Mittwoch, 5. Dezember 2007

Courage


Meldungen: "Zum besten deutschen Musiker aller Zeiten wurde Herbert Grönemeier gewählt. Er verwies Udo Jürgens und Tokyo Hotel auf die Plätze. Abgeschlagen: Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Sebastian Bach. Moderation: J.B. Kerner."

30.11.2007

Bambi für Courage an Tom Cruise, den Sektenpropagandist und millionenschweren Produzenten. Bambi für Kultur an HaPe Kerkeling. Titel seines Buches: "Ich bin dann mal weg".


"Noch ist nicht klar, ob die Frau an Schlägen mit der Bratpfanne auf den Hinterkopf starb oder erdrosselt wurde."

Sonntag, 11. November 2007

Denn wenn et Trömmelsche...


Die Musik, auch eine Musik, die Gott zu preisen versucht, eine gottesfürchtige Musik, bleibt einfach Musik. Und Musik ist komplexer, konkreter, einer realen Welt zugewandter, als eine Schrift, auch eine heilige, es je sein kann. Musik kommt aus der Welt, sie kommt von Menschen aus dieser Welt. Sie kommt aus ihrer Mitte, also hat sie eine Mitte. Sie ist greifbar und ergreift, sie kann mehr Ehrfurcht, Trauer, Liebe und Glaube wecken, als ein Gebot, ein Katechismus. Sie bringt Seelen zum schwingen. Sie bewegt Menschen und stimmt sie. Friedlich, melancholisch, froh. Natürlich, die Musik kann missbraucht werden, plattgemacht, vermatscht, verklatscht in Militärkapellen und Musikantenstadln. Das ist wahr. Seit Musik verkauft wird wie ein Stück Fleisch, werden wir gefüttert mit Samstagabend-Gammelfleisch-Shows und schon die Jüngsten überfressen sich an Gängsta-Burgern.
Aber lieber ein kleiner Schlager, als einfältige Reden. Lieber ein Karnevalslied, als Wortkaskaden über den Zorn Gottes, über Verderbtheit, Entartung, Säuberung, Gehorsam. Blast den Predigern den Marsch, trommelt den Heuchlern den Arsch, lasst Trompeten die Mauern zum Einsturz bringen, singt, bis die Fenstergläser springen.

Samstag, 27. Oktober 2007

Radio Ro


Erst jetzt bin ich dazu gekommen das neue Gesicht des Kölner Schauspielhauses aus der Nähe zu sehen, nachdem viele Skeptiker und Kritiker schon erzählt hatten, etwas sei anders geworden, das Eröffnungsfest gelobt hatten, die Ausstrahlung, den Mut, die erste Premiere. Ein bisschen Wind wehte aus diesen Schilderungen. Interessant.
Meine erste Begegnung war Radio Ro, Uraufführung, Musik in der Schlosserei. Skeptisch war ich. Ja. Manche Schlagerrevue hatte mich schon verärgert nach Hause geschickt.
Und dann ein wunderbarer, fein gesponnener Abend. Erster Auftritt, Mann in Frauenkleidern. Geht in Köln immer schief. Aber diesmal nicht. Präsenz, Präzision. Maschinen werden eingeschaltet, Lämpchen leuchten, ein Studio mit Arbeitstischen. Geht in Köln immer schief, diesmal nicht. Eine Spielerin nach der anderen betritt den Schauplatz, die Platte hat einen Sprung, oder springt, lebt. Beschleunigungen, Störungen, Pausen. Radiomusik fließt in Komik, mehrstimmigen Gesang, ein Lied fließt zurück in das Radio, witzig, schlicht, rührend. Es gibt zu lachen, zu staunen. Das Ensemble ist wunderbar. Die Bekannten, Therese Dürrenberger, Anja Laïs, leuchten mit den Neuen, Jennifer Frank, Graham F. Valentine, um die Wette, zurückhaltend, unprätentiös, alles passt zusammen, sie alle tragen uns von Lied zu Lied zu Stück zu Geste. Der Pianist und Regisseur Clemens Sienknecht ist eine Sensation, und die Lust am Spiel erfasst alle. Zwischen dem Lachen, dem Schauen auf das Verfertigen von Musik, auf die Radio-Tage, auf Erinnerungen, rührt mancher Flötenton, manche Entdeckung einer Bewegung, manche Melodie zu Tränen. Ich denke zwischendurch an Köln. Zum ersten Mal seit langer Zeit geschieht etwas. Hier. Zauber des Theaters in unserer Stadt? Das wäre zu schön, das ist zu schön.
Und die Feier im Erfrischungsraum? Hell, klar, Licht und Tücher, Tische, leise Musik, freudige Gesichter und heitere Gespräche. Alles anders? Glaub ich nicht. Aber, als hätte eine unsichtbare Hand dieses Haus ein bisschen gedreht, so verschoben, dass das Licht anders auf Haus und Bühne trifft, fangen Dinge an zu glänzen. Oder ist es doch die Hand von Karin Beier. Ich gehe noch öfter schauen. Dieser Abend jedenfalls hat die Lust am Theater beflügelt.

