren.“ Diejenigen, die so versuchen, sich und uns mit solchen Sätzen aus der Geschichte zu verabschieden - sie wollen, dass wir nur noch ohnmächtig im Hier und Jetzt trudeln. Dieses bedeutungsverlorene Trudeln wird natürlich gefördert von der ‚innovativen’ internetbesessenen Kultur und ihrer zwanghaften Gegenwärtigkeit. Und siehe da: Die dazugehörigen starren Bürokratien fördern natürlich genau diese Kultur, nur noch diese Kultur, weil das so modern klingt und sich niemand mehr Gedanken machen muss um Qualitätskriterien. Und schau an: Auch die Medien verbraten nur noch Beiträge über Erregungskultur. Sonst laufen die Leute weg. Oder schalten ab. Sie sind das Volk.

Als es noch um Kultur und Debatte ging, als die Kunst noch eine eigene Sprache pflegte, haben wir entgegnet: Wir müssen entdecken, was uns durch unsere Vorfahren, unsere Geschichte und Erziehung zu denen gemacht hat, die wir sind. Was macht unsere Kultur aus? Wir können erforschen wer wir sind, um danach auch besser wissen zu können, wohin wir gehen. Nur durch die Kenntnis der Verbrechen und das Verständnis ihrer Wurzeln konnten wir uns gegen die Verbrecher wenden.

Das sehen nicht alle so. Vor kurzem trat eine Frau im Magazin ‚aspekte’ auf, Sasha Marianna Salzmann, sie arbeitet im Gorki Theater in Berlin, um auf die begeisterte Feststellung der Kultur-Moderatoren, sie sei Jüdin, Russin, Theaterfrau, Queer... unter nervösem Gestikulieren klar zu machen, dass Identität keine Rolle spiele, dass Identität flexibel sei. Jüdin oder auch nicht, Frau oder nicht... Russin? Sie könne alles sein. Alles flexibel, alles beliebig, jedes Geschlecht, keine Sprache...
„Man kann natürlich sagen ich bin das das das das“, sagt sie in einem Einspieler, „Ob das etwas über mich aussagt, das bezweifele ich.“
Das ist der Irrsinn eines Kultur-Geplappers, das in eben solchen Worten einen reaktionären Kern enthüllt, der aber offenbar nicht als reaktionär wahrgenommen wird.
Ich habe spontan gedacht: Die hat sie nicht mehr alle. Und der Moderator schwieg. Natürlich. Immerhin macht sie experimentelles Theater.

Niemand wagt auszusprechen, dass hier eine gefährliche, verantwortungslose, rechte Gesinnung zu Markte getragen wird. Hier hätte ein Mensch, eine Frau, Profil schärfen können, stolz sein können auf ihre Wurzeln, auf ihre Identität. Frau, Russin, Jüdin. Aber nein.
Es stimmt schon: Gesichtslosigkeit, Gesinnungslosigkeit und Geschichtslosigkeit, sind Markenzeichen des zeitgenössischen Kulturbetriebes geworden.
Keine Geschichte, kein Theater, keine Sprache. Stattdessen performative Austauschbarkeit.
Das Gorki Theater erhält folgerichtig einen Theaterpreis wegen seines „performativen und diskursiven“ Programms, seine Schauspieler aus allen Teilen der Welt, spielten sich heraus „aus Schubladen, Zuschreibungen und (Gender-)Eindeutigkeiten“. So heißt es tatsächlich in der Begründung der Jury. „Identität ist für sie keine fixe Kategorie, sondern die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu betrachten und zu hinterfragen.“ Immer neu hinterfragen.
Der Kulturbegriff dieser Leute hört sich schon seit Jahren an wie die Therapiestunde gescheiterter Sozialarbeiter.

Dafür steht auch die Akademie. Künste der Welt? Nein. Deutsch-pubertierende Künstler mit Migrationshintergrund sind nicht 'die Welt'. Postkolonial? Nein.
Ein Sammelsurium medienkompatibler Veranstaltungen, die Kulturschaffende aus der eigenen Stadt ausgrenzt, ignoriert, eine solche Mixtur setzt eher Maßstäbe der Kolonisierung des gesamten Kulturbetriebes unter korrekte Überschriften. Debatte? Nein. Ausstrahlung? Null.
Und jetzt? Kolleginnen und Kollegen, die sich selbst so gerne als Leuchttürme sehen, mindestens aber die Zuschüsse dafür einstreichen wollen, erklären sich solidarisch und wenden sich gegen die Kürzung. Haben sie Sorge, dass auch sie betroffen werden könnten. Ich habe eher Sorge, dass es bald keine Kunst mehr gibt.

Ein klares: Geld für die Kunst.

Dienstag, 7. November 2017

Aufschrei - zum wievielten Mal?

Früher, in den 50ern hatten die Frisuren der Frauen festen Sitz, in den 60ern ihre Haltung, in den 70ern gab's dann auch festen Sitz für ihre Stimmen.
Heute flattert, zumindest in den Medien, ein Chor von Entenstimmen in luftige Höhen – ein einziges Quaken und Zwitschern. Vöglein, Mäuse, Bärlis und Enten. Erinnert ein wenig an die Sendung mit der Maus, wobei Erklärungen in der Sendung mit der Maus nicht so infantil daherkommen wie der ganze Hashtag-Zirkus. Das Hashtag-Gezwitscher erweist der Sache der Emanzipation einen Bärendienst, einen Bärchi-Dienst. Emanzipation. Allein das Wort.
Früher war der Kampf um die Emanzipation eher unverständlich, es musste außerdem auch immer umständlich formuliert werden: Nieder mit der Unterdrückung und Ausbeutung der Frau. Schluss mit Gewalt gegen Frauen. Das versteht doch sowieso keiner mehr. Und wenn doch: eins in die Fresse.

Früher war auch nicht alles besser. Ich kann mich noch erinnern, in den späten 60er Jahren wurde alles faschistisch genannt, was nicht bei drei unter einer roten Fahne stand. Jeder war Faschist, der zum Beispiel Schlager hörte und jede war Faschistin, die Kitschfilme sah. Stellen Sie sich das mal heute vor. Wir hätten ein ganzes Land voller Faschisten. Kurze Pause zum Nachdenken.

