Freitag, 20. Juni 2008

EM Viertelfinale Deutschland - Portugal 3:2


Was für ein Spiel! Und dann lese ich in der "Zeit" einen schönen melancholischen Artikel von einer Portugiesin, der mit der Beschreibung eines deutschen Fans endet, der eine stille portugiesische Kneipe betritt und ruft: "Portugal, wir hören nichts!" Und die Kellnerin, die schweren Lider langsam hebend, so schreibt sie, antwortet: "Egal, ihr habt trotzdem gut gespielt."
Feiner Schluss. Und dann bemerke ich, wir sind ja online, dass es Kommentare zu dem Artikel gibt. Heutzutage kommen ja zu den notorischen Leserbriefschreibern, Querulanten und Beschwerern nun auch noch die Blogger und Smilie-Dummbeutel dazu, die überall im Netz ihren Quark absondern und einfach ihren Senf nicht halten können, weil sich im Netz schon jede Fliege als Mittelpunkt der Online-Welt fühlen muss.
Also: Diese Blogger sind erst einmal sauer über jeden nicht-deutschen Kommentar, wütend dass die Redaktion einen solchen Artikel überhaupt zulässt und so dumm, dass es zumindest virtuell knallt. Smilie!!!
In typischer Sprache ("Hä?") wird Unverständnis ausgedrückt. Was will diese "unbedarfte, aber in ihrem Nationalstolz gekränkte Fußballguckerin" überhaupt, oder: "Dieses Romantisieren der Portugiesen geht mir auch auf den Senkel". Aber dann kommt der Hit: Einem Blogger fällt auf, "dass die deutsche mannschaft nicht 'trotzdem' gut gespielt hat, sondern 'auch noch'". Oh mein Gott! Hilfe. Was für Leser hat "Die Zeit"? In welcher Welt lebe ich?
Ihr dämlichen Daherplapperer, haltet endlich euren Rand, oder taucht ab in einem Meer von Nullen und Einsen. Auf ein paar Nullen mehr oder weniger kommt es da auch nicht mehr an.
Tschö

Donnerstag, 12. Juni 2008

Fußball EM


ja, die Europameisterschaft hat begonnen. Mit einem Sieg und dann folgt noch einer. Irgendwas aber ist anders als vor zwei Jahren. Natürlich Fahnen und Fähnchen allüberall. Hupen für schwarzrotgold. Wildentschlossen sich feiern und freuen. Und ja nicht den Anschluss zum Sommermärchen verpassen. Aber sonst? Die Kneipen mäßig besetzt, wenn andere spielen. Wen interessiert das. Deutschland, Deutschland! Andere? Ja die Türken hupen auch. Die Griechen kommentieren das Ergebnis und die Chancen selbstironisch, die Italiener zucken mit den Schultern und versuchen zu erklären. Die Deutschen aber außer Rand und Band, ununterbrochen. Und im Fernsehen wird gelacht, geklatscht, analysiert und in die Kamera gegrinst. Musical-Bühne, großes Auge, tolles Experten-Trio, schreien und johlen in der Arena. Und danach? Alles muss heutzutage mit Comedy versetzt und versaut werden, selbst der Fußball. Da sitzen dann ein Büttenredner aus Köln-Porz, der Nippel-Durch-Die-Lasche-Mike-Baumarkt-Supernase-Krüger, die Dummheit kennt keine Grenzen, der Dauergrinser Ingolf Lück führt durch eine durchsichtige Sendung mit Witze-Erzählen, die meiste Zeit aber geht drauf mit lärmendem, klatschendem, hysterisiertem Publikum, das offenbar alle 10 Sekunden eine Schrift aufleuchten sieht: lärmen, klatschen, lachen. Es ist grauenhaft.
Da stehe ich, ich armes Tor und bin so leer wie schon zuvor.
Was aber macht der Fußballfan? Er freut sich auf die Spiele seines Clubs in der neuen Saison, ohne die Deppen, die Kids, die Event-Süchtigen und die Frauen, die Fußball nur schauen, wenn er schwarzrotgeil ist. Kauft euch doch alle einen Eimer Alkohol mit Strohhalm und lasst uns in Ruhe.

Blog-Archiv

Über mich

Mein Bild
Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.