Sonntag, 11. November 2007

Denn wenn et Trömmelsche...


Die Musik, auch eine Musik, die Gott zu preisen versucht, eine gottesfürchtige Musik, bleibt einfach Musik. Und Musik ist komplexer, konkreter, einer realen Welt zugewandter, als eine Schrift, auch eine heilige, es je sein kann. Musik kommt aus der Welt, sie kommt von Menschen aus dieser Welt. Sie kommt aus ihrer Mitte, also hat sie eine Mitte. Sie ist greifbar und ergreift, sie kann mehr Ehrfurcht, Trauer, Liebe und Glaube wecken, als ein Gebot, ein Katechismus. Sie bringt Seelen zum schwingen. Sie bewegt Menschen und stimmt sie. Friedlich, melancholisch, froh. Natürlich, die Musik kann missbraucht werden, plattgemacht, vermatscht, verklatscht in Militärkapellen und Musikantenstadln. Das ist wahr. Seit Musik verkauft wird wie ein Stück Fleisch, werden wir gefüttert mit Samstagabend-Gammelfleisch-Shows und schon die Jüngsten überfressen sich an Gängsta-Burgern.
Aber lieber ein kleiner Schlager, als einfältige Reden. Lieber ein Karnevalslied, als Wortkaskaden über den Zorn Gottes, über Verderbtheit, Entartung, Säuberung, Gehorsam. Blast den Predigern den Marsch, trommelt den Heuchlern den Arsch, lasst Trompeten die Mauern zum Einsturz bringen, singt, bis die Fenstergläser springen.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.