Aber schon damals allerdings mahnte manch kluger Kopf, in Wahrheit würden die Opfer faschistischer Gewalt so denunziert und die Verbrechen klein geredet. Wenn dieses Etikett überall auftauche, wenn jeder Faschist sei, könne niemand mehr den Unterschied erkennen. Lange her. Wir sollten gelernt haben.
Aber nein. Den Skandal-Tweets fällt alles zum Opfer.

Ein Aufschrei. Ein Hashtag. Ein Hashtag jagt den nächsten. Eine Welt voller Hashtags. Hashtag Aufschrei, Hashtag MeToo. Ist die Welle durch, kommt der nächste Aufschrei. Ändern wird sich (natürlich) nichts. Aber schön, dass wir mal drüber geredet haben.

Und dass wir wieder einen Pranger haben. Alle Sexisten, vom Kussräuber bis zum Kniehandaufleger, vom Minister bis zum Hollywood-Schauspieler, stehen am Pranger – der berühmte amerikanische Schauspieler will dem noch entgehen und outet sich als homosexuell, als ob das eine Entschuldigung wäre. Es gibt eine Anklage, aber noch keine Beweise und auch kein Urteil. Trotzdem werden Dreharbeiten beendet, Verträge gelöst, Filme aus dem Programm genommen, Szenen mit ihm herausgeschnitten. Die Schriftstellerin Thea Dorn sagt in einem Interview: „Das ist ein neuer Totalitarismus, der da heraufzieht, ein moralischer."

Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon tritt zurück, weil er einer BBC-Journalistin bei einem Dinner ans Knie gefasst haben soll – vor 15 Jahren. Ja. Ob er vielleicht auch vor wenigen Jahren Kriegseinsätze befahl oder Waffengeschäfte einfädelte? Wen interessiert's? Das steht auf einem andern Blatt. Deswegen tritt man nicht zurück.
Wie schon in Amerika: Nixon trat damals nicht wegen der Massaker in Vietnam zurück, sondern wegen eines Einbruchs. Und heute? Jede Berührung kann zum kriminellen Akt werden, zum Gewaltakt. Durch einen Artikel, oder einen Tweet. Erst dann: Rücktritt.

Alles schlimm, alles Hashtag, kein Unterschied. Vergewaltigung, Witz, Knie – egal. Das Netz kriegt alles klein.
Bald nach der Hashtag-Flut kommt die Hashtag-Übersättigung und dann – die Zeit des Schweigens – #schweigen. Komisch: Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln gab es auch so komische Hashtags. #einearmlänge. Und #Rassismus.
Und dann? Gehen alle nach Hause. Und dann geht es im Netz und auf dem Boulevard wieder nur um Brustvergrößerungen und Mode-Tipps. Normal. Die Kids hören Schlager und die Frauen schauen Kitschfilme. Ohne Faschisten zu sein. Und im Dunkeln wird weiter gegrapscht. So ist das Leben.

Der Hashtag verhallt in leerer Luft und die psychisch kranken Einzeltäter, wie Donald Trump, die alle antasten, von der Journalistin bis zur Pornodarstellerin, bleiben weiter unangetastet. Wie immer. Es bleiben: Skandale. Wie immer.  Irgendwann weiß keiner mehr, wo Wahrheit und wo Lüge stecken. Wie immer. Ergebnis? Ein paar Karrieren gehen zu Ende. Das war's. Was bleibt? Der Hashtag.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Tod auf Malta

Die bekannteste maltesische Bloggerin Daphne Caruana Galizia ist durch eine Autobombe getötet worden.

Die "Panama Papers" bestätigten 2016 Enthüllungen, die von Daphne Caruana Galizia, einer kritischen Bloggerin, über umfangreiche dunkle Finanzoperationen, über Malta als Paradies für Steuerhinterzieher, beschrieben worden waren. Auch die Verwicklungen zweier zentraler Mitarbeiter von Maltas Premier Joseph Muscat hatte sie aufgedeckt.

Der letzte Eintrag am 16. Oktober 2017 auf ihrem Blog endet: "Da sind Gauner, wo du auch hinschaust. Die Lage ist verzweifelt." Um 14.35 Uhr gepostet. Um 15:00 Uhr war sie tot.

Die "Süddeutsche" schreibt: "Konrad Mizzi, damals Energie- und Gesundheitsminister sowie Vorsitzender der Labour Party, und Keith Schembri, Muscats Kabinettschef, sollen Offshore-Konten in Panama und Trusts in Neuseeland eröffnet haben.

Den Steuerbehörden daheim meldeten sie nichts davon. Fragwürdig war das auch, weil beide Politiker ihre Konten und Trusts einrichteten, kaum waren sie an die Macht gelangt. Zunächst beklagten sich Schembri und Mizzi über die Vorwürfe der Bloggerin und taten sie als parteiische Fantasterei ab. Als dann die "Panama Papers" veröffentlicht wurden und ein internationales Publikum von den Anschuldigungen erfuhr, wuchs der Druck auf die Regierung."
Über den Auftritt Schembris vor dem Richter schreibt Daphne Caruana Galizia in ihrem letzten Blogeintrag: "Dieser Gauner Schembri war heute im Gericht und plädierte, dass er kein Gauner sei."

Dienstag, 3. Oktober 2017

Kultur - ich bin optimistisch

Tag der deutschen Einheit. Nach der Wahl. Das wäre doch eine Gelegenheit für Kultur. ODER?
Mal schauen. Eine Show. Moderiert von Kiwi, der weiblichen Hüpfburg und unerträglichen Quasseltante, die sonst Volksmusikanten durch den ZDF-Garten scheucht. Das ZDF will aber an diesem Tag auch die jungen Scheintoten erreichen. Also sind die Gäste der Show natürlich hippe Hütchenträger, deren werbekompatibler Nöhl- und Nuschel-Pop so austauschbar klingt, dass alle zufrieden sind und niemand mehr unterscheiden kann, ob Max Giesinger oder Max Giesinger auf tanzenden Frauen herumreitet.
Und der Osten? Was servieren wir dem Osten? Jan-Josef Liefers, weil der eben aus dem Osten kommt und im Tatort spielt. Er darf zeigen, dass er auch ein Hütchen tragen und nicht singen kann, seine Frau röhrt derweil in einer Kult-Ost-Band. Himmel. Schnell zurück in den Westen. Mary Roos und Thomas Anders führen in einer Art modern talking durch ihre Heimat. In Einspielern. Dann das nächste Hütchen, ein als Lockenkopf getarntes Hütchen namens Wincent Weiss - Wahnsinn - Wincent mit W - Wincent darf unter Beweis stellen, dass seine Allgemein-Kitsch-Texte noch blöder sind als die von Giesinger mit seiner Sonne-Mond-Und-Sternchen-Poesie. Hauptsache Oh oh oh ohhh zum Mitgrölen. Das ist Kultur.
Nein. Stopp. Ich bin optimistisch.

