Donnerstag, 25. Dezember 2008

Schöner Tag


Einpacken, auspacken. Die Kinder laufen herum, reden und freuen sich. Der Familienhund seufzt und schläft. Der Großvater schenkt Sekt ein und lächelt, die Großmutter will in der Küche in Ruhe arbeiten und serviert Kartoffeln, Sauce, Fleisch, es schmeckt. Pause. Der Vater liest, die Tochter liegt, der Hund schläft. Der Großvater macht Tee und lächelt. Alle trinken Tee nur einer trinkt Kaffee, der ist noch neu. Kuchen und reden. Der Hund wedelt mit dem Schwanz. Aufbruch. Ein schöner Tag ohne Probe, ohne Termine, ohne Fernsehen mit einer Familie, die zusammen ist.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Die Bibel


Zu Weihnachten laufen im Fernsehen die Filme die immer laufen und die Filme, die dem mit Gans, Schwein, Kuchen und Alkohol vollgestopften Zeitgenossen noch zusätzlichen Schweiß auf die Stirn treiben. Pferde, lachende Räuber, singende Kostüme, sinkende Riesenschiffe mit Frauenchor, Geigen, Bläser, das volle Lärmprogramm von Schüssen bis Explosionen und schließlich die Blicke und Blicke und das Ringetauschen und die Tränen und die Intrigen vor wilden Meeren und Landhäusern im Grünen. Nichts zu machen.
Der Gipfel aber zu später Stunde auf RTL. Wo sonst. Die Bibel, weniger geht nicht. Und die ganze Bibel rollt nicht mit Zwanzigtausend Komparsen und einem Sandalenträger auf uns zu, das ginge ja noch, sondern in Gestalt von Ben Becker.
Ben Becker, der Durchgeknallte, liest mit zitternder, von Rauch und Alkohol verwöhnter, bedeutungsschwangerer Stimme, mit Schweiß auf der Stirn, unter Videospielereien und begleitet von einem riesigen, bedeutungsschwangeren Orchester mit Geigen, Bläsern und vollem Programm - die Bibel. Das Orchester schwillt an wenn Becker eine bedeutungsschwangere Pause macht und es raunt wenn Becker wieder anschwillt, heiser weiter dräut und malt und auf alle Tuben drückt. Also, Ben Becker ist kein guter Schauspieler und auch kein Kinski, nur ein Schmierenkomödiant, der den wilden Mann markiert.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

glauben und wissen


Am Abend vor den Fernseher sinken. Gleich werfe ich mit Mandarinen. Thema Wunderheiler. Heute Morgen wiederholt. Gaanz ruhig, ich nehme ein Placebo, zünde eine Kerze an und schaue zu. Ein Versuch ist zu sehen: Ein Mann steckt einer Blondine so genannte Ohrenkerzen in die Ohren. Der Mann trägt auf seinem Shirt Reebock, Geißbock, taxofit. Die Blondine trägt nur eine Bluse und ist ganz auf Empfindung ausgerichtet. Der Mann zündet die Ohrenkerzen in der Blondine an und die richtet ihren Oberkörper auf und meint es fühle sich an, als ginge ein Luftzug durch ihren Kopf. Oh ja.

Eine witzelt: Wenn die Ärzte streiken, wird weniger gestorben. Vielleicht kann diese Selbst-Hypnose, dieses Glauben tatsächlich Selbstheilung in Gang setzen. In der Runde sitzt auch ein Wissenschaftler, der auf gar keinen Fall an Handauflegen glauben will, es gehe um Wissen und Wissenschaft. Jawoll! Aber natürlich glaubt er an die Wunder Jesu. Das sei etwas anderes. Moment mal...

Dann sagt einer aus der Runde zum Thema "Glauben und wissen", der Liebe seiner Frau könne er sich nie gewiss sein. Schön gesagt. Warum er das nicht wissen könne, spottet sein Nachbar, weil, sagt der erste, eine bestimmte Region seines Gehirns nicht mit dem Gift der Religion verseucht sei. Das sei doch ein Argument aus dem 19. Jahrhundert, giftet der Nachbar. Moment mal...

Ach, ich will nichts mehr wissen. Jetzt geh's loos! Weihnachtsbaum, Geschenke, Kaffee trinken, weiter gehen. Grüße versenden, ins Theater, Leute treffen, hinsetzen, quatschen, umarmen, sich freuen, aufpassen, zusehen, planen, besuchen, sich besuchen lassen, irgendwo hingehen und abends erschöpft vor den Fernseher sinken. Einen Film sehen. Der kleine Lord. Festtage eben.

Montag, 15. Dezember 2008

Entschuldigung


Der Regisseur entschuldigt sich in einem Interview, dass sein Film nicht experimentell sei. Er habe sich einfach bemüht, so nah wie möglich an der Vorlage zu bleiben.
Müssen sich heute schon diejenigen entschuldigen, die das Selbstverständliche tun? Auch im Theater herrscht schon lange die theaterblutige Diktatur der 'Experimentierer'. Wie immer - diese Herrschaft wird von Einfältigen und Zwergen ausgeübt und von ihren medialen Erfüllungsgehilfen. Und wir müssen uns entschuldigen, wenn wir einfach versuchen Theater spielen.
Theater ist immer ein Versuch, immer ein Experiment, das ist das Wesen des Theaterspielens. Wie war das mit dem weißen Schimmel? Ein 'Experimentierer' versteht das nicht. Der versteht auch kein Stück. Das muss erst zerlegt und mit Eigentexten angereichert werden. Für die 'Experimentierer' ist das Experiment Selbstzweck, Selbstbefriedigung. Ein bisschen Video, ein bisschen Blut, Schleim, Farbe, ausziehen, schreien, kriechen - fertig ist das Experiment. Und das Feuilleton darf jede Zuckung mit großen Worten in Grund und Boden interpretieren und die Zwerge in den Jurys und Ämtern können sich endlich in Verzückung verstört zeigen und kaum verbergen, dass sie von nichts eine Ahnung haben. Einfach ein Stück spielen, einfach einen Film drehen, eine Geschichte verstehen und erzählen, nicht so einfach heutzutage.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Spuren


Himmel aus Blei. Kopf nicht gerade aufgeräumt. Aber immer noch ein Nachklang von unserem Fest und der wunderbar geschriebenen Kritik zu "Kafkas Welten". Menschen hinterlassen Spuren, Erinnerungen. Theater hinterlässt Spuren. Gestern Abend hat eine sehr netten Theatergruppe in einer Schulaula einige Szenen des "eingebildeten Kranken" auf französisch versucht. Mit Freude beim Spiel, manchmal schüchtern, manchmal unbändig. Und nach ein paar Handgriffen stehn und gehen die Schülerinnen und Schüler anders auf der Bühne. Schön zu sehen.

Montag, 8. Dezember 2008

Das Fest


Das letzte Fest lag schon 10 Jahre zurück und dann gab es am Sonntag - nach der umjubelten, „fulminanten Uraufführung“ von Kafkas Welten - noch einen großen Tag.
Zugegeben, schon lange nicht mehr gab es einen solchen Augenblick des Durchatmens und der Freude. Einen Moment zurücklehnen und betrachten, was geleistet worden ist. Und sehen, dass wir gesehen worden sind, unsere Künstler, unsere Stücke, unser Haus.
Eine große Anzahl geladener und Überraschungs-Gäste feierte mit uns. Durch das Programm der Matinée führte Patricia Wolf, die mit Charme und Eleganz die verschiedenen Seiten der Geschichte des Theaters aufblätterte.