Donnerstag, 27. September 2007

Probe in Schwetzingen zum ersten

Liebe Sex und Therapie

Dienstag, 18. September 2007

Ja, wir sind entartet,


verehrter Kardinal Meisner. Ja, Theater hat Götter gepriesen - nicht nur einen, wie Sie wissen, aber es hatte nicht deshalb eine Mitte, sondern weil es überall zu finden war, vor Kirchen, bei Hofe, in Theaterhäusern, auf der Straße, auf den Brettern, vor denen sich das Volk versammelte um eben nicht fromm sein zu müssen. Es hat immer noch eine Mitte, weil es sich auch heute noch der Macht verweigert (na ja, nicht überall), die Macht verlacht, weil es auch und gerade heute weder Gottesverehrung noch prophetischen Gehorsam übte oder üben wird. Es geht im Theater auch und gerade um Menschen, die aus der Art schlagen und um ihre wundersamen Geschichten. Das Theater liebt Bewegung, Unruhe, es weckt Skepsis, Zweifel, es zeigt uns die schiefe Ebene, das Böse, den Tod, das Theater ist Farce, befreiendes Lachen, und das alles ist: unser Metier.
Darum können wir nicht glauben, nicht an falsch oder richtig, an Heilige oder Huren, nicht an einfache Antworten, schwangere Jungfrauen, zornige Götter und heilige Kriege. Mehr noch: Einige von uns glauben beinahe überhaupt nichts mehr.
Weder an Versprechungen, gute Könige, kluge Präsidenten, unbestechliche Politiker, noch an den heiligen Stuhl.
Aber wir glauben an gute Geschichten, aus Märchenbüchern, aus der Bibel, dem Koran, von gottlosen Schriftstellern, toten Dichtern, an Stücke über den Teufel, korrupte Mächtige, falsche Päpste, böse Könige, aber wir glauben auch an bunte Fenster, durch die das Tageslicht fällt, an Maler, die transparente Haut malen - oder Dämonen auf unsere Brust setzen können, oder an Bilder, die nur blau sind. Und an eine gute Inszenierung. Ihre Inszenierung aber, verehrter Kardinal, ist eine schlechte. Wir sollten sie absetzen. Und Sie gleich mit.

Sonntag, 9. September 2007

Notiz


Habe nachmittags auf die Straße hinunter gesehen. Schon ist eine zuende gerauchte Zigarette auf die Fahrbahn geflogen, dann rollte ein Blatt vom Baum dazu, leicht angebräunt, dann segelte, immer wieder den Boden berührend, ein schwarzer Luftballon bis hinter die Baustelle. Meist Wolken, lauwarm. Wir spielen Theater. Zwei Männer mit zwei Texten von zwei Autoren. Einer alt, einer jünger. Publikum spart sich auf.

Sonntag, 12. August 2007

noch einmal beginnen


Nach 20 Jahren Theater am Sachsenring, nach den Erfolgen der letzten Jahre, nach dem Erschließen neuer Spielorte, nach den größeren Theaterproduktionen, nach den Mühlen der Bürokratie, nach Kämpfen gegen Unvernunft, nach dem Nachdenken, nach einer Pause, nach den ersten Schritten einer Umstrukturierung, nach den Planungen für die einundzwanzigste Spielzeit, neuer Mut, neue Kräfte, neue Phase. Proben zu "Endlich Schluss", Beginn der neuen Kurse für Kinder und Jugendliche, Vorbereitungen für eine Inszenierung in Schwetzingen und - wieder geöffnete Türen für das Publikum. Der gestrige, erste Abend zeigteFlowerMauerAdenauer. Ein voller Saal, Zuschauer, die begeistert waren, Bühnengäste, die sich freuten, wieder spielen zu dürfen, eine Theaterleitung, die abgekämpft aber glücklich einen runden Abend erlebte und auf die Eröffnung anstoßen konnte. Ein gutes Omen?
Auf jeden Fall ein schöner Abend.

