Freitag, 24. Februar 2006

Being Lawinky

Ein Schauspieler (nennen wir ihn Lawinky), hatte dem Kritiker (nennen wir ihn Stadelmaier) in Frankfurt ein totes Huhn auf den Schoß geworfen, ihm den Schreibblock entrissen und ihn beschimpft. Der Kritiker verließ die Premiere.

Einen Tag danach war auch in Köln, nach der Premiere der 'Galotti', in Gesprächen eine kaum verhohlene  Freude zu entdecken, dass endlich ein Schauspieler auf einen kritiksüchtigen Kritiker losgegangen war, um es ihm heimzuzahlen.
Für Köln schien der Übergriff eine Art Ersatzhandlung zu sein, denn mancher Kulturschaffende dieser Stadt fühlt sich von einem provinziellen Kulturteil und einer schlecht gelaunten Kritikerin ebenso geschlagen, wie mit einem vollständig gestörten Verhältnis zu Kritik und Kulturdebatte überhaupt.

Der Fall 'Lawinky' ist aber ein Exempel, eine ernste Zuspitzung. Ich wäre vorsichtig mit dem Begriff: Angriff auf die Pressefreiheit, aber man muss Herrn Stadelmaier zustimmen, diese Art von Enthemmtheit ist die Konsequenz eines Theaters, das seine eigenen Mittel abschafft, zugunsten marktgerechter Provokationen.
Der Verleger des Ionesco-Stücks 'Das große Massakerspiel' – darin spielte Lawinky – entdeckte in Frankfurt nur noch 10% Ionesco und untersagte die Aufführung. Da Stücke oder Autoren sowieso keine Bedeutung mehr haben, wurde die Mogelpackung tatsächlich einfach umbenannt in das, was sie schon von Anfang an war: 'Being Lawinky'. Jetzt mit 90% weniger Text.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.