Es wurde gesungen und gespielt. Zuerst gab es ZINNOBER. Das Trio präsentierte nach langer Pause mit der „Poesie der leisen Töne“ den Auftakt zu einem Reigen kleiner Szenen aus einer Geschichte des Spiels, der Sprache und des Vergnügens. Einer Geschichte besonderer und viel beachteter Inszenierungen von „Das Fest“ über „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ bis zu „Lieblingsmenschen“, sowie den Uraufführungen „Fritz“ und „Kafkas Welten“.

Bürgermeisterin Angela Spizig hielt für die Stadt Köln ein sehr persönliches und warmherziges Grußwort, sie gehörte von Beginn an zu den Stammgästen des „Sachsenring“. Frau Spizig wünschte dem Theater Kraft und Mut.

Oliver Durek (Theater am Dom) vom Vorstand der Kölner Theaterkonferenz, blickte zurück. In bewegender Weise erinnerte er an die gemeinsamen Kämpfe für die Kultur in Köln. In den viereinhalb Jahren gemeinsamer Vorstandsarbeit wurde unter anderem die Kölner Theaternacht ins Leben gerufen. Er würdigte die kulturpolitische wie auch die künstlerische Arbeit und wandte sich schließlich an seinen Freund und Kollegen mit den Worten: "Hinter Dir liegen die Mühen der Gebirge, vor Dir liegen die Mühen der Ebene".
Ja, so ist es.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Doch


Heute Kafka im Theater. Uraufführung von Kafkas Welten! Uns schon wird's absurd. Der WDR macht keinen Tipp mit der Begründung, Kafka sei zu schwer, es gebe nur Tipps für das breite Publikum. Herr Reich-Ranicki, wie war das noch? Und eine Jury ruft an und sagt, das sei doch sicher kein Theaterstück. Oder?
Tja, tut mir ja leid. Es ist ein Theaterstück, es gibt viel zu sehen, es ist witzig, es gibt viel zu lachen, vielleicht etwas zu fürchten? Der Text ist tatsächlich von Kafka, Wort für Wort, ohne Bush-Rede, aber mit Überraschungen. Es wird gespielt. Ein Zuschauer braucht seine fünf Sinne und sollte Vorurteile, Schubladen und die allgemeine germanistische Interpretationssucht an der Gardrobe abgeben. Ist Ihnen das klar? Na, dann viel Vergnügen.

Freitag, 28. November 2008

Bambi


Lange nichts geschrieben. Mitten in Proben. Kopf ist voll mit den Welten des Franz Kafka. Bald Premiere. Gewaltphantasien.
Was verpasst? Große Kultur. Blöder Bambi. So heruntergekommen, dass Agenturen nur noch bitten müssen - Piepsblondchen macht neue Platte, cooler Junge neuen Film - und schon bekommt jeder ein Reh nachgeworfen. Britney ("Oops!"), macht neue Platte, Keanu Reeves, Schauspieler der Superzeitlupe, neuen Film ("Its not an Oscar, it's a Bambi"), Meg Ryan auch neuen Film... Dann fehlen nur noch unsere Laudatoren, die sich vor den "internationalen Stars" in den Staub werfen, oder Superstars wie Stefan Raab, der wie immer labert und witzig sein will und den keiner versteht: "Danke Mama, danke Uschi Glas", Uschi Glas schüttelt den Kopf. Ich auch, über beide. Baumarkt-Krüger ist auch da und Franjo und Verona. Gewaltphantasien. Gleich ins Theater. Die letzte Zuflucht.
Tschö

Mittwoch, 5. November 2008

Obama


Ein intelligenter Mensch an der politischen Spitze Amerikas. Na also, geht doch.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Fernsehcrash Nachschlag


Die Diskussion über 'Blödsinn' und 'Schwachsinn' im Fernsehen, über Unterhaltung, die mehr sein sollte als Herrenwitze und Lachen vom Band, diese Diskussion hat überhaupt einen interessanten Nebeneffekt. Ich kann kaum mehr Blödsinn unbefangen ansehen, ohne 'Blödsinn' zu denken. Ich sehe die komischen Menschen, die in jeder Talkshow sitzen um Werbung für ihre komischen Bücher und ihre komischen Programme und ihre komischen Sendungen zu machen, und ich sehe die komischen Gesichter und denke: Ja. Reich-Ranicky hat Recht. Deformationen. Nichts kann gesendet oder gesagt werden, ohne dass Komiker nicht Mund und Augen aufreißen - und noch einen 'draufsetzen' müssen. Zwangsneurotiker. Nach dem Fußball, nach der Show, im Talk.
Kein Wort über Mario Barth, nicht noch eins über Atze Schröder, aber eins über Ralf Schmitz (RTL), der aus gegebenem Anlass in einem Talk von der Fernsehpreisverleihung erzählt. Und er macht ein komisches Gesicht und erzählt dass, während RR den Preis ablehnte, sie, die Komiker, hinter der Bühne standen und so was von lachen mussten, weil er, RR, den Blödsinn nicht mehr ertragen konnte. Sie lachten, und Schmitz, der das erzählt, kann das Lachen nicht mehr halten. Er lacht und lacht und lacht ......

Samstag, 18. Oktober 2008

Fernsehcrash


Viele haben das Fernsehen schon kritisiert, "aber nach hause gegangen bist nur Du" sagt Gottschalk, der Marcel Reich-Ranicky "aus gegebenem Anlass" im Fernsehen befragt, der wiederum nichts bedauert, zu später Stunde und nichts zurücknimmt, nachdem er den "Fernsehpreis" für sein "Lebenswerk" oder das "Literarische Quartett" - oder was auch immer - zurück gewiesen hat, weil er sich im Rahmen einer furchtbaren Veranstaltung (in Köln, wo sonst), im Rahmen von soviel 'Blödsinn' nicht zu hause fühlte. Das, was er zu sehen bekam, fand er "scheußlich, abscheulich". Köche auf der Bühne, Atze Schröder, Peinlichkeiten und dümmliche Reden. Eben so furchtbar wie immer.
Viele denken so wie RR, aber nur er ist gegangen. Die anderen blieben, auch die intelligenten Leute. Was ist passiert? "Ja", antwortet RR, "man sagt irgendeine Banalität, die eigentlich jeder sagen könnte, aber niemand beweist den Mut oder die Lust, das zu sagen." Hoppla. Gottschalk erinnert an die Zwänge, Fernsehen für die Mehrheit des Publikums zu machen, das abschaltet, wenn es seriös wird und zuschaltet wenn ein Ausschnitt an Haut zu sehen ist. Das sei nun einmal so, man könne die Leute nicht ändern.
"Die Intendanten würden gerne intelligentes Fernsehen sehen, aber sie würden es nicht machen, weil dann keiner mehr zusieht", sagt Gottschalk. "Es gibt einfach Menschen, die sind einfach nicht gebildet genug, gewissen Programmen folgen zu können, sollen wir die einfach außen vor lassen?"

Und das ist das Problem. Seit Jahrzehnten trabt das Fernsehen der galloppierenden Dummheit hinterher, mit Tele-Novelas, Kitschfilmen, Boulevardmagazinen, Sternchen-Hysterie, Klatsch-Knall-Stadl und Comedy, nur um Quote zu machen, nur um die privaten Dummbeutel-Kanäle noch zu überholen, nur um zu beweisen: Wir haben keine Geduld mit dem Zuschauer. Er ist dumm und er wird dumm bleiben und wir machen Fernsehen für ihn und auch und gerade und vor allem für sie. Und das alles von morgens bis abends und von Gebührengeldern. Von unseren Gebührengeldern.
"Unterhaltung mit Niveau", fordert RR. Eigentlich ganz einfach. Was aber sehen wir? Richter, Lichter, Lafer, Shopping, Eso, Astro. Entschuldigung, aber nicht alle sind dumm, nein, wirklich nicht! Und nicht alle sind tätowierte Prolls oder sprachunfähige Muttis. Lasst doch die Debilen ihren Silbereisen sehen und die Romantiksüchtigen ihre Lindström - aber: Sie sollen zahlen. Sie müssen zahlen. Zahlen für alles. Für den Doppel-Cheesburger, die Haartönung, die Nasenverkleinerung und eben auch die Hirnamputation, für Stöhnen gibt es schon Sonderkanäle, also schafft Kanäle für schief singen, dumm schwätzen, sich aufpumpen und platzen, auf einem, zwei, vielen Bezahlkanälen, auf Sonderkanälen, die wir nicht mehr ertragen müssen. Wir können dann in Ruhe, ohne Werbeunterbrechung, einen Film von Truffaut, eine Kulturzeit, einen Tati, einen Monty Python, eine Shakespeare sehen, uns amüsieren, ruhig schlafen gehen und das alles endlich für normal halten.
Ein Leben in Frieden und Freiheit.

