Montag, 19. März 2007

Dachgedanken



Ein Blick über die Dächer. Dahinten steht der Dom. Davor steht die Severinskirche. Rechts einer von tausend Kränen. Davor sind Dächer. Darunter leben die vielfältigsten Menschen, essen schlechtes Essen, lesen dumme Zeitungen, hören süße Musik, laufen blind vom Sofa zur Küche und verfetten. Oder sie sind mager, saufen Bier aus Flaschen, starren in die Röhre und gehen uns allen auf die Nerven. In den Abstellkammern schreien sich kleine Kinder die Köpfe rot. Die Küchen werden ausgefegt werden, die Häuser stehen zum Abriss, die Zukunft ist verkauft, die Zeit verdünnt sich. Die Verwahrlosten werden umgesiedelt. Wir stehen im Weg. Zuviele schon. Uns bleibt der Dom, das muss reichen. Kulturhauptstadt. Wie immer. Schön.



Donnerstag, 15. März 2007

Doku Soap


Noch eine neue Doku-Soap im Fernsehen. "Die Gesundheitspolizei" kontrolliert, ob Fettsäcke, Raucher und dünnen Heringe auch frisches Obst im Haus haben, ob sie einen Imbiss einnehmen können ohne direkt an Doppel-Moppel, King-Size-Dick, Los Wochos oder Kentucky schreit denken zu müssen und - ob sie ihre notorisch schlechte Laune loswerden. Ohne Fritten. Vorschlag der Gesundheitspolizei: einmal ein Wohlfühl-Wochenende mit der Frau, ein romantisches Essen mit Kerzen und Liebesbriefchen. Ein bisschen Frieden, ein bisschen Aufmerksamkeit. So die Botschaft an den Mann. Der Mann lernt. Man beobachtet ihn mit der Kamera, wie er ein süßes Briefchen schreibt, in einer kritzelnden Kinderschrift, wie er Herzchen malt mit Filzstift, ganz langsam, die Zunge fest zwischen die Lippen gepresst. Erste Worte: "Hi, Schatzi, ...". Hier bleibt ein kurzer Aufschrei und die Erkenntnis: solche Sendungen machen mich krank.

Mittwoch, 14. März 2007

Hart


Wir haben hart am Wind und am Spaß gearbeitet. Der Text "Machen Frauen wirklich glücklich?" ist in zweiter Lesung siebzig Seiten leichter, angereichert mit vielen Frauen, mehreren Hochzeiten und manchem ratlosen Mann. Verstehen Sie nicht? Männer kriegen den Blues, Frauen kriegen eine Bluse. Verstehen Sie immer noch nicht? Dann müssen Sie noch etwas warten. Thomas Reis eröffnet das Comedy-Festival im Oktober und ist dann im November in seinem Stammhaus, dem TAS, zu sehen.

Montag, 5. März 2007

schwarzer Rauch



Schule und Theater. Es war eine gute Premiere von "Rhinocéros" in französischer Sprache. Die Arbeit im Thusnelda-Gymnasium Deutz hat Früchte getragen und großen Spaß gemacht.
Am Ende der Premierenfeier standen die Schülerinnen und Schüler um einen Flügel herum und sangen Beatles-Songs.

Sie waren zufrieden, vielleicht etwas stärker, etwas größer?
Für mich gab es an diesem Abend noch etwas Wein und eine Zigarette, das ging in der Schule nicht so gut. Selbst in meinem Stammlokal wird der Raum für guten, schwarzen Tabak immer enger. Sich selbst gewogen okkupieren die wenigen Nichtraucher die besten Tische. An der Theke drängen sich die Paffer mit den Tabakliebhabern Schulter an Schulter vor den Zapfhähnen. Bevor ich die die Stadt verlasse, um die Textfassung für ein neues Kabarett zu erstellen, wollte ich noch etwas Lustiges schreiben. Meine Liebste ist zu hause, ich vermisse sie, das ZDF sendet wieder einen übergroßen Fernsehfilm, diesmal über Flucht: pittoreskes Flüchtlingsgewimmel von Oben betrachtet und mit vielen Geigen untermalt. In einer angeschlossenen Diskussion sagt Herr Bahr das Gute sei, der Film zeige ausgewogen gute und schlechte Deutsche. So soll es sein. Gute uns schlechte Soldaten, gute und schlechte Nazis, gute und schlechte Flüchtlinge, gute Zeiten, schlechte Zeiten. So sind sie, die Deutschen, ausgewogen schwarz-geil-rot, die ausgewogensten Verlierer seit es Kriege gibt. Im ZDF gibt es immer mehr ausgewogene Tränensackfilme und immer weniger Raum für gute, schwarze Filme. Ich glaub, ich schreib nichts Lustiges mehr. Ich muss mir in der nächsten Woche zuviel Lustiges anhören. Unterhaltungskunst, Sie wissen schon. Bis dann. Es wird übrigens heißen: "Machen Frauen wirklich glücklich?"

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.