Und sie bewegt sich doch. Die Kultur. Auch wenn das niemand mehr glauben kann. Auch wenn sie nicht mehr auftaucht, nicht mehr zu sehen ist, als Thema nicht mehr vorkommt. Sie kommt im Netz nicht vor, sie kommt in den Nachrichten nicht vor. Und wenn wir allein den Medien glauben wollen, dann befinden wir uns im Krieg und die Kultur liefert die Geräuschkulisse zum Kampf. An der Kulturfront taucht Kultur auf, als Kampfbegriff, als 'Leitkultur', oder wenn sich die Frage stellt, was deutsche Kultur überhaupt sei. Na? Mal überlegen. Keine Burka und keine Steinigungen. Das ist doch mal was. Da wissen wir zumindest Bescheid, was sie nicht ist.

Was ist mit dem Journalismus? Wo bleibt der kritische Kulturjournalismus? Doch. Es gibt ihn noch. Im Feuilleton der 'ZEIT' und der FAZ taucht Kultur unter den Rubriken Bücher und Film noch auf, dagegen beim Fußvolk, also in Provinzblättern, nur noch unter Event und Performance, oder in meiner Heimatstadt unter 'Köln'. In den Online-Ausgaben finden wir sie getarnt unter 'Party', 'Ausgehen' und 'Lifestyle'. Und die Rubrik Theater kommt in den Medien nur noch vor, wenn sich die Moderatoren verkleiden dürfen, um in einer performativen Performance aufzugehen (so gesehen bei 'aspekte'), oder auch wenn es wieder einmal um Skandale geht (Fördergelder für internationale Festivals verschwinden in dunklen Kanälen, Sanierungskosten explodieren oder eine performative Gruppe besetzt die Berliner Volksbühne).

Die ZEIT schreibt am 20. September: "Weshalb muss die Kunst verschwiegen werden?
'Alles Wichtige vom Sport ...Werbung und Wetter folgen. Die Werbung sagt uns, was wir jetzt noch zum Wohlfühlen brauchen, und die Wetterprognose verrät uns einigermaßen treffsicher die Zukunft. Und ausgerechnet die Kultur soll keiner täglichen Meldung wert sein?" Genau.

Und politisch? In den Parteiprogrammen ist Kultur schon gar kein Thema, keine Frage dazu im Wahl-O-Mat, kein Politiker wagt von Kultur zu sprechen im Land der Dichter und Denker. Er würde sich ja lächerlich machen. Flüchtlinge, Steuern, Digitalisierung, das reicht.
Den Rest übernehmen andere. Gewalttäter im Dunstkreis der AfD haben schon einmal angefangen, den Intendanten der Schaubühne zu jagen, ihm die Scheiben einzuschlagen. Wen interessiert's?
Kleiner Hinweis: So beginnt Machtergreifung, nicht durch Wahlergebnisse... Sie wollen ausmisten, sie wollen niederbrüllen, sie wollen erst das Flüchtlingsheim, dann den Reichstag anzünden.

Trotzdem:Ich bin optimistisch.
Bei uns im Theater, im TAS Köln, spielen drei Frauen drei Insekten, die die Apokalypse überlebt haben und Menschen spielen. "Lasst uns also Menschen spielen - und wie sie das Herzchen fühlen". Die Käfer - Das rote Album. Ein melancholisch- skurriles Endzeitstück mit Musik, eine Uraufführung. Das Neue: Zum ersten Mal erschien überhaupt kein Pressevertreter zur Premiere.

Trotzdem bin ich optimistisch. Die ZEIT liefert Fakten: "Es gibt in Deutschland jährlich ungefähr 35 Millionen Besucher in 126.000 Theateraufführungen und 9.000 Konzerten. Es gibt rund 140 öffentlich getragene Theater, 220 Privatbühnen, 130 Opern-, Sinfonie- und Kammerorchester, 70 Festspiele, 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble, 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus plus eine unübersehbare Vielzahl freier Gruppen. Und es gibt gut 110 Millionen Besucher in 6.358 Museen. Es gibt Kinos, Popkonzerte, Literaturhäuser, Galerien, Chöre, Laienorchester, Musikschulen, Malkurse, Kunstvereine, es gibt Bibliotheken mit Myriaden von Nutzern, Freunden, Förderern, Sponsoren und, und, und."

Ja, ich bleibe optimistisch. Ja.

Montag, 2. Oktober 2017

Was gibt's Neues?

Es kam wie es kommen musste und so kam es dann auch. Wir erlebten die Wiedergeburt einer Nazi-Partei: Die Wütenden, die Abgehängten, sie haben so lange geschrien und getobt, bis sie wählen durften, bis zum ersten Mal seit Kriegsende Nazis in den Bundestag einziehen können, die die Kanzlerin oder wen auch immer "jagen" wollen, die die 'Schwatzbude' Parlament ausmisten wollen, die wieder stolz auf die Wehrmacht sind, die sich Volk und Land zurückholen wollen.

Im Westen 13 % - im Osten 23 % - In Sachsen 33 % - Im Erzgebirge stärkste Partei - nicht nur je bildungsferner die Wählerschaft, desto höher der Prozentsatz, auch je mehr für die Ost-Deutschen erkennbar wurde, dass die versprochenen blühenden Landschaften öde Landstriche blieben und zum Teil überhaupt erst Brachland wurden... sie machten nicht etwa Kohl dafür verantwortlich, sondern 'den Westen', deshalb brüllten sie "Putin hilf", Schuld waren 'die da oben', sie stecken sowieso alle unter einer Verschwörungsdecke und - vor allem alle Fremden, die werden gerettet, der Osten nicht. Merkel ist Schuld, Merkel muss weg. Ein Schock aus dem zu lernen ist.

Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte uns ein wichtiger Teil demokratischer Kultur abhanden kommen? Selbst der Präsident einer Weltmacht pöbelt nur noch über Kurzmitteilung. Mit der Zeit wird klar, was die Kommunikations-Schnellschüsse, was das 'Netz' anrichtet. Die Meinungsgesellschaft verblödet in Hashtags und twittert sich zu Tode. Sie hat sich in den letzten Monaten, wie ein Tornado, immer schneller um ein Auge des politichen Nichts gedreht. Die Massenmedien haben einen großen Anteil daran, dass sich diese Windhose immer schneller drehen konnte und an Zerstörungskraft zunahm.
Auf der einen Seite müssen wir den Journalismus verteidigen: Die typische Hetze gegen 'Lügenpresse' kommt genau von denen, die aus Prinzip lügen, betrügen, verwirren und einfach nur verhindern wollen, dass ihre Machenschaften aufgedeckt werden. Eine freie Presse ist das Herzstück einer Demokratie.

Auf der anderen Seite: Kritik an den Medien ist wichtiger denn je. Denn der kritische Journalismus scheint den Geist aufgeben zu wollen, schon lange wird das Fernsehen mehr und mehr zum Boulevard, zur Plattform für aufgepumpte Satzfragmente und immer schnelleren Takt an Erhitzung durch Skandalisierung. Besonders die Talkshows, auch die politischen, von Illner bis Will sind für die Einschaltquote immer mehr zum Gruselkabinett verkommen. So sahen die Fernsehzuschauer während des Wahlkampfes die Hetzer und neuen Nazis in jeder Talk-Runde sitzen. Und nach jeder Provokation wurden sie abermals in die Shows eingeladen um sich zu rechtfertigen. Sie saßen und quatschten, bis jeweils zu inszenierten Empörungs-Abgängen und anschließenden Tweets. Und dann saßen sie wieder da und konnten als Wortführer der Wortverdrehung wortreich betonen, so sei das nicht gemeint, das sei gelogen, das sei entstellt, das sei typisch, sie wollten erst einmal ausreden dürfen, sie seien nicht extremistisch - um im nächsten Augenblick wieder, nach einem Einspieler, eine Nazi-Hetzrede kommentieren zu dürfen und zu behaupten, das sei natürlich aus dem Zusammenhang gerissen. So türmte sich ungehindert eine Propagandaschicht auf die nächste, von hilflosen Versuchen der anderen Talkgäste flankiert, Vernunft walten zu lassen. Dazu kamen Ungarn, Österreicher oder Sprachrohre der Erdogan-Diktatur. Überall nur noch populistisch- rechtsnationales Geblöke. Die Talkmasterinnen - hilflos. Das Ergebnis kennen wir.

Und dann noch die Lawine von Umfragen bis dicht an den Urnengang. Eine Lawine, die dazu beigetragen hat, dass immer mehr Menschen einfach das, was die Umfragen schon vorgaben, auch tatsächlich wählten. Ein bisschen mehr Protest, mehr Grün, mehr Gelb. Und vor allem: noch mehr Wut.

Und jetzt ist schon die nächste Medien-Kampagne losgetreten: Mutti habe nicht verstanden, sie habe eigentlich verloren, sage aber trotzdem, sie wolle sich treu bleiben. Ich bin froh, dass sie sich treu bleibt, und nach wie vor nichts daran ändern will, Obergrenzen und anderen Schwachsinn nicht mitmachen zu wollen. Und es ist nun einmal so: Sie hat die Wahl, auch mit Verlusten, tatsächlich gewonnen. Sie wird Kanzlerin und alle sollten, auch sie, politisches Handeln am Volk orientieren, am Volk und nicht an denen, die 'Wir sind das Volk' brüllen und anschließend ein Asylbewerberheim anzünden. Also Schnauze, CSU. Nächste Umfrage: Die Kleinen werden noch größer. Und in der nächsten Talkshow, bei Lanz, sitzt der Oberhetzer der AfD.

Und die SPD? Die größte der Kleinen? Nachdem die Schulz-Partei alles falsch gemacht hat, was man nur falsch machen kann, feiert sie unverdrossen den 100%-Vorsitzenden und bejubelt ihn. Rücktritt? Nach einer Erdrutsch-Niederlage? Nie und nimmer. Ich mach mir die Welt wiediewiediewiesiemir gefällt. Jetzt Opposition. Aber richtig. Kein Wunder dass Schulz in der großen Runde vollkommen die Contenance verliert und das Rumpelstilzchen macht. Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich Opponentenschulzi heiß'. Frau Merkel lächelt, schüttelt leise den Kopf und denkt an Schröder.
Frau Nahles, von der wir schon wissen, dass sie oben zitiertes Lied nicht singen kann, lässt sich vom großen Vorsitzenden aufstellen und spricht Klar-Tweet: Ab morgen gibt's in die Fresse. Au weia. Und die SPD-Wähler glauben, ihre Partei könne sich in der Opposition erneuern. Klar. Mit dem jungen, erfolgreichen, neuen Vorsitzenden... In vier Jahren kämpft die SPD nur noch mit der 5% Hürde.
Sagen die Umfragen.

Montag, 18. September 2017

Das Theater wird abgeschafft

Vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, gab es im Kino Breitwand und Technicolor, die Alternative war das Theater. Es regte unsere Phantasie auf besondere Weise an, erzählte von fernen Räumen, nahe liegenden und nahe gehenden Konflikten, von Königen, Eheleuten, Kobolden, wie in allen Zeiten - und es waren dort Figuren zu beobachten, die menschlich agierten, über die wir lachen oder staunen konnten. Vorbei.
Heute beherrschen spartenübergreifende Mixturen, angereichert von Lärm und Video die Bühnen des Landes.