Gute Nacht

Montag, 6. Oktober 2008

Finanzcrash


Hypo, Supi Dupi! Real Estate, ja, das real existierende Geld ist wie der real existierende Sozialismus nicht vorhanden. Prima Klima für uns Manager. Wir haben nichts gewusst. Aber wir werden gestützt. Wir sind so satt dass uns schlecht wird, gebt uns Medizin. Ihr seid so doof, da helfen keine Pillen. Euch kann man das Fell mehrmals über die Ohren ziehen. Viel Spaß mit Hartz IV! Wir haben unsere Nutten, Schmiergelder, gekaufte Politiker, alles was wir brauchen. Werbesendung für die Börse. Geld futsch? Selber Schuld. Her mit der Abfindung. Holla, bloß keine Vorurteile, Kapitalismuskritik ist nicht mehr. Wir haben gewonnen.
Der Finanzmarkt kracht in sich zusammen und die eine Frage taucht auf: Warum? In regelmäßigen Abständen. Experten haben das schon vor Jahren beantwortet und analysiert, beschrieben und prognostiziert, Marxisten vor Jahrzehnten erklärt. Es passiert trotzdem immer wieder. Aber keine Sorge, unsere Politiker haben jetzt die Lösung: Wir brauchen Regeln.
"Wir brauchen eine Bankenaufsicht". Komisch, ich dachte die hätten wir schon gehabt. Waren das nicht die, die nicht gemerkt haben, dass 300 Millionen Euro auf ein Konto überwiesen wurde, das es schon gar nicht mehr gab? Wurden nicht unter Oberaufsicht durch eine Online-Transaktion von Nullen und Einsen eine Drei mit vielen Nullen zu einer großen Null, zu einem Nichts? Wo ist eigentlich das Geld geblieben? Wurde es durch einen elektrischen Impuls in ein schwarzes Loch gesogen, gab es dieses Geld überhaupt irgendwann? Kann man Weizen zu Brot machen, oder doch nur zu Geld? Wer sitzt in Zukunft in den brandneuen Aufsichtsgremien? Andere Schlafmützen? Oder die gleichen Waffenschieber, Spekulanten und geldgeilen 'Macher' wie bisher?
Die neuen Aufsichtsbeamten sollen, so heißt es, mit einem Fünfzigmilliarden-Paket Sicherheit schaffen, sie werden die Fassade wieder aufrichten und verputzen, die ganze Blase Geld, die vielen vielen Nullen auf ein Konto überweisen, das vielleicht Geld aufnimmt, sie werden die gierigen, korrupten Banker beaufsichtigen und, wenn nötig auch bestrafen, sie werden die Spekulanten davon überzeugen, dass es unmoralisch ist mit Nahrungsmitteln zu spekulieren, oder Betonklötze in die Natur zu bauen, um die leerstehenden Wohnanlagen dann als Anlageobjekte zu verkaufen, ohne dass jemand darin wohnt, sie werden eindringlich, ja nachhaltig darauf hinweisen, dass Geld Gegenwert braucht und dass die Banker nicht so gierig sein sollen. Dann werden die Türen geschlossen und es wird kräftig gelacht. Und irgend etwas kracht im Gebälk. Und die Berater in der Beraterbank spielen ein bisschen am Computer, während ein Hubschrauber irgendwo Brot abwirft, auf ein Land, das es bald nicht mehr gibt. Crash!
Wir haben gewonnen.

Gute Nacht

Dienstag, 23. September 2008

arte


Die wichtigsten Dramatiker auf arte. Eine Serie über die großen Theatermacher. Schön. Schön? Wir ahnen es schon. Es wird wie immer. Fernsehen. Simpel. Aktualisiert. Dumm. Wir sehen in billigen Doku-Szenen billige Schauspieler, einer spielt den Shakespeare als Immobilien-Schnösel im Anzug mit Aktenköfferchen. So also gründete er das 'Globe'. Wir sehen Molière in Sandalen wie er Grimassen schneidet. Wir sehen Mädchen, die glockenhell lachen und in wallenden Gewändern mit ihm in einem alten VW-Bus durch die Lande gondeln, aha, fahrendes Volk, arme Künstler, aha, freie Liebe. Ja, das Publikum ist wirklich so dumm. Ich hatte mich auch auf den ZDF-Theaterkanal gefreut, seinerzeit. Und heute? Was wird gesendet? 'Erkennen Sie die Melodie?', 'Disco 72' mit dem unerträglichen Ilia Richter, André Rieu und sein durchgeknalltes Puffärmelorchester... Theater? Das gibt es ja noch nicht einmal mehr auf der Bühne, oder?

Gute Nacht

Dienstag, 9. September 2008

Nach vorne schauen!


"Wir müssen jetzt nach vorne sehen". Sagt jeder in der SPD. Jetzt geht das dämliche Fußballtrainergelaber wieder los. Immer wenn das Spiel verloren, das Kinde in den Brunnen gefallen ist, der Vorsitzende durch den Hinterausgang flüchtet, immer wenn die Panzer schon im Lande stehen, die Menschen verjagt sind, tritt irgend ein Idiot vor die Kamera und sagt: "Wir müssen jetzt nach vorne schauen". Weil vorher nichts getan wurde, weil alle schwiegen und nach vorne in die Kamera schauten, weil alles laufen gelassen wurde, weil die Intriganten ihre Fallen ungestört auslegen durften. Leise treten, das Unglück nicht beschreien. Und dann sagen: "Nur nicht nachtreten, unterhaken." Keine Haltung, keine Verbundenheit, bloß keinen Konflikt offen austragen, das schadet, darum steht man jetzt vor einem Scherbenhaufen und schaut nach vorne. Jetzt heißt es loyal sein gegenüber dem Polit-Barometer, der Einschaltquote, den Umfragen, den Gesichtslosen, den Mächtigen, gegenüber denen, die mit diplomatischen Erklärungen und Kanonen alle daran hindern wollen den Kopf zu drehen, bloß nicht zurückschauen, erkennen wo die Ursachen, der Grund oder gar der Hintergrund liegen. Wir frieren in einer Gegenwart ein, die keine Herkunft, keine Geschichte mehr kennt, unwissend, nur noch einen kleinen, den kleinsten Schritt im Blick. Von Spiel zu Spiel denken - bis zum Abstieg. Von Umfrage zu Umfrage schauen - bis zur Gesinnungslosigkeit. Von Krieg zu Krieg verharren - bis zum Untergang. Wundert uns noch, wenn Jugendliche meinen, die DDR sei demokratisch gewesen, Honnecker Bundeskanzler und eine Stunde bestünde aus 45 Minuten? Lachen Sie nicht und merken Sie sich: "Wir müssen immer nur nach vorne schauen"?