Dienstag, 31. Juli 2007

Die große Welt


Die kleine Welt schwimmt lustig auf der Oberfläche des einen seichten, trüben Tümpels weiter. Die große Welt geht unter: George Tabori, Ulrich Mühe,
Ingmar Bergmann, Michelangelo Antonioni, Michel Serrault. Traurig.

Mittwoch, 25. Juli 2007

Schau, Bayreuth


Ich hatte das Vergnügen Bayreuth von innen zu sehen. Ich war erstaunt über die engen Sitzreihen, das kleine Festspielhaus - der Ruhm macht die Dinge größer als in Wirklichkeit. Ich war erstaunt über die Treppen, den Saal, die Säulen, die Akustik, die Töne, die von irgendwo kommen, sich fügen und überwältigen. Ich hatte das Vergnügen, Boulez dirigieren zu sehen, zu hören. Ich musste die Augen schließen, denn der Parsifal wurde von Schlingensief inszeniert und der hatte Nah-Tod-Erlebnisse aufzuarbeiten, auf der Bühne. Es flimmerte, zuckte, drehte sich, Faktoten, Nackte, blutige Fingerspuren, na ja, Regietheater eben. Katharina Wagner, die Ur-Enkelin vom Richard, wollte 'entrümpeln', wollte die Festspiele mit Schlingensief aufpeppen. Nur mit geschlossenen Augen war der Zauber der Musik noch spürbar.
Katharina soll den grünen Hügel erobern und ihr Meisterstück mit den 'Meistersingern' abliefern. Und was sehe ich im Fernsehen? Weiße Farbe spritzt über die Bühne, weiße Flüssigkeiten spritzen aus dem Ausschnitt einer Sängerin. Oh ja. Der ganze Mist, der schon die Stadttheater seit Jahren zum Komödienstadl macht, ist endlich auch bei den Weihespielen angekommen.

Sonntag, 22. Juli 2007

Domburg zum dritten


Und ich steh wie gebannt
Auf der Treppe zum Strand.
Von den Dünen nach unten.
Da seh ich dann Bälle
Und menschliche Wälle
Vor der Sonne, der bunten.

Und die Kinder, die schreien,
Füttern Möwen, verleihen
Ein Förmchen voll Sand,
An der Treppe zum Strand

Sonnenuntergang, diesmal nicht im Zusammenhang mit dem sagenhaften Köln, sondern im kleinen Domburg, nach Wein und Omlette und der Frankfurter und ein paar Gedanken, die nicht so finster sind.

Jetzt sitz ich hier in Domburg und sehe im WDR, mit reichlich Schnee im Bild (wo gibt's das noch?), die Kölner Lichter. Das Feuerwerk mit Musik: "zo Foß noh Kölle jonn...". Es ist schon komisch. Hat die Stadt das verdient? Ja. Absolut. Wunderbar. Kölsch. Gerade noch ist der 'Major' mit dem Hut in der Ooststraat vorüber gegangen, wir haben uns als alte Südstädter gegrüßt, jetzt spielt das Orchester im Fernsehen, in Köln "verdammp lang her..". So ist das. Schön. Die Entfernung, der Seewind, machen milde und melancholisch.

Guten Tag

Dienstag, 29. Mai 2007

Domburg zum zweiten





Strichcode, Müde, Augen klein. Das Meer liegt groß und wartet. Es rauscht und rollt an die holländische Landesgrenze. In Domburg Ruhe finden unter all den Kölnern. In Domburg ist alles deutsch, außer den Holländern. Aber vielleicht lässt sich dort eine Zeitung einmal bis zur letzten Seite lesen, oder die Sonne scheint heller, oder der Sand läuft in die Schuhe, die lieber alleine wären und lächeln. Holzpflöcke verschwinden langsam im Wasser, noch am Strand werfen sie lange Schatten, die Möven verlachen den Strichcode.
Weg mit den Anträgen, weg mit all dem Mist, der sich auf die Seele legt. Der Dom soll sich doch alleine amüsieren. Mir sin fott.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Lieber Spiegel,