Seit Jahren, fast Jahrzehnten, toben sich Eventmanager, Performer und Experimentierer in den großen und kleinenTheatern aus und behaupten, erst mit Recherche gäbe es Realitätsnähe und nur mit der Abbildung von Realität würde sich Aktualität einstellen. Nur das sei innovativ. Welch ein Irrtum. Jedem Trend, jedem politischen Skandal reflexartig hinterherzulaufen, kreiert eine Art populistisches Pop-Theater. Nichts anderes.
Im Ergebnis wird so jedes Theaterschiff gegen die Kaimauer gefahren.

Die freien Theater (im Grunde die Erfinder des verstörenden Experiments), werden flächendeckend nur noch gefördert, wenn sie die hysterischen Zustände der Stadt- und Staatstheater ordentlich imitieren und jedes Thema, jede Textfläche zum Steinbruch für experimentelle Hohlräume umbauen. Doch zurück in die Belle Etage.

In Berlin ist nun der Ost-Wahnsinnige und Berserker Casdorf von einem Eventmanager (dem belgischen Kurator Chris Dercon) ersetzt worden, dem Berliner Ensemble steht Oliver Reese vor. Ein Fortschritt?
Vom Stückespielen halten beide nichts. Ein Beispiel aus dem Zentrum der Eitelkeiten.
Zwei lustige Intendanten attackieren in Berlin das Theater gleich von zwei Seiten.

Der Journalist Simon Strauss war für die FAZ dabei, staunte und schrieb unter anderem:
"Ein großer Teil der Theaterszene bewegt sich im Moment in Richtung spartenübergreifender Performance, so dass auch ein Erdrutschsieg ihrer Fraktion – anders wird man die Übernahme der Volksbühne wohl nicht bezeichnen können – kaum überraschen darf. Die Frage, was diese neue Spitzenstellung der experimentellen Theaterhaltung an künstlerischer Innovation bringt, bleibt allerdings weiter offen...
Reese ... ging unter dem wertkonservativen Berliner Theaterpublikum sofort auf Stimmenfang und sprach vom 'postdramatischen Fieber' und der Missachtung des 'well-made play'. Dercon dagegen definierte das Theater umständlich als einen 'Ort, wo die Kommunikation der Gesellschaft sich präsentiert', und wies vor allem auf dessen Charakter als 'Begegnungsstätte' hin. Er kündigte eine Auflösung der Grenzen zwischen den Sparten Theater, Tanz und bildender Kunst an und stellte eine Reform der unbeweglichen 'Theater-Maschinerie' (mit anderen Worten: des Ensemblegedankens) als unausweichlichen Schritt in die Zukunft dar...
Den Vorwurf des Traditionalismus wollte Reese nicht auf sich sitzen lassen und verwies auf den radikalen Ausschluss von Klassikern aus seinem Spielzeitprogramm."

An dieser Stelle denke ich nur noch 'Oh Gott', seid ihr alle verblödet oder werdet ihr dafür bezahlt dem Theater den Todesstoß zu geben? Wahrscheinlich beides. Aber weiter im Text:

"In den alten Stücken fänden sich, so argumentierte ernsthaft ein ehemaliger Dramaturg, keine Antworten mehr auf die drängenden Fragen unserer Zeit. (Wieso muss eigentlich jeder etwas zu Klimawandel und Migration sagen?) Deshalb sei ein Fokus auf die Gegenwartsdramatik unausweichlich. Jetzt war es an Dercon, sich als Bewahrer zu inszenieren. Euphorisch verwies er auf die Rekonstruktion einer alten Beckett-Inszenierung, die bei ihm auf dem Programm stehe, weil sein Haus eben 'weniger an Aktualisierung als an Archivierung' von Theater interessiert sei.
... Dercon attestierte Reese einen ökonomisch getriebenen Produktionswahn – 'Bei Ihnen werde ich ja schon vom Zuhören ganz erschöpft'...

Es ging dann noch eine ganze Weile um die Frage, was wichtiger sei: das Nachdenken über Form oder Stoffe, Narration oder Ästhetik... Dercon meinte, dass sich die großen Themen der Zeit nicht durch 'große Geschichten' erzählen ließen (mit kleinen Theorien wird es besser gehen?), und Reese, von Dercons Polemiken etwas angeschlagen, kam nur noch mal auf den Eigenwert des Spiels zu sprechen. Am Ende trennten sich die beiden Kontrahenten punktgleich unentschieden."

Ich gehe schon nach dieser Lektüre fast KO. Jetzt brauche ich nur noch ein paar Zeilen Kulturentwicklungsplan der Stadt Köln und einen Absatz Förderkonzept (vielleicht der mit dem 'Experimentellen Theater'), dann... nein, ich gehe nicht zu Boden.
Wir werden aber weiter Theaterstücke spielen. Das Publikum liebt sie. Und wir lieben das Theater.
Wir brauchen gerade heute ein, zwei, viele unbeugsame Dörfer.

Donnerstag, 7. September 2017

Junger Wahlkampf

Nichts wie hinterher! Hip, cool, Netz, jung, geil. Plötzlich sind auch Politiker jung. Seht euch die Plakate von Lindner an. Jung und hip. Und siehe da, nein, es ist kein Katzenvideo, es ist ein Schulz, der einem Mädchen Fragen beantwortet. Alles jung. Nur die Antwort könnte jünger sein. Massentierhaltung könne nur gemeinsam mit der europäichen Union... Das Mädchen ist irritiert. Wenn das so kompliziert ist...
Nihan fragt Schulz

Die Youngster, die sich normalerweise filmen, während sie an Haar- und Modetipps arbeiten und dafür Millionen ‚Follower‘ sammeln, nennen sich YouTuber und sprechen neuerdings für die Jugend. Jetzt machen sie nicht nur Haare, sondern auch noch Politik. Noch eine Frage an Schulz: „Was war der größte Mist, den sie gebaut haben?“ - Interessante Frage. Aber Schulz bleibt auf bekanntem Niveau. Er habe einmal Waschpulver ins Freibad geschüttet. Im Wahlkampf? Wer denkt sich solche Fragen aus, wer sind diese YouTuber, die mittlerweile schon in Talkshows auftreten?