Freitag, 5. September 2008

USA: Republikanischer Parteitag


Diese Vizekandidatin in Amerika beim Parteitag der Elefanten - na, Sie wissen schon - die hat einen Knall. Nein, nicht wegen ihrer Tochter, die minderjährig schwanger ist - Doppelmoral war schon immer die herausragendste Eigenschaft aller Reaktionäre - na, Sie wissen schon - nein, auch nicht weil sie für den Krieg im Irak ist, das war Bush auch, der wie im freien Theater, als Video auf die Bühne kam - na, Sie wissen schon - nein, sie hält diesen Krieg für Gottgewollt. Na, Sie wissen schon! Und da ist sie nicht die erste. Kreuzzug, heiliger Krieg, wie auch immer. Heilige Einfalt. Na, Sie wissen schon.

Freitag, 29. August 2008

Ich werde es vergessen


Scholl-Latour nuschelt sich durch die Talk-Shows. Das heißt: In der Welt ist nicht alles zum Besten bestellt. Obama spricht im Stadion. Der FC spielt im Stadion. Alles 1:1. Russische Panzer rollen in fremden Ländern, Hilferufe kommen auf Befehl, die Armee zieht ab, verschwindet aber nicht, die Banken ziehen ab, das Geld aber versickert in schwarzen Kanälen, Protestanten werden ausgewiesen, Aktienpakete gehen auf Reisen, Daten kursieren.
Bei uns im Theater hat es angefangen. Zum zweiundzwanzigsten Mal. Zu Beginn keine gedopte Premiere, sondern eine gute, alte Komödie mit echten Schauspielern und echtem Spaß und einem beglückten Publikum. Ohne falsche Bescheidenheit: Es war eine glänzende Spielzeiteröfnung. Gong!

Freitag, 15. August 2008

Lifestyle


In Köln gibt es ein Hochglanzmagazin namens 'City-Magazin'. Der Chefredakteur, Herr Gross, schreibt ein Editorial. Die Zwischenüberschriften: Latin Lover mit Knack-Po.Ausschnitt: "Wichtig ist für Agrippinas Töchter, dass ihr Lover einen knackigen Po hat, auf die Größe seines 'besten Stücks' schielen sie zunächst mal weniger..." Das hat eine Untersuchung ergeben. Die Frage ist, braucht es eine Untersuchung, um zu wissen, ob der 'Chefredakteur' Tatoos, oder Sonnenbrille und Goldkettchen trägt, oder ist es einfach eins der Computerprogramme für das kleinste gemeinsame Dummschwätzen mit permanentem Augenzwinkern und Po-Zwicken?
Weiter gehts: Ist Claudia der Anti-Typ? Keine Frage: Boutique, blond, Oberweite, Sonnenbrille, City-Lage. Also: "Bei allen In-Treffs ist Claudia wie 4711 - immer dabei." Gemeint ist die Ex-Nervensäge von Howie Carpendale. Und hier die letzte Zwischenüberschrift: Shop till you drop. Es folgen Begriffe wie 'Fashion-Viertel', 'Boom-Region', 'Seh-Leute' und Sätze wie 'Die City erfindet sich mal wieder neu'. Kleinen Moment, ich schalt doch lieber den Fernseher ein.

Donnerstag, 14. August 2008

Casting

Als das kleine, süße, chinesische Mädchen bei der Eröffnungsfeier der Olympiade in Beijing vor einem Milliardenpublikum das süße Mäulchen so besonders weit aufriss, während dieses Lied über das Vaterland aus ihr hervorquoll, so hell und honigfarben, als sie sang, mit den fest an den Leib gepressten Ärmchen, mit dem herzförmigen Gesicht, mit dem schwingenden, schwarzen Zopf, da dachte ich für einen Moment, da stimmt doch etwas nicht. Und dann dachte ich: jetzt siehst du schon Gespenster. Es ist nur ein Kind, das schön singt. Anders als in den deutschen Fernsehshows mit Michael Schanze - wir erinnern uns - die Vorführung der von ihren Spießereltern geschickten kleinen Wesen, der ungeschickt quäkenden, stammelnden, gequälten Kinder, das ist lange her, auch die Mini-Playback-Show bei RTL, die Animationsshow für den nächsten Thailand-Besuch, die Show mit den geschminkten Kindern im Minirock, auch sie ist lange abgesetzt. Saubere Spiele und ein sauberes, kleines, süßes, singendes Kind in China. Schön.
die Stimme OlympiasUnd heute erfährt die Welt, wir haben tatsächlich ein Gespenst gesehen, wirklich: es stimmte etwas nicht. Das Kindermäulchen war doch zu weit aufgerissen und die Unregelmäßigkeiten der Lippenbewegungen waren keine Zeitverzögerung in der Übertragung. Das Kind, das sang (links im Bild), war nicht zu sehen, es war von Parteifunktionären gecastet worden, aber es war nicht hübsch genug. Also wurde noch ein herziges Gesichtchen gecastet. Und so entstand die neue Mini-Playback-Show.

Dieser Schwimmer, der Phelbs, dieser Muster-Ami, dieses Testosteron-Paket, der steigt aus dem Wasser, brüllt, reckt die Fäuste, nachdem er jeden Weltrekord einfach über den Haufen geschwommen hat, aber was schwimmt da im Wasser, welches Ding aus welcher Welt - Phelbs - was für eine Spezies ist das - wenn es vor den vielen Kameras und Mikrofonen auftaucht? Nein, das geht jetzt wirklich zu weit. Was hat das mit dem Kind zu tun? Nichts.

Montag, 11. August 2008

Telenovelas


Ich kann mich noch an Berichte erinnern, vor vielen Jahren, die amüsiert und entsetzt über ein Phänomen aus Brasilien berichteten. Dort, weit weit weg, saßen Hausfrauen auf Sofas und schauten Tag für Tag abgefilmte Fotoromane, die gute Blonde, der schnöselige Schönling aus gutem Hause, die böse Schwiegermutter und so weiter. Die Berichte rechneten dieses Billigfernsehen zu den Kuriositäten der dritten Welt (die Armen brauchen Trost in der Armut), oder zum fortschreitenden Verfall der Mediengesellschaft. Hier jedenfalls, in der zivilisierten Welt, undenkbar.
Gut, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Geiste von Qualitätsfernsehen in unseren Breiten standhaft geblieben ist. Hier. In Deutschland. In ARD und ZDF.

Sonntag, 10. August 2008

Profil? Nie wieder


Früher hieß die 12-Uhr-Sendung im Fernsehen noch Internationaler Frühschoppen mit sechs Journalisten aus fünf Ländern, man trank Wein, rauchte und debattierte über Gott und die Welt.
Heutzutage heißt das Ganze 'Presseclub', alles ist kühl und sauber und es diskutieren fünf Journalisten aus einem Land über die SPD (siehe unten). Aber es geht nicht nur um die eine Partei. Einer sagt: es gibt keine Inhalte, eine andere: es wird gelogen, wieder eine andere: es gibt zu wenig Politiker mit Profil. - Zu wenige? Wie soll denn ein Mensch mit Profil, mit Haltung, mit einer lebendigen Sprache oder beweglichen Gesichtszügen jemals sauber und unverletzt durch die schlammigen Kanäle einer Partei schlüpfen, an den Spießen der Intriganten, an den Heckenschützen von Unfähigkeit und Dummheit vorbei? Niemals. Deshalb sieht die politische Klasse so aus wie sie aussieht, deshalb glaubt die Mehrheit der Deutschen nicht mehr an Demokratie, deshalb sind Menschen, die noch denken wollen, traurig und allein.
Politik ist einfach eine große Casting-Show geworden. Bis ein Krieg Hilfe braucht, bis wieder ein Konzern das Land verlässt, Traditionsbetriebe Konkurs anmelden, bis man plötzlich begreift, dass die meisten Schüler nicht mehr sprechen können. Dann staunen wir, dann biegen sich die Politiker hilflos im Sommerwind. Hin und her. Bis der Sommer zu Ende geht und sich Stürme ankündigen.