Dir ist aber auch schon mehr eingefallen. Und Du hast Dich auch schon in sehr viel kürzeren Abständen geäußert. Was gibt's? Sauer übers 'Niemandsland', enttäuscht über die Kulturpolitik, entnervt über die Bürokratie, ärgerlich über den Fußball?
Ja, was hast Du denn erwartet? Enttäuschung ist das Aufheben einer Täuschung. Gut so. Schon manche Leserin, mancher Leser haben gewarnt, nicht so oft so kritische Töne anzuschlagen. Das rächt sich. Da verfinstert sich die Laune. Außerdem bemüht sich Köln schon so lange, den freien Fall ins Niemandsland nicht aufhalten zu müssen.
Overath präsidiert den FC, Konzepte und Pläne erklären uns die Kultur, während die Kultur, die es schon gibt, abgeschafft wird, sie passt nicht auf das viele Papier, das geschrieben wird, damit eine Leuchtturmkultur entsteht. Wenn Pläne geschrieben werden, diese Pläne werden schnell zu Stein. Der Stadtanzeiger - nein nicht nochmal. Immerhin wird in Spalten notiert, was die Anzeigenkunden übriglassen. Immerhin erfahren wir etwas über die Sachen, die großen, glänzenden Sachen, die wir schon immer zu hören, zu sehen und zu lesen bekommen durften. Sachen, die in blauen Zelten auftauchen und in blauen Tüten wieder verschwinden. Siehst du, schon fängst du wieder an, dich zu beklagen und versalzt dir den sowieso schon verregneten Feiertag. Schlafen, träumen, nichts weiter.

Montag, 7. Mai 2007

Niemandsland


Es regnet. Es ist fünf vor zwölf. Manchester United ist englischer Fußballmeister. Der 1.FC Köln ist im Niemandsland der Zweitklassigkeit verschwunden. Das Theater liegt im Trüben. Auf der Bühne ist nicht mehr zu sehen, was einmal scharf war und es liegt noch im Nebel, was einmal entstehen wird.

Dienstag, 10. April 2007

Domburg zum ersten


Ostern. Urlaub? Für einen Theatermacher hieße das: Licht aus, Vorhang zu, Tür zu. Die Alternative wäre frische Luft. Also mutig auf nach Domburg. Domburg, da steckt der Dom gleich mit drin. Denn der muss immer mit. Sich ein bisschen um Antwerpen herum verfahren, dann nach Zeeland an die Küste. So schnell, so weit. Möwen schreien und ruhig rauscht das Meer. Alles fließt langsamer, was sonst unter Scheinwerfern zappelt, nur der Wind reißt an den Dünengräsern, der Blick sehnt sich ins Unendliche und käme auch dort an, wenn nicht eine Stimme sagen würde: "Hallo Joe!" Man trifft sich. Costa vom Filos, den Rogler sah ich letztes Jahr. In den Gassen von Domburg wird Kölsch gesprochen - bei uns im Veedel. Wir wollen Ruhe finden und fahren nach Domburg. Paradox. In der Ooststraat von der Pizza-Terrasse ins Eiscafé, danach ins Strandcafé. Kinder schaukeln im Sand, ein dicker Turm aus einem Traum steht in den Dünen, am Horizont ein schwach leuchtendes Segelboot, meine Liebste lächelt und freut sich da zu sein. Die Sonne steht so tief, dass selbst der Sand lange Schatten wirft. Das erinnert mich wieder an Köln – warum nur? Gold und blau die Gischt. Rot und weiß die Gedanken. Später wird das Meer grün, noch später wird der Sand schwarz. Der Sand, in den Ritzen der Holzböden, auf denen Tische stehen, an denen Fritten gegessen werden, liegt wie fein zerstäubter Sommer. Langsam verblasst das große Köln im Kopf. Hier bleibt alles klar und einfach. Weiße Sonne, eine Straße von Ost nach West, kleine Häuser, große Fenster, der Puls des Meeres, das Paradies. Meine Liebste schickt eine sms und lächelt.
(veröffentlicht im Kölner Stadtanzeiger am 25.04.2007)

Montag, 19. März 2007

Dachgedanken



Ein Blick über die Dächer. Dahinten steht der Dom. Davor steht die Severinskirche. Rechts einer von tausend Kränen. Davor sind Dächer. Darunter leben die vielfältigsten Menschen, essen schlechtes Essen, lesen dumme Zeitungen, hören süße Musik, laufen blind vom Sofa zur Küche und verfetten. Oder sie sind mager, saufen Bier aus Flaschen, starren in die Röhre und gehen uns allen auf die Nerven. In den Abstellkammern schreien sich kleine Kinder die Köpfe rot. Die Küchen werden ausgefegt werden, die Häuser stehen zum Abriss, die Zukunft ist verkauft, die Zeit verdünnt sich. Die Verwahrlosten werden umgesiedelt. Wir stehen im Weg. Zuviele schon. Uns bleibt der Dom, das muss reichen. Kulturhauptstadt. Wie immer. Schön.