Damit die Follower wissen, wo’s lang geht, nennt sich einer von ihnen einfach Mr. Wissen. Nein, Mr. Wissen to go! Quatsch, noch besser: MrWissen2go! Ja. Mehr braucht es auch nicht, um alles zu wissen über Mr. Wissen... Wissen to go. Früher hieß das: Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Oder noch besser: doof bleibt doof...

Montag, 4. September 2017

Fernseh Duell

Vor dem Duell (erster Lacher) zwischen Merkel und Schulz setzte die SPD schon am frühen Morgen ins Netz, Schulz habe das Duell gewonnen (zweiter Lacher). Nach dem Duell sah es umgekehrt aus. Realität schlägt Fake (dritter Lacher).

Den letzten Lacher aber löste ein Balken aus. Die übliche Befragung danach (wie war’s?) ergab tatsächlich, dass Schulz in einem wichtigen Punkt dann doch vorne lag: Eine Mehrheit meinte, er habe sich besser geschlagen, als erwartet. Offenbar haben diese Leute ihn vorher für einen Vollidioten gehalten. Viel Spaß bei der Aufholjagd.

Samstag, 29. Juli 2017

Das Ende der Kunst

Die dicke Frau mit der rotgefärbten Kurzhaarfrisur, die vor die Presse trat, war eine der Sprecherinnen der deutschen Sektion der NOOOAAJUFOCMUCOP (Non Official Organisation Of Arts And Justice For Creative Multi Colored People). Sie sprach in ihrem Statement davon, dass die meisten Sektionen ihrer Organisation bereits ein Jahr nach ihrer Gründung ein stückweit gut aufgestellt seien und dass Künstlerinnen und Künstler endlich einer Quotenregelung für Kunst der Ureinwohner, wie auch für Kunst von politisch Verfolgten, für Kunst von Schwulen und Lesben, von Gender-, Frauen-, afro-amerikanischer, indogener, antifaschistischer- und Volks-Kunst ein großes Stück näher gekommen seien, dass nun die Betroffenen selbst in Selbstbestimmung ihre eigene originäre Kunst schaffen und zeigen könnten, ohne ertragen zu müssen von selbstherrlichen, selbst ernannten 'Künstlern' weiter zu Objekten degradiert zu werden.

In dem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass es endlich auch gelungen sei, die Bilder des Malers Gauguin aus den Museen entfernen zu lassen. „Sie gehören verbannt und verbrannt“, sagte sie der eifrig auf Sätze wartenden Presse. Zugegeben, ein griffiger, zitierfähiger Spruch. Alle fingen an zu schreiben. „Diese Art von Bildern sind politisch nicht mehr haltbar.“ Alle blickten auf.
Opfer von Gauguin: Frauen auf Tahiti
Sie seien, sagte sie weiter, typischer Ausdruck eines eurozentristischen, rassistischen Weltbildes, das sich in einem typisch arroganten, voyeuristischen Blick auf die Ureinwohner manifestieren würde.
Die neue Ausstellung „Wir sind anders“ würde endlich ausschließlich mit authentischen Werken der Ureinwohner bestückt werden können.
„Bunt, stark und authentisch“ sei das Motto.

Ob die patriarchale Religionskunst nicht auch auf die Liste gehöre, fragte ein interessierter Journalist und ein anderer, wann denn dann mit der Sprengung des Kölner Doms zu rechnen sei.
Die dicke Frau explodierte. Das sei die typische Art einer verlogenen Main-Stream-Presse, die gerechten Anliegen von Betroffenen in den Schmutz zu ziehen, giftete die Sprecherin.

Andere Sparten seien schon weiter. Auf den Theaterbühnen des Landes gäbe es schon lange, statt unverständlicher, wirklichkeitsferner 'Dichtkunst', das Recherche-Theater, in dem die Betroffenen selbst, die Flüchtlinge, Arbeitslosen und diskriminierten Minderheiten zu sehen seien, um unmittelbar ihre Geschichten selbst zu erzählen. Man müsse sich nicht mehr mit verstaubten Königsdramen den Blick auf die Fakten verstellen lassen. Ein Dichter habe nur dann noch aktuelle Kraft, wenn er mit zeitgenössischen Texten verbunden sei. Das neue multi-mediale, interaktive Theater sei Vorbild und Beispiel genug für jede Kunst, sagte sie und beendete die Pressekonferenz, ohne weitere Fragen zu beantworten.

Freitag, 21. Juli 2017

Dem Erklärbär kannst du nicht entkommen

Ununterbrochenes Meinungs-Geplapper. Im Fernsehen haben Lieschen, Fritz, Ahmed, Fatima und Niköööö auf jeden Fall und überall ein Mikrööö vor der Nase und produzieren Meinungen. Meinungen zu Syrien, Burka, Wetter, Waschmittel, Wahlen, Kindesmissbrauch, Unfällen, Bränden und Preisen. Dazu werden jeden Tag fünfzig neue Bücher mit Meinungen über, sagen wir, Gerechtigkeit oder gesundes Essen oder Wege zum Glück, auf den Markt geworfen. Noch verwaschener, korrekter, sauberer und antiseptischer als in unseren Zeiten geht es kaum noch.
Wo ist der Dreck geblieben, der Witz, wo bleiben die Geschichten, die Theaterstücke, die surrealen Bilder?

Es ist grauenhaft. Von überall her werden wir mit Realität konfrontiert, mit Authentizität, wir werden von Fakten, Daten und Zahlen eingekreist, mit Statistiken und Binsenweisheiten beworfen. Gegen den Hass, für die Liebe, gegen Rassismus, für die Buntheit, für die Wahrheit, gegen die Lüge, für das Gute, gegen das Böse. Unfassbar. Teilen, teilen, teilen. Wir gehen unter im Kugelhagel der Meinungen. Bewusstlos. Stopp. Fakten-Check. Aber die Fakten im Fakten-Check sind falsch. Was nun? Egal. Alle glauben alles.