Freitag, 8. August 2008

Wie seht ihr aus?


Gestern und heute
Ach du lieber Gott, heute ist ja dieses Glücksdatum. Also gut, es regnet. Georgien und Russland fangen Krieg an. Und, ach ja, die Olympiade ist eröffnet worden, als Massenspektakel, wie die neue Kulturrevolution, in Peking, bloß ohne Mao. Massen und Computersimulation. Wäre doch schön gewesen, wenn Mao als Fackelträger in wehendem Mantel durch die Lüfte geschwebt wäre, mit weitausladenden Zeitlupenschritten, und über dem Stadion die große Flamme entzündet hätte. Aber die Weicheier von der Kommunistischen Partei lassen lieber Kinder und weiß gewandete Mädchen singen.
Brücken bauen
Kein Weichei ist Clement (immer noch SPD), der sich für eine Pressekonferenz braun gebrannt im offenen Hemd vom Rad schwingt und sich kurz entschuldigt. Um dann, peng-klatsch, Ohrfeigen zu verteilen an die blöden SPD-Weiber in Hessen und NRW. Und in die Mikrophone bellt, keine Energiepolitik ohne Atom und ohne Kohle, sonst tausende von Arbeitsplätzen weg... na ja, die ganzen Phrasen aus den 70er Jahren eben. Und alle Sozialdemokraten jubeln: Er macht einen Schritt auf uns zu! Dann sagt der Clement noch: Ich sehe zwar nicht so aus, aber ich bin Sozialdemokrat. Doch, Schnösel, du siehst genau so aus.
Wie seht ihr aus?
Und der Beck sieht auch genau so aus wie die alten, dicken, bärtigen Sozialdemokraten aus den 70ern, nur geschlagener, und unsere alten SPD-Wachsgesichter aus Köln, Heugel und Rüther, werden wegen Bestechlichkeit verurteilt, weil sie den Eindruck erweckt hätten, sie seien bestechlich. Ja den Eindruck haben sie gemacht. Immer schon.
Beliebt
Und der Steinmeier, der Schröder- und Clement-Freund, diese Amöbe im Anzug ist auf seltsame Weise eine Mischung aus Heugel, Beck, Schröder und Clement, so durchschnittlich gesichts- und rückratlos, so einen muss man einfach mögen, an den Stammtischen und beim Kaffeekränzchen und bei den Bonzen mit Stallgeruch auch, er ist die fleischgewordene SPD. Also wirklich ein guter Kandidat für die SPD, oder die CDU, oder die Linken, die so aussehen, als würden sich Heugel, Schröder und Steinmeier im Zerrspiegel betrachten.
Einer für alle
Nein, nicht für alle. Man sollte sich als einzelner Deutscher nicht nach Guantanamo verirren. Wenn die Amerikaner einen dann zurückschicken wollen, sagt der Steinmeier, wenn er Außenminister ist: nein. Und später, vor einem Untersuchungsausschuss, kann er sich an nichts erinnern. Und später, zur Erklärung, sagt er: Die Zeiten waren eben so. Es ging um den Terrorismus, nicht um den einzelnen Menschen. Gut gesagt. Dann wirst du eben noch ein paar Jahre länger gefoltert. Sorry.
Nochmal Vesper
Und dem Vesper, unserem Olympia-Kasper, geht um den Sport, nicht um ein paar gesperrte Internet-Seiten. In Deutschland würden auch Seiten gesperrt, von Rechtsextremisten. Dann sagt er, so habe er das nicht gemeint.
Die Beiden würde selbst der Clement wählen. Was das mit Kultur zu tun hat? Nichts.

Samstag, 2. August 2008

Wochenrückblick


Hau ab!
brüllt ein Fluggast am Schalter, mittlerweile wurde die Szene dreiundsechzig Mal im Fernsehen wiederholt. Und er brüllt weiter: "Ihr seid Gift, ihr seid Gift!" Endlich ist mal wieder was los, möchte man meinen. Aber, weit gefehlt. Er hätte lieber mitleidig lächeln und leise sagen sollen: "Ihr seid doof". Es ging um einen Streik des Personals gegen die Lufthansa. Wieder Gelegenheit für Gewerkschaftsbosse sehr sehr große Forderungen zu erheben, um dann mit einem winzig kleinen Kompromisschen in den Urlaub zu fliegen. Schließlich geht es um Medien-Präsenz und Macht für die ver.di Bosse, was sonst. Das arme Streik-Personal sieht in seinen beschrifteten Umhängerchen aus wie die Müllabfuhr an Karneval, und auch die ewig doofen Trillerpfeifen und Rasselchen dürfen mal wieder nicht fehlen. Klassenkampf sah früher mal anders aus.
Verwunderte Bewunderung für den an sonsten so bewegungsunfähigen 1.FC Köln. Der Club hat einen neuen Geißbock, einen echten (Gott sei Dank nicht eins der vielen Fluschel-Flausch-Riesenkopf-Lustig-Quietsch-Werbefiguren-Maskottchen wie Hertha oder Leverkusen), nein, Hennes den XIII. Gratulation zur Verpflichtung eines Weltstars, nicht Poldi, der wird von den Bayern gefesselt, sondern Petit, der Kapitän von Benfica Lissabon, Nationalspieler, Ballkünstler, offensives Mittelfeld, wow. Ich bin beeindruckt. Das Testspiel gegen den Zweitligisten Duisburg endete 1:1. Wow.
Paul Potts, nicht der kambodschanische Massenmörder, sondern der einfache Handy-Verkäufer aus England macht Werbung für Medien und ihre Anbieter. Es war mal Zeit für eine neue Tellerwäscher-Geschichte: Handy-Verkäufer singt die eine bekannte Opernschnulze, die alle kennen und alle singen, der blinde Bocelli, der Pavarotti und alle anderen, er nutzt seine Chance, das Publikum weint.
Dann wird der Loser ein Gewinner, die Medien berichten, nach dem dreiundsechzigsten Bericht auf allen Kanälen macht ein Handy-Anbieter einen Werbespot: Handy-Verkäufer singt die eine bekannte Opernschnulze vor einer überraschten Jury und einem weinenden Publikum und gewinnt das Casting und die Herzen. Der Spot wird sechzigtausenddreihundert Mal ausgestrahlt.
Millionen sehen den Handy-Verkäufer, der die eine bekannte Opernschnulze singt und das Casting gewinnt. Dann machen die Medien Berichte über den Erfolg eines Werbespots, der einen Handy-Verkäufer zeigt, der die eine bekannte Opernschnulze singt vor einer überraschten Jury und einem weinenden Publikum, das millionenfach vor den Displays und Bildschirmen der Welt sitzt und allen kommen die Tränen über den armen Handy-Verkäufer, der......


Übrigens, ein serbischer Psychiater, der sich zum Politiker verwandelte, dann zum Massenmörder wurde und schließlich als Heiler mit weißem Bart und Zopf Vorträge hielt, jahrelang gedeckt und geschützt vom Geheimdienst, ist nun doch verhaftet gelassen worden, weil Serbien nach Europa will.
Bergsteiger stürzen ab, Extremsportler erfrieren, Kameramänner werden gefoltert, Geiseln werden freigelassen.
China antwortet auf Fragen, die sich die Funktionäre selbst gestellt haben, sperrt unliebsame Internet-Seiten, verhaftet Journalisten, lässt Doping-Prüfer stehen, schlägt Kritiker zu Brei und will mit den Medien "One World - One Dream" feiern. Klingt nach Casting-Show und Auftritten von Paul Potts und Michael Vesper.
In Bayreuth ist eine Oper für das Internet und ein Public Viewing freigegeben worden. In Salzburg gibt es eine neue Buhlschaft. Dreiundsechzig Berichte über das Kleid, das zum ersten Mal blau ist.
Es lebe die Kultur!