Donnerstag, 15. März 2007

Doku Soap


Noch eine neue Doku-Soap im Fernsehen. "Die Gesundheitspolizei" kontrolliert, ob Fettsäcke, Raucher und dünnen Heringe auch frisches Obst im Haus haben, ob sie einen Imbiss einnehmen können ohne direkt an Doppel-Moppel, King-Size-Dick, Los Wochos oder Kentucky schreit denken zu müssen und - ob sie ihre notorisch schlechte Laune loswerden. Ohne Fritten. Vorschlag der Gesundheitspolizei: einmal ein Wohlfühl-Wochenende mit der Frau, ein romantisches Essen mit Kerzen und Liebesbriefchen. Ein bisschen Frieden, ein bisschen Aufmerksamkeit. So die Botschaft an den Mann. Der Mann lernt. Man beobachtet ihn mit der Kamera, wie er ein süßes Briefchen schreibt, in einer kritzelnden Kinderschrift, wie er Herzchen malt mit Filzstift, ganz langsam, die Zunge fest zwischen die Lippen gepresst. Erste Worte: "Hi, Schatzi, ...". Hier bleibt ein kurzer Aufschrei und die Erkenntnis: solche Sendungen machen mich krank.

Mittwoch, 14. März 2007

Hart


Wir haben hart am Wind und am Spaß gearbeitet. Der Text "Machen Frauen wirklich glücklich?" ist in zweiter Lesung siebzig Seiten leichter, angereichert mit vielen Frauen, mehreren Hochzeiten und manchem ratlosen Mann. Verstehen Sie nicht? Männer kriegen den Blues, Frauen kriegen eine Bluse. Verstehen Sie immer noch nicht? Dann müssen Sie noch etwas warten. Thomas Reis eröffnet das Comedy-Festival im Oktober und ist dann im November in seinem Stammhaus, dem TAS, zu sehen.

Montag, 5. März 2007

schwarzer Rauch



Schule und Theater. Es war eine gute Premiere von "Rhinocéros" in französischer Sprache. Die Arbeit im Thusnelda-Gymnasium Deutz hat Früchte getragen und großen Spaß gemacht.
Am Ende der Premierenfeier standen die Schülerinnen und Schüler um einen Flügel herum und sangen Beatles-Songs.

Sie waren zufrieden, vielleicht etwas stärker, etwas größer?
Für mich gab es an diesem Abend noch etwas Wein und eine Zigarette, das ging in der Schule nicht so gut. Selbst in meinem Stammlokal wird der Raum für guten, schwarzen Tabak immer enger. Sich selbst gewogen okkupieren die wenigen Nichtraucher die besten Tische. An der Theke drängen sich die Paffer mit den Tabakliebhabern Schulter an Schulter vor den Zapfhähnen. Bevor ich die die Stadt verlasse, um die Textfassung für ein neues Kabarett zu erstellen, wollte ich noch etwas Lustiges schreiben. Meine Liebste ist zu hause, ich vermisse sie, das ZDF sendet wieder einen übergroßen Fernsehfilm, diesmal über Flucht: pittoreskes Flüchtlingsgewimmel von Oben betrachtet und mit vielen Geigen untermalt. In einer angeschlossenen Diskussion sagt Herr Bahr das Gute sei, der Film zeige ausgewogen gute und schlechte Deutsche. So soll es sein. Gute uns schlechte Soldaten, gute und schlechte Nazis, gute und schlechte Flüchtlinge, gute Zeiten, schlechte Zeiten. So sind sie, die Deutschen, ausgewogen schwarz-geil-rot, die ausgewogensten Verlierer seit es Kriege gibt. Im ZDF gibt es immer mehr ausgewogene Tränensackfilme und immer weniger Raum für gute, schwarze Filme. Ich glaub, ich schreib nichts Lustiges mehr. Ich muss mir in der nächsten Woche zuviel Lustiges anhören. Unterhaltungskunst, Sie wissen schon. Bis dann. Es wird übrigens heißen: "Machen Frauen wirklich glücklich?"