Wir Intellektuellen aber wissen: Weniger glauben, mehr wissen. Also: Statt lachen zu dürfen, sehen wir das lehrreiche Recherche-Kabarett. Hier bekommen wir die Statistiken auch noch erklärt: soundsoviel Prozent im Land besitzen soundsoviel, und nur soundsoviel Prozent besitzen soundsoviel. Bedeutungsschwangere Pause. Kreischen, hysterischer Applaus.
Also gibt es statt Kabarett: Neues aus der Anstalt, statt Satire: Mann, Sieber! Statt politischer Analyse: Carolin Emke, statt Unterhaltung: Hirschhausen, statt Nachrichten: heuteplus, statt Essen die nächste Kochshow. Wahnsinnig authentisch. Nur dass es nichts zu lachen, nichts zu riechen und nichts zu schmecken gibt.

Das alles lässt sich auch kurz zusammenfassen. Alles ist Hashtag: #kurzerklärt.
Überall wird erklärt, erklärt und nochmal erklärt. Hauptsache erklärt. Hauptsache Fakten, Fakten, Fakten.
Auf dem Schirm erscheinen Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren, schwarz vor rotem Hintergrund, tauchen auf und verschwinden wieder. Sprechblasen und Pictogramme erklären uns Kindern in Deutschland die Fakten. Was ist so lustig an Fakten?
Animierte Figuren, die sich vermehren, verschieben oder umfallen. Aha.

Aber warum bluten sie nicht, wenn über Kriege berichtet wird, warum werden ihnen keine Finger oder Beine abgetrennt? Stattdessen sehen wir Geldscheine, die fliegen, wenn Geld ausgegeben wird - und all die schwirrenden Pfeile, Quadrate, Säulen und Kuchenstücke, aber die Kuchenstücke werden nicht von Putin gefressen oder von Xi Jinping an die Wand geworfen, die animierten Häuser nicht in lustigen Explosionen in die Luft gejagt. Warum wird Erdogan nicht sabbernd im Laufställchen gezeigt, oder Trump in der Anstalt, oder Kaczynski als Giftzwerg, oder Schulz ohne Kopf?

Das bringt mich auf eine Idee. Das wären doch gute Geschichten. Und gute Geschichten, gutes Theater sind wahrer und wahrhaftiger als jeder Tweet und jeder Check. Was brauchen wir Fakten? Erzählen wir unsere Märchen.

Samstag, 8. Juli 2017

Straßenschlacht in Hamburg

Hamburg, 7. Juli 2017
Die Schlacht von Hamburg macht mich wütend. Mit Links oder gar Widerstand gegen G20 hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun. Null Politik. Auf der einen Seite die verkrachten Lederjackenträgern aus tiefster Vergangenheit, die sich fleezen und lallen und meinen, wenn die Polizei sie angreife - dann sei es kein Wunder, dass sie die Stadt auseinander nehmen müssten. Da fehlen mir die Worte.

Auf der anderen Seite der Jugendmob von heute. Ob dumpfe Rassisten, oder Hooligans vor den Fußballstadien, tätowierte, plündernde, saufende, grölende Rudel aufgepumpter Männer - sie wüten durch die Landschaft, um ihre geistige Leere mit Gewalt in die Straßen zu schneiden.

Dummheit, religiöser Wahn, Rassismus, Hass, eine ganze Schicht ungebildeter Jugendlicher, explosiv auch ohne Sprenggürtel, kriminelle Dummbeutel, bewaffnet mit Smart- (wie ironisch) phones, haben einen Auftrag: Destabilisierung der Demokratie. Das macht sie zu Hilfstruppen von Erdogan, Putin, Trump, den schwer erziehbaren Gewalttätern aus der oberen Etage. Aber dafür sind die aus dem Erdgeschoss zu blöd, das auch nur ansatzweise zu begreifen, gläubig bis zum Hirntod. Ihr widerwärtigen Idioten, macht euch vom Acker.

Wir wollen weder Erdogans Schläger, noch Putins Banden, noch Trumps Ku Klux Klan, weder Pegida-Mob noch Islam-Terror, weder braunen noch schwarzen Block.

Dienstag, 4. Juli 2017

Nachtrag: Bühnen Köln sind fertig - die Kulturverwaltung auch - wir noch nicht ganz

Immer neue Zahlen. 2023 stehen die Bühnen Köln aber nun wirklich zur Eröffnung bereit (woher kenne ich nur solche Formulierungen). Auch die Kosten, die sich seit Ratsbeschluss mehr als verdoppelt haben, werden immer präziser benannt.

Am 1. Juli 2017 schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger von 250 Millionen Euro. Am 2. Juli hieß es: Es sind doch schon 570 Millionen Euro - mindestens.
Korrektur am 3. Juli: 570.554.049,49 Euro

Jetzt meine Bitte: Kann das Theater am Sachsenring nicht wenigstens diese 554.049,49 Euro haben? Auf den einen Tag kommt es doch nicht an.
Das wären nur 500.000 Euro mehr als der Zuschuss, auf den wir jetzt bereits seit 12 Jahren warten.

Die Kulturverwaltung lehnt normalerweise in fast allen Fällen, wenn es um Kultur geht, die Verantwortung ab: "Das entscheidet der Beirat" oder "Das hat die Politik so gewollt" oder "Der Topf ist leider schon leer", oder die Anliegen werden einfach zurückgewiesen oder delegiert oder ignoriert. Oder die Kulturdezernentin sagt wieder: "Ich trage hier nicht den Oberverantwortungshut". Ist kein Witz.

Also Vorschlag: In diesem Falle könnte die Verwaltung einfach einmal eine Umbuchung vornehmen. Kostet keine Mühe. Eine Bühne für Schauspiel, für zeitgenössische und klassische Stücke, im Zentrum der Stadt - dem TAS würde die Summe reichen, um weiter auf bekanntem Niveau Theater spielen zu können. Na, wie wär's?

Samstag, 1. Juli 2017

Bühnen Köln sind fertig - in sieben Jahren (frühestens)

Zwischenbericht: Nach Jahrzehnten beschloss der Rat der Stadt Köln 2009 endlich neue Bühnen am Offenbachplatz zu bauen. Ein lang gehegter Traum sollte Wirklichkeit werden.

Dann traten Neven DuMont, Karin Beier und eine so genannte 'alternative' Bewegung ("Mut zu Kultur") auf den Plan und setzten sich für eine Sanierung ein. Eine regelrechte Kampagne gegen den Neubau begann. Mit Argumenten wie Denkmalschutz und Sparsamkeit. Und mehr Geld für die Kunst.
Naivität oder Täuschungsmanöver oder beides? Auf jeden Fall handfeste Interessen. Wie immer. Ein Jahr später war der Beschluss vom Tisch.