Montag, 21. Juli 2008

Hoppla


Guantanamo ist nicht rechtens, sagt ein amerikanischer Gerichtshof. Hoppla, sagt Bush, dann ist das Gericht nicht richtig besetzt. Das irische Volk hat "nein" gesagt, nein zum europäischen Vertrag. Hoppla, also müssen die noch einmal wählen, sagt Sarkozy. Berlusconi soll von unabhängigen Gerichten in Italien wieder einmal angeklagt werden, wegen Bestechung und Korruption. Hoppla, sagt Berlusconi, dann wird das Parlament mir persönlich Immunität garantieren. Gesagt, getan. Der Preis für Rohöl sinkt. Hoppla, sagen die Konzerne, interressiert uns nicht. Ihr seid Ungeheuer, Bluthunde, aufgetaucht aus einem Sumpf an Korruption, sagt der Mann mit den gefesselten Händen. Hoppla, sagt der Mann in Stiefeln, zieht ihm einen schwarzen Sack über den Kopf und dreht den Wasserhahn auf. Das ist Folter, sagen Menschenrechtler, Wissenschaftler, Juristen. Hoppla, sagt Bush, das sehen wir anders und schließt die Tür.

Samstag, 19. Juli 2008

Wir sind Kultur


Wir Kulturmenschen. Uns wird viel Kultur geboten. Wir essen Kulturen und Fetthemmer im Joghurt, Funktionsnahrungs-Kultur. Wir leisten uns Musical-Kultur im Ruhrgebiet inklusive Übernachtung, wir zelebrieren Wein-Kultur, Pasta- und Coffie-To-Go-Kultur, wir sitzen ganz oben im Oberrang, um Rock-Kultur zu feiern, wir sehen dann und wann ganz mutig und bodennah Tanztheater-Kultur in der Fabrikhalle, Werden-Sein-Vergehen, oder so, und viel Video, wir schauen fern und sehen welche Bilder im Auktionshaus Preisrekorde brechen. Wir lesen BALD. Papier ist geduldig. Auch die Zeit, das Feuilleton, das es in Köln nicht gibt. In den Kursen ist so viel Pessimismus. Viel Fälschung ist auf dem Markt. Zwischendurch essen wir auch mal Fast-Food, eine Bock-Wurst, sehen im Kino Bock-Buster, anschließend zum Ohrenarzt, mit den Kindern ins Fantasialand, anschließend zu McDonalds, Super-Size und Wireless-LAN-Flatrate-Kultur. Aber wir gehen auch ins freie Theater. Und wir zahlen auch dafür. Freiwillig. Wir schauen auch Sommertheater im Freien und werfen den Straßenkünstlern einen Schein in den Hut. Wir leisten uns Kultur. Wir sind mitten in Kultur, wir sind Kultur. In unserer Stadt gibt es sogar ein Amt für Kultur. Also, ich muss. Tschö.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Wie immer


Irgendwelche Streikenden haben mal wieder eine Trillerpfeife im Mund und machen Lärm, im Irak explodiert ein Attentäter, Banken in Amerika müssen gestützt werden, bevor sie stürzen, im Sommerinterview wird um den heißen Brei geredet, die Stadt Köln prüft nicht, welche Theater in Zukunft gefördert werden, es bleibt alles bei den Alten, alles neu beim 1.FC Köln, in Bayreuth wird Wagner vom Regietheater plattgemacht, der dritte Doping-Fall bei der Tour de France, das Fernsehen steigt nicht aus, der U-Bahn-Bau wird teurer, Streit um Rathausplatz, Bürgerbeteiligung, CSD, das Benzin wird teurer. Heesters lebt, Raab lässt sich schlagen, noch mehr Wahrheit in der BILD-Zeitung, ein neuer Superstar, ein neues Supermodel, ein neuer Big Brother, mehr Kameras in den Straßen, mehr Tritte an den Kopf, die Köpfe der Jungs mit Body-Bildung werden kleiner, die Käppis auch, nach dem Genitiv verschwindet der Dativ, die Kulturpessimisten werden kulturpessimistischer, die Illustrierten schreiben hutzi-putzi, die Roten Rosen laufen endlos, alles wird gut.
War das nicht letztes Jahr? Nein, letztes Jahr hat es geregnet. Ich schaue auf die Uhr, ich muss jetzt nach hause gehen.

Guten Abend, gute Nacht

Montag, 14. Juli 2008

Comedy im Stadion


"Teilweise verzweifelt" überschreibt der Stadtanzeiger den Stadion-Auftritt von Mario Barth, wagt aber keinen Verriss. Nichts Neues, nichts Scharfes, platte Witze, Publikum, das sich selber feiert. Wissen wir. Der Größte war noch nie der Hampelmann, der ein Stadion füllt. Diese Geschichte ist wahrlich lang und trübe. Selbst Rock-Stars zeichnen sich im Stadion selten durch Musik aus, mehr durch Massenbewegung und schlechte Tonqualität und die Inszenierung einer Mega-Party, die aus Mitklatschen und Wunderkerzen besteht. Die ersten wirklich Großen, die das Abenteuer Stadion versuchten, waren die "Beatles" im Shea Stadium 1966. Und sie waren die letzten. Die Musik verlor sich im Lärm der Fans. Der Auftritt wurde zum Abschied von der Bühne. Das nenne ich Klarsicht. Danach wurde im Studio 'Sgt. Pepper' aufgenommen. Ein Kunstwerk.
Von Bach zu Bohlen, von den Beatles zu Barth, vom Gipfel in den Sumpf. Ein Spiegel der absoluten Ebbe in kulturellen Dingen, es werden überhaupt nur noch Dinge sichtbar, die an Geldmaschinen angeschlossen sind, die die Massen ziehen, deren Musikhorizont von Handy-Tönen begrenzt wird, deren Lektüre BILD heißt, die keinen Satz mehr bauen, die Wolfgang Petry für romantisch halten. In der Tat, das macht teilweise verzweifelt. Es gibt gute Musik in Deutschland, es gibt Kunst, aber die müssen wir suchen gehen. Alleine. Es hilft uns niemand dabei.
Aber zurück zu Blödmann aus Berlin mit Berlin auf der Brust in Berlin mit Berlinern, die sich schon nicht mehr halten können, wenn das Wort 'Loch' erklingt. Der Schlusssong natürlich Vollplayback (man lernt nie aus) und gecovert von Suffkopf Juhnke. Klar. Lackschuh oder Turnschuh, wir sind alle Prolls.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Dummbarth ist noch dümmer als man denkt


Bei diesem neuen Talk-Show-Bürokraten im ZDF (Lanz) - der ist ja noch schlimmer als Kerner - war Mario Barth zu Gast. Ja, hab ich gesehen. Die Faszination des Grauens. Dieser Widerling ist ja noch widerlicher, als ich gedacht habe. Dummbeutel-Comedy für Stadion-Publikum wusste ich ja. Stammtisch-Witze, gestenreich, immer auf die 12, unrasiert, mit offenem Mund hört er die Fragen, die er nicht versteht, da kommen nur auswendig gelernte Schablonen aus seinem 'Programm', aus seiner 'balina Schnauze'. Dann werden ihm die Zitate seiner Kritiker aus dem Feuilleton vorgehalten, er spiegele nur die Einfalt der Leute, die über ihn lachen, oder so ähnlich. Da zieht er zum offenen Mund die Stirn in Falten und lallt etwas über die Schlaumeier da oben in den Villen und die einfachen Leute, die Bauarbeiter, die ihnen ihre Häuser bauen. Dummbarth, du bist ja so dumm, dass es spritzt. Hör mal zu: Du bist "die da oben", verstehst du das? Einfältig, dreist, von denen getragen, die genau so einfältig und dreist sind wie du und die uns mit Leuten deinesgleichen die Fernsehkanäle verstopfen. Wir sind "die da unten", wir müssen dich ertragen oder die volkstümliche Musik oder Modelcasting und so fort, alles klar? Und ein einfacher Mensch ist noch lange kein Proll mit Tatoos und Käppi und offenstehendem Mund oder mit balina Schnauze, verstehst du? Klappe zu.