Montag, 19. Februar 2007

Dienstag, 6. Februar 2007

Sonntag, 28. Januar 2007

Idee: Kulturliste


Hoppla: Der Stadtanzeiger wird immer schneller. Nicht immer, aber immer öfter. Die Großveranstaltung vom letzten Montag von und mit Kulturschaffenden und Künstlern (siehe: "Was können die Künste") bleibt bis heute unerwähnt, trotz Beiträgen von Karin Beier, Gunther Demnig oder Maldoom, aber über ein SPD-Hearing am Freitag ist schon am nächsten Tag groß zu lesen. Warum? Bögner erfindet neue Sprüche, Dr. Bach ist sauer, der Dezernent ist verwundert, Schramma steht im Weg, die Grünen sind gegen alles in allem, und die Verwaltung gibt uns den Rest. Aber wer gibt wem das Geld? Und überhaupt: Kommt es, kommt es nicht? Darüber muss geschrieben werden.
Dagegen die Künstler, die sich einmal mehr beklagen nicht nur in Plänen und Konzepten vorkommen zu wollen. Schade. Das hatten wir doch schon. Wie schön wäre ein Kulturpolitik ohne Künstler. Ohne Störfaktoren könnten so schöne Kulturentwicklungspläne geschrieben werden. Stattdessen muss man sich immer wieder anhören, die freie Kultur sei so zu fördern, wie sie sich entwickelt hat. Nein! Konzepte werden gefördert. Basta. Und Stärken gestärkt.
Jetzt wollen sich die Künstler selber helfen, wenn es kein anderer tut. Das ist das Allerneuste. Das KulturNetz Köln überlegt eine freie Kulturliste zu gründen. Denn Theaterpublikum, Museumsbesucher, Musikliebhaber, sie alle seien auch Wähler. Stimmt. Und sie sollten eine Wahl haben. Oh Gott.
Frühzeitig zurückschlagen. Neven DuMont hat noch nie eine zweite Meinung, eine zweite Zeitung oder einen zweiten Kandidaten zugelassen. Also bemerkt der Stadtanzeiger: "Ob für eine solche Liste großes Potenzial aus den eigenen Reihen besteht, darf angesichts eines Kommentars von Friederike van Duiven (Kölner Kulturnetz) bezweifelt werden: Die 2000 Künstler und 80 freien Ausstellungsräume, mit denen die Stadt zu rechnen pflege, leben ihrer Meinung nach schon lange nicht mehr in Köln. Ihre Forderung: 'Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Abwanderung nach Berlin aufhört.'"
Dass die Abwanderung aufhört! Nicht zu früh freuen. Noch sitzen nicht alle auf gepackten Koffern, obwohl solche Artikel, ein solcher 'Kulturteil' so manchen Koffer zusätzlich auf die Reise schicken mag. Und wenn unsere Zeitung es nicht schafft, die Verwaltung arbeitet schon lange daran, die Daheimgebliebenen einfach abzuschaffen.
Der Nachteil: Heute gibt es das Internet, freie Diskussionen oder Aktionsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. Kunst war schon immer subversiv und das lässt sich sogar in Köln wiederentdecken. Obwohl... Und noch ein Nachteil: Rechnerisch braucht eine Liste, um in den Rat einziehen zu können, ungefähr sieben- bis achttausend Stimmen. Die werden auch in Köln zu finden sein.
Also: Obacht!

Freitag, 26. Januar 2007

Was können die Künste?


Die Veranstaltung mit diesem sperrigen Titel wurde zum Glücksfall. Am Montagabend, den 22. Januar war das Alte Pfandhaus in der Kölner Südstadt voll besetzt. Viele wollten alleine schon die designierte Intendantin des Kölner Schauspiels, Karin Beier, sehen und hören. Diese erzählte von der Kraft des Theaters, ihrer ersten Erfahrung mit Theater als Fünfzehnjährige im Schauspielhaus, über einen Konflikt zwischen Vater und Sohn auf der Bühne, der sie so in Aufruhr versetzte, dass sie beinahe eingreifen wollte, das Gesehene blieb noch lange Gesprächsstoff. Aufgewühlt vom Spiel auf der Bühne. Das kann Theater.

Albrecht Zummach von der Kölner Gesellschaft für Neue Musik, sprach von 'Neuer Musik', die für viele Zuhörer neu sei, weil sie kaum zu hören ist und kaum gekannt wird und stellte den Lautenisten Konrad Junghänel vor, Vertreter der 'Alten Musik', die für viele Zuhörer neu sei, weil sie... Junghänel sprach auch von einem Trend, der in Amerika nur noch unter Druck der Sponsoren auf 'Highlights' in der Aufführungspraxis ziele und somit immer mehr Werke ausblende. Ein Trend der nicht nur für die Musik gilt.