Ich habe damals schon dagegen angeschrieben und habe Unverständnis geerntet.
Wer will kann einen Kommentar von vor sieben Jahren nachlesen:

http://spiegel-jk.blogspot.de/2010/02/inhalt-vor-fassade.html

Leider, wie schon im Ringen um eine bessere Förderung der freien Theaterszene, haben sich auch im Falle 'Sanierung' die geäußerten Befürchtungen in allen Punkten bestätigt.

Konkret: Die Sanierung von Oper und Schauspiel in Köln sollte 232 Millionen kosten, na ja, sagen wir mit Puffer 253 Millionen Euro, so genehmigte es der Rat. Da alle wissen, dass eine Genehmigung immer durch die Kosten überholt wird, auch mit Puffer (das gehört zum Ritual), sagen wir doch großzügig 350 Millionen. Der Rat musste aber, nachdem das auch das keine realistische Größe mehr war, vor einiger Zeit noch eine letzte Genehmigung beschließen. 404 Millionen Euro. Die Sanierung sollte 2015 abgeschlossen sein. Also sagen wir zwei Jahre später, also jetzt.

Jetzt wird aber erst ein Zwischenbericht vorgelegt.
Fertigstellung 2022 (frühestens) - Kosten 550 Millionen Euro. Ende nicht in Sicht. Schließlich geht es um Bautätigkeit, nicht um Kunst. Oder?


Sonntag, 25. Juni 2017

Schulz,

heißt es nicht Gereschtigkeit? So wie "europäisch"? Oder doch eher umgekehrt. Die europäichen Bürger und Bürger... Ach, lassen wir das. Ja, in der SP  fängt die Verwirrung schon mit der Aussprache an - und dem Verschlucken von Endungen.

Und Schröder, jaaa, zurecht erinnerst du die Partei an deine vorbildliche Aufholjagd 2005. Die SPD soll es jetzt genauso machen. Ja. Wird sie. Und am Ende wird Frau Merkel Kanzlerin. Wie damals. "Auf in den Kampf, Genossen und Genossen", sagt er und verschluckt wieder etwas. Ist sowieso nur Gedöns.

Und Schröder, schon wieder mangelt es auch hier an Aussprachekenntnissen. Und das in der Schlussbemerkung. Die soll kämpferisch klingen, lateinamerikanisch, irgendwie revolutionär, damals Che - heute Chulz. Aber, Chröder, es heißt nicht Venkeremos!
Der ZDF meldet wenig später, Chröder habe dem Parteitag Ventscheremos zugerufen. NEIN!
Auch falsch. Alles falsch. Dieser Unsinn wurde übrigens aus den folgenden Nachrichtensendungen herausgenommen.

Wogegen kämpft ihr? Gegen Windmühlen, gegen die eigene Vergangenheit? Gegen Frau Merkel. Die wird auf dem Parteitag zur Feindin stilisiert. Kann ich verstehen. Sie ist in vielen Dingen das Gegenstück: souverän, überlegt, intelligent, ruhig und eines der wenigen vernunftbegabten Wesen an der Spitze eines Landes. Wie kann man so etwas in Zukunft verhindern... Da kommen dem Chulz schon jetzt Verschwörungs-Phantasien. Die Merkel wolle durch dieses ewige Überlegen und Nachdenken die Wähler und Wähler einschläfern, damit sie nicht wählen gehen. Sie betreibe, was in Berliner Kreisen (Achtung Verschwörung) "asymmetriche Demobilisierung" genannt werde. Wow. Die hacht arbeitenden Menchen werden ihn genau verstanden haben. Sie wollen einen kämpferichen Kandidaten. Also wird Chulz zum deutschen Erdogan und setzt noch einen drauf: "ICH NENNE DAS EINEN ANSCHLAG AUF DIE DEMOKRATIE" - oh Mann! Ist dat warm hier. Und - er zieht die Jacke aus. Sicher ganz spontan.

Die Erkenntnis, durch ständiges Wiederholen wird ein Wort auch nicht richtiger oder wahrer, die Erkenntnis wird ignoriert, weil die SPD trotz misslungenem Internet-Pop und Schulzzug-Hype in den 'Netzwerken' immer noch an Simpel-Botschaften in Tweet-Format glaubt und daran festhält. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit...

Mehr Zeit für mehr Gerechtigkeit oder Bildung (oder war es doch umgekehrt?) Irgendwas mit Gerechtigkeit und Zeit und Bildung. Tweet. Venkeremos Kommandante Chulz!

Montag, 29. Mai 2017

Kulturzeit

Zitate aus einer Kulturzeit-Sendung vom 29. Mai 2017

Thema: Theater der Welt in Hamburg.
Die Moderatorin sagt: "Auch wenn das Konzept nichts Neues hat..." Nein! Ist nicht wahr!
"Die Festivalleiter wollen vor allem eins: Grenzen überschreiten". Ach Gottchen. Grenzen überschreiten. Das ist ja mal was ganz neues.
"Diesmal ist der Theaterbegriff ganz besonders weit gefasst", sagt die Moderatorin. Ach ja? Diesmal?
Jetzt sehen wir: Frau mit weißer Bluse beschmiert sich Bluse und Gesicht mit roter Farbe.
Ach ja, und Mitmachtheater gibt es auch und die Moderatorin schleppt Sandsäcke.
Und es gibt überhaupt jede Menge Performance. Vieles findet die Moderatorin "erwartbar" und nicht gelungen.
In einer Inszenierung spielt Text wieder einmal kaum noch eine Rolle. "Textpassagen werden durch schier endloses Gestöhne ersetzt". Ach ja?
Fazit: Nicht immer geglückt...
Das habe ich wirklich nicht für möglich gehalten.
Kurz zuvor hatte Jonathan Meese (duschgeknallter Performance Künstler) schon in 'Kulturzeit' als Teil der Salzburger Festspiele gefordert, man solle endlich das Theatertheater hinwegfegen.
Der Festivalleiter schien einverstanden und redete über Entgrenzung und Performance. Ende.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.