Freitag, 20. Juni 2008

EM Viertelfinale Deutschland - Portugal 3:2


Was für ein Spiel! Und dann lese ich in der "Zeit" einen schönen melancholischen Artikel von einer Portugiesin, der mit der Beschreibung eines deutschen Fans endet, der eine stille portugiesische Kneipe betritt und ruft: "Portugal, wir hören nichts!" Und die Kellnerin, die schweren Lider langsam hebend, so schreibt sie, antwortet: "Egal, ihr habt trotzdem gut gespielt."
Feiner Schluss. Und dann bemerke ich, wir sind ja online, dass es Kommentare zu dem Artikel gibt. Heutzutage kommen ja zu den notorischen Leserbriefschreibern, Querulanten und Beschwerern nun auch noch die Blogger und Smilie-Dummbeutel dazu, die überall im Netz ihren Quark absondern und einfach ihren Senf nicht halten können, weil sich im Netz schon jede Fliege als Mittelpunkt der Online-Welt fühlen muss.
Also: Diese Blogger sind erst einmal sauer über jeden nicht-deutschen Kommentar, wütend dass die Redaktion einen solchen Artikel überhaupt zulässt und so dumm, dass es zumindest virtuell knallt. Smilie!!!
In typischer Sprache ("Hä?") wird Unverständnis ausgedrückt. Was will diese "unbedarfte, aber in ihrem Nationalstolz gekränkte Fußballguckerin" überhaupt, oder: "Dieses Romantisieren der Portugiesen geht mir auch auf den Senkel". Aber dann kommt der Hit: Einem Blogger fällt auf, "dass die deutsche mannschaft nicht 'trotzdem' gut gespielt hat, sondern 'auch noch'". Oh mein Gott! Hilfe. Was für Leser hat "Die Zeit"? In welcher Welt lebe ich?
Ihr dämlichen Daherplapperer, haltet endlich euren Rand, oder taucht ab in einem Meer von Nullen und Einsen. Auf ein paar Nullen mehr oder weniger kommt es da auch nicht mehr an.
Tschö

Donnerstag, 12. Juni 2008

Fußball EM


ja, die Europameisterschaft hat begonnen. Mit einem Sieg und dann folgt noch einer. Irgendwas aber ist anders als vor zwei Jahren. Natürlich Fahnen und Fähnchen allüberall. Hupen für schwarzrotgold. Wildentschlossen sich feiern und freuen. Und ja nicht den Anschluss zum Sommermärchen verpassen. Aber sonst? Die Kneipen mäßig besetzt, wenn andere spielen. Wen interessiert das. Deutschland, Deutschland! Andere? Ja die Türken hupen auch. Die Griechen kommentieren das Ergebnis und die Chancen selbstironisch, die Italiener zucken mit den Schultern und versuchen zu erklären. Die Deutschen aber außer Rand und Band, ununterbrochen. Und im Fernsehen wird gelacht, geklatscht, analysiert und in die Kamera gegrinst. Musical-Bühne, großes Auge, tolles Experten-Trio, schreien und johlen in der Arena. Und danach? Alles muss heutzutage mit Comedy versetzt und versaut werden, selbst der Fußball. Da sitzen dann ein Büttenredner aus Köln-Porz, der Nippel-Durch-Die-Lasche-Mike-Baumarkt-Supernase-Krüger, die Dummheit kennt keine Grenzen, der Dauergrinser Ingolf Lück führt durch eine durchsichtige Sendung mit Witze-Erzählen, die meiste Zeit aber geht drauf mit lärmendem, klatschendem, hysterisiertem Publikum, das offenbar alle 10 Sekunden eine Schrift aufleuchten sieht: lärmen, klatschen, lachen. Es ist grauenhaft.
Da stehe ich, ich armes Tor und bin so leer wie schon zuvor.
Was aber macht der Fußballfan? Er freut sich auf die Spiele seines Clubs in der neuen Saison, ohne die Deppen, die Kids, die Event-Süchtigen und die Frauen, die Fußball nur schauen, wenn er schwarzrotgeil ist. Kauft euch doch alle einen Eimer Alkohol mit Strohhalm und lasst uns in Ruhe.

Sonntag, 13. April 2008

Blattschuss


Der Kulturrat (Rat der Fördervereine) bemängelt, dass ein Kulturentwicklungsplan so lange dauert, weil er sich sinnloserweise um die freie Kultur kümmert, statt um die Hochkultur zwischen Oper und Museum. Neue Munition für die Eingreiftruppe. Blattschuss. Ein freies Theater weniger! Die Dom-Schutztruppe steht Hab-Acht! Sie kämpfen gegen Wildwuchs. Ruhe ist erste Bürgerpflicht. Sie lassen sich die Fackel nicht aus der Hand reißen. Nein.

Ich schaue lieber fern und reg mich richtig auf. Diskussion über die Armut der Rentner, die umgedrehte Pyramide und eine geplante Rentenerhöhung von einem Prozent. Einer meint, die Rentner seien unverschämt, ein Rentner meint, die Erhöhung sei lächerlich nach 40 Jahren Arbeit und einem Leben lang einzahlen.

Der Kölner Ex-CDU-Vorsitzende und Noch-Vorständler der KVB Reinarz (50), wird nach fünf Jahren Pensionär und bekommt ab sofort einfach über die Hälfte seines Grundgehaltes von €200.000.-. Ruhegehalt für die ersten Bürger: Pflicht. Blattschuss. Ein freier Künstler weniger. Mäht nix.
Ich wollte mich doch nicht mehr über Köln aufregen.

Also fernsehen. Das IOC will Olympia als große Schau. Es seien nur noch Kleinigkeiten zu korrigieren. Tibet wird sogar als Begriff gestrichen. Vesper findet das zwar nicht richtig, aber da könne man nichts machen. Die Fackel wegreißen, das sei Friedensfeindlich. Typisch Sozialdemokrat, ach ne, der ist ja Grüner, oder? China darf nicht verärgert werden. Keine Störung. Ruhe. Wir haben Wirtschaftsinteressen. China ist groß, Tibet ist klein. Gewalt? Die Berichte im chinesischen Fernsehen, aber auch im Westfernsehen sind falsch, sagt Willi Lemke, (Werder und Sozialdemokrat, da bin ich aber sicher). Geld regiert die Welt. Unternehmen hoffen, Sponsoren schweigen.
Das Sponsoring der Kultur wird weniger, weil das Geld konzentriert werden muss, weil der Sport einfach größer ist, mit oder ohne Doping.
Die Stiftung der Stadtsparkasse Köln Bonn wird ab sofort die Förderung aller freien Kultur-Projekte einstellen. Achtung, da läuft noch einer. Blattschuss!
Gottseidank, der Dom steht noch. Ich will mich trotzdem nicht mehr aufregen!
Oh, ich muss jetzt aufhören, da kommt die Eingreiftruppe.
Tschö und schönen Gruß

Sonntag, 2. März 2008

Hilfe, die Gustloff kommt!