Friederike van Duiven stellte für die Bildende Kunst und für das KulturNetz Köln den Künstler Gunther Demnig vor, der schilderte, wie sich die 'Stolpersteine', die eingelassen in den Bürgersteig an die Menschen erinnern, die aus ihren Straßen 'verschwanden' und schließlich deportiert oder ermordet wurden, wie sich diese Steine von einer provokanten Kunstaktion zu einem direkten Eingreifen von Kunst in die Gesellschaft entwickelte. Höchst beeindruckend erzählte er, wie Familien zu diesen Stein-Einlassungen nach über sechzig Jahren wieder zusammen gefunden haben, um einen Kreis zu schließen.
Der Choreograph Royston Maldoom (im Film „Ryth’m is it“ ist sein Unterricht mit Schülerinnen und Schülern zu sehen), sprach frei und in englisch über die Sprache der Kunst, über den Rhythmus im Menschen, der allzu oft von Verschüttungen befreit werden muss, über Kunst, die etwas damit zu tun hat, wie Menschen ihre Energie finden und nutzen lernen.
Heftiger, lang anhaltender Applaus dankte ihm. Überhaupt standen sich an diesem Abend nicht, wie so oft, Bürokraten, Intriganten oder Selbstdarsteller gegenüber, sondern die Hauptpersonen waren die Hauptpersonen. Künstler sprachen von ihrer Kunst, die Wellen auslöst, die sich fortpflanzen und eine Gesellschaft in Bewegung bringen können. Kunst hat mit Haltung zu tun. Alle schienen am Ende den Kopf etwas höher zu tragen.


Mittwoch, 17. Januar 2007

Köpfe verkopfen


Auch wenn sich nichts ändert, da gibt es ja noch das Wort zum neuen Jahr. Kulturpolitiker antworten im Stadtanzeiger. Die meisten ganz vernünftig. Sie meinen: So geht es nicht weiter. Es braucht mehr Förderung. Ja, so was! Das hätte auch früher einmal jemand sagen sollen. Mit einer Geldspritze soll jetzt eine erste Belebung versucht werden. Oder doch nicht?
Da ist doch noch der kulturpolitische Sprecher der SPD. H.-G. Bögner. Der antwortet auch. Der wählt immer so schöne Worte: Spitzenförderung, Kulturentwicklungsplan, Leuchtturmpolitik, Clusterbildung und natürlich 'Stärken stärken'. Toll. Das hat zwar mit der Wirklichkeit nichts zu tun, aber sei's drum.
Mehr Geld für Struktur, für Qualität und Vielfalt in Köln? Nein. Da muss Bögner sich schütteln. Das ist nicht der Plan. Es ist ja nicht so, dass er schon seit Jahren dafür wäre, nur noch drei Theater fördern zu lassen, weil die Mittel nicht reichen. Wenn jetzt mehr Mittel fließen, kann das nicht heißen, dass Andere auch etwas vom Kuchen bekommen. Da braucht es eine Idee. Da braucht es neue Worte. Starke Worte. Wie sagt man das jetzt? Welche Könner können? Wie soll man Worte werten? Er sagt Sagenhaftes: es gehe nicht nur um Stärken stärken, man müsse Mut haben: "Schwächen schwächen". Das ist das Gebot der Stunde. Pause. Nachdenken. Kopf kratzen. Aus dem Fenster schauen. Noch einmal lesen. Toll! Da muss man erst drauf kommen.
Schwächen schwächen - wie wäre es mit Kleine verkleinern, Schaffende abschaffen, oder einfach Köpfe köpfen. Das ist es! Das bringt Köln nach vorne.
Gute Nacht