Nein, liebe Fernsehzuschauerin, es gibt kein Entkommen! In diesem Meer von bombastischer Krachmusik, brüllenden Tränen, martialischen Männerstimmen, Frauenkreischen und bedeutungsschwangeren O-Ton-Diskussionen werden wir ertrinken müssen. Dank unserem ZDF wird Rosamunde Pilcher in den Krieg zur See geschickt.
Nach den vielen wahnsinnigen TV-Mehrteilern über den Führer, über das große Afrika und seine Liebesdramen unter Kolonialfamilien und Palmen, über Dresden und seine heißen Geschichten von Liebe und Leidenschaft zwischen Gutsbesitzertöchtern, Krankenschwestern und Kriegsgefangenen mit Migrationshintergrund - jetzt der nächste Untergang.
Wie immer vor dem Hintergrund authentischer Geschichte, großer Geschichte. Der zweite Weltkrieg ist immer gut für die schönsten Liebesgeschichten. Und danach ist lange noch nicht Schluss. Zum großen TV-Zweiteiler im Zweiten gibt es dann noch die große TV-Dokumentation mit Guido Knopp und seinem 16:9 Historikergesicht, dem wichtigen. Korrekt.
Wir Deutschen haben keine Titanic mit Eisberg und di Caprio-Sonne. Also was tun? Denn für eine Ich-bin-der-König-der-Welt-Szene braucht es nun mal ein großes Schiffeversenken. Hurraa! Wir haben die Gustloff, Gott sei Dank. Ein Schiff, Flüchtlinge und harte Männer mit Küstenwache-Gesichtern unter großen Schirmmützen, die in waberndem Nebel zwei Finger auf ein Auge legen, um besser sehen zu können. Kein Wunder, dass wir den Krieg verloren haben.
Der Kai Wiesinger mit seinem Pflaumengesicht spielt den Harten für die Schwiegermütter und Heiner Lauterbach den Weichen, oder ist es gar umgekehrt? Verlieben sie sich gar Beide im Sturm der Liebe in Valerie Niehaus, der Soap-Darstellerin aus Wege im Glück oder Rosen für immer? Jedenfalls verheißen die Großaufnahmen mit feuchten Augen in der Vorschau schon das Liebesdrama vor spritzender See und schreienden Statisten. Jaja, alles ganz fürchterlich, damals. Und historisch und groß.
Dann aber auch bitte Christiane Hörbiger, wie sie sich noch einen großen Braunen bestellt, bevor sie durch den Sturm gepeitscht wird, um vom schnittigen Michael Mendel geküsst zu werden, wenn die Wellen über ihnen zusammenschlagen. Währenddessen hat Frau Niehaus im Rettungsboot alle Mitreisenden zu Tode gequatscht.
Alles ganz gut, aber nicht gut genug. Statt internationaler Starbesetzung, die üblichen deutschen Brötchenengesichter aus den großen TV-Romanen, nach vier Teilen Krieg und Frieden mit Pferden, Blut und Tränen, jetzt zwei mickrige Teile auf dem Wasser, statt Hitler und Eva mit anschließender großen Dokumentation über Hitler und Eva, jetzt Das Boot für Arme. Statt brennender Städte ein paar Wasserfontänen? Hoffentlich gibt's wenigstens genug Blut. Sonst möcht ich lieber gleich Musikantenstadl oder Boxen im Zweiten.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Lieblingsmenschen

eine Lesende. Schön. In Ruhe versunken. Ein Buch. Mitten im Lärm, dem beruhigenden, rhythmischen Lärm einer Bahn. Konzentriert. Maßlos. Erfreut. Sie studiert keinen Stadtplan, das ist zu sehen. Sie lernt nicht, sie schaut sich keine Bilder an. Sie liest. Ja, tatsächlich. Eine Liebesgeschichte? Die sieht dicker, zerlesener aus, und der Gesichtsausdruck wäre gespannter. Gespannt die Harmonie erlesen wollen, die es nicht geben wird, nach dem Aussteigen. Nein, sie blickt hinein. In die Sätze. Es ist das entspannte lesen eines Stoffes aus dem Gedanken sind. Ein Essay? Eine Erzählung, ein zart gewobenes Stück Sprache. Ja, mein Gott, liest die Dame etwa Gedichte? Vielleicht geht sie sogar noch ins Theater? Ja, wahrscheinlich. Ins Theater am Sachsenring. Ja. Würde sie ins Boulevard gehen, oder ins Musical, hätte sie den angestrengten Ausdruck der Vergnügungssucht. Nein, sie wird sich"Lieblingsmenschen" ansehen. Jaja. Doch. Das wird sie. Genau.


Montag, 4. Februar 2008

Rosenmontag





Jeschenke för Kölle - uns Kulturkamelle

Einmol Prinz zo sin... das kam ja sowieso nicht in Frage. Vielleicht würde es einmal ein Motto geben für den Karneval, das mit Kultur zu tun hat, habe ich gedacht, als ich noch nicht wusste, wie ernst das in Köln mit der Kultur genommen wird. Und dann mitgehen und winken und Kamelle werfen, für alle bunten kleinen und großen Jecken.. Tja, und dann kam die Session, besser gesagt, sie ist schon vorbei und das Thema kam tatsächlich vor. Das Domfenster und die Oper und das Domfenster und die Tradition und das Domfenster und die Oper und der Dom und der Rhein und das Domfenster und die Oper. Und hier oben sieht man den Rosenmontagszug an einer kölschen Kulturkamelle vorbeiziehen.
Leev Lückscher - freut Euch einfach auf unsere Kulturkamelle, die wir noch heftig unters Volk bringen wollen. Alaaf!


Sonntag, 6. Januar 2008

Oh ja, das neue Jahr


Da ist es da, schneller als gedacht.
Pferde Zuschauer, Liese Leserin, lila Leser, jetzt wird es aber Zeit für einen Kommentar. Einen ganz neuen und lustigen, wie die Anrede ja schon verspricht. Es ist doch auch so vieles so anders, so neu geworden. Außer Klimawandel. Und Joopi Heesters. Na ja und den grünen Landeiern und der staatstragenden SPD und einer CDU die wieder einmal mit simpelsten Hetzkampagnen für Stammtischbrüder Wahlen gewinnen will. Schläger sind Ausländer (mit Migrationshintergrund). Ich wusste noch gar nicht dass die Schlägerbanden mit den Bomberjacken, die Theaterleute krankenhausreif schlagen, weil sie Bücher lesen können, aus Ausländern bestehen. Das ist mir wirklich neu.
Aber sonst, mal schauen. Ach ja, gerade in den Tagesthemen: Neapel quillt über von Müll, so sehr, dass das Volk dagegen auf die Straße geht und den Müll anzündet. Sarkozy hat den Italienern schon Hochdruckreinigungsgerät versprochen. Nein, Scherz beiseite, in Neapel hat die Mafia die Müllbeseitigung unter Kontrolle. Damit lässt sich gut verdienen. Der Müll kann liegen bleiben. Gut, dass das in Köln anders ist. Mit dem Müll und der Mafia. Ich bin froh, dass hier wenigstens alles so bleibt wie es war. Kultur im blauen Müllbeutel, Musicaldom, Dirk Bach und Hella von Sinnen, RTL und Karneval (Motto: Kulturkamelle), Höhner und FC - alles erste Liga. War sonst noch was? Nö.
Doch, das ZDF treibt uns mal wieder den Schweiß durch alle Poren. Letztes Jahr war es Afrika, jetzt "Krieg und Frieden", Russland, Napoleon und so weiter. Werbung: Jeder wird glauben, Sie hätten das Buch gelesen. Haha... haben Sie aber nicht... deshalb werden Sie auch nicht von den Hakenkreuz-Ausländern überfallen. Nach ein paar Minuten ZDF-Schinken, war alles klar. Hörner und Geigen in voller Lautstärke, Frauenchor-Gejaule, Video-Clip-Schnitte mit Explosionen und Küssen, ein wenig Elsner-Gewalle, naive, hüpfende, sich verliebende Blondchen - und da ist schon die romantische Klaviermusik: "Sie haben Ihre Noten vergessen". Ja, und ich hab bald meinen Verstand verloren!

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.