Montag, 15. Januar 2007

Afrika mon amour


Der Weihnachtsfilme sind gerade geschafft, da drängt sich schon die nächste Film-Blase in Zeitlupe in unser Gemüt. Viereinhalb Stunden ZDF-Afrika. Riesenhimmel und Riesen-Synthi-Musik, die bombastisch über das Land ausgegossen wird, um Erhabenheit zu suggerieren. Das ist kein Kitsch, denn Iris Berben spielt! Die Kritische, die Couragierte! Von der Riefenstahl über die weiße Massai bis zur Berben sind es drei große Schritte. Wer ist der ihr Regisseur? Ihr Sohn. Und der lässt die Mutter laufen und laufen. Sie haucht und flüstert, keucht und weint sich durch den ganzen Film, durch den ganzen ersten Weltkrieg. Sie schreit kurz, wenn ihr Mann - Atzorn wieder einmal als der harte Lehrer Specht - wenn dieser Mann sie schlagen will, sie schaut bitter, weil Frauen rechtlos sind, sie schreit in Zeitlupe, wenn Soldaten durch die Luft fliegen, Blut spritzt, Feuerbälle aufgehen (Dank an eine Stunde Effekte, Pyrotechnik, Animation und Stunts), sie tränt, wenn sie Abschied nehmen muss vom Sohn, von Freunden, von Fremden, sie schreit und heult, wenn sie gehängt werden soll, wenn ihr eigener Sohn erschossen wird, der Sohn eines Freundes, der Sohn eines Fremden, ein Bankier, ihr Boy, ihr Mann... und so weiter und so weiter. Ihr Geliebter erleidet auch noch einen Kopfschuss, wird blind und sie flüstert ihm wie nah der afrikanische Himmel ist. Oh Himmel. Dazwischen dann die gehauchten Dialoge, nach dem Motto: die Menschheit ahnte immer schon, dass etwas gesagt werden muss, wenn ein Engländer eine Deutsche liebt, wenn sinnloses Töten um sich greift, wenn der Krieg brutal wird, wenn der Hass regiert, wenn guter Rat teuer ist. Nahaufnahmen von tränenden Gesichtern, zerschossenen Häusern, hängenden Schwarzen, blutigen Jacken und blauen Riesenhimmeln in 16:9. Ja das ist Africa, mon amour.
Eine Frau mit traurigem Gesicht, ein Mann im Bilderrahmen, der fällt, der Rahmen zerbricht, die Frau schaut sich um und lächelt: da kommt schon der nächste Typ in Zeitlupe: This is my life. Der Vorspann von "Rote Rosen" sagt fast dasselbe und ist viel kürzer.
Gute Nacht

Mittwoch, 3. Januar 2007

Hängt ihn höher


Jetzt sind sie also vorbei, die Feiertage. Die Sonne ist müde, der Winter schläft immer noch seinen Winterschlaf. Die Gesellschaft rasiert sich und schneidet sich die Haare, aber es bleiben Apathie und Furcht (vor einem Satz warmer Ohren, Arbeit, der Mehrwertssteuer, Klimaerwärmung, einem Satz neuer Reifen). Weit weit weg im nahen Osten ist ein Massenmörder gehenkt worden. Wir sind zwar gegen die Todesstrafe, aber in diesem Fall... nur etwas stört: Da bricht bei den Henkern im Irak offen aus, was bei Amerikanern oder Chinesen sonst unter einem Schwall von Worten über Gerechtigkeit oder Zivilisation begraben wird: Hinrichtung ist Rache, nicht mehr und nicht weniger. Hängt ihn höher! Ob Giftspritze oder Steinigung: Auf ins Mittelalter! Und das Foto-Handy nicht vergessen. Ein Opferfest jagt das nächste.
Huhn oder Ei?
Zugegeben, an Weihnachten ist Fernsehen am schwersten zu ertragen, da trübt sich der Blick bei so vielen verschwitzten Kitschfilmen. Die Hinrichtung des letzten Restes unseres Verstandes. Also lesen. Schau an, im Stadtanzeiger gibt es interessante Berichte und Analysen. Dort steht: Die politischen Magazine im Fernsehen verlieren dramatisch an Einschaltquote. Kein Wunder, denke ich. Apathie. Aber nicht nur. Scharfsinnig wird im Blatt analysiert, dass die verschobenen Anfangszeiten und die Selbstbeschneidungen die gefühlte Bedeutungslosigkeit vorgeben. Spielshow und Stadl sind eben wichtiger. Wer braucht noch Enthüllungen - außer wenn es um Dessous geht? Und das quittiert der Zuschauer. Der ist also doch nicht so dumm? Oder wie?
Nachdem die Kulturseite im Stadtanzeiger nur noch Kurzkritiken druckt, in denen es fast gar nichts mehr zu lesen gibt, fällt mir ein, dass auf jede Kritik an den Unzulänglichkeiten der Kulturseite von der Redaktion immer zu hören ist, die Leserquote sei eben dramatisch niedrig. Die Bedeutung der Kultur sei den Lesern nicht zu vermitteln, man müsse froh sein, dass es überhaupt noch eine Kulturseite gäbe. Die wenigen Leser begründen also die Selbstbeschneidung, die zu noch weniger Lesern führen, die zu Beschneidungen führen, die....
Da fällt mir die Kölner Kulturpolitik ein, so ganz im Allgemeinen...
Gute Nacht

Montag, 1. Januar 2007

2007

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.