Montag, 21. Juli 2008

Hoppla


Guantanamo ist nicht rechtens, sagt ein amerikanischer Gerichtshof. Hoppla, sagt Bush, dann ist das Gericht nicht richtig besetzt. Das irische Volk hat "nein" gesagt, nein zum europäischen Vertrag. Hoppla, also müssen die noch einmal wählen, sagt Sarkozy. Berlusconi soll von unabhängigen Gerichten in Italien wieder einmal angeklagt werden, wegen Bestechung und Korruption. Hoppla, sagt Berlusconi, dann wird das Parlament mir persönlich Immunität garantieren. Gesagt, getan. Der Preis für Rohöl sinkt. Hoppla, sagen die Konzerne, interressiert uns nicht. Ihr seid Ungeheuer, Bluthunde, aufgetaucht aus einem Sumpf an Korruption, sagt der Mann mit den gefesselten Händen. Hoppla, sagt der Mann in Stiefeln, zieht ihm einen schwarzen Sack über den Kopf und dreht den Wasserhahn auf. Das ist Folter, sagen Menschenrechtler, Wissenschaftler, Juristen. Hoppla, sagt Bush, das sehen wir anders und schließt die Tür.

Samstag, 19. Juli 2008

Wir sind Kultur


Wir Kulturmenschen. Uns wird viel Kultur geboten. Wir essen Kulturen und Fetthemmer im Joghurt, Funktionsnahrungs-Kultur. Wir leisten uns Musical-Kultur im Ruhrgebiet inklusive Übernachtung, wir zelebrieren Wein-Kultur, Pasta- und Coffie-To-Go-Kultur, wir sitzen ganz oben im Oberrang, um Rock-Kultur zu feiern, wir sehen dann und wann ganz mutig und bodennah Tanztheater-Kultur in der Fabrikhalle, Werden-Sein-Vergehen, oder so, und viel Video, wir schauen fern und sehen welche Bilder im Auktionshaus Preisrekorde brechen. Wir lesen BALD. Papier ist geduldig. Auch die Zeit, das Feuilleton, das es in Köln nicht gibt. In den Kursen ist so viel Pessimismus. Viel Fälschung ist auf dem Markt. Zwischendurch essen wir auch mal Fast-Food, eine Bock-Wurst, sehen im Kino Bock-Buster, anschließend zum Ohrenarzt, mit den Kindern ins Fantasialand, anschließend zu McDonalds, Super-Size und Wireless-LAN-Flatrate-Kultur. Aber wir gehen auch ins freie Theater. Und wir zahlen auch dafür. Freiwillig. Wir schauen auch Sommertheater im Freien und werfen den Straßenkünstlern einen Schein in den Hut. Wir leisten uns Kultur. Wir sind mitten in Kultur, wir sind Kultur. In unserer Stadt gibt es sogar ein Amt für Kultur. Also, ich muss. Tschö.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Wie immer


Irgendwelche Streikenden haben mal wieder eine Trillerpfeife im Mund und machen Lärm, im Irak explodiert ein Attentäter, Banken in Amerika müssen gestützt werden, bevor sie stürzen, im Sommerinterview wird um den heißen Brei geredet, die Stadt Köln prüft nicht, welche Theater in Zukunft gefördert werden, es bleibt alles bei den Alten, alles neu beim 1.FC Köln, in Bayreuth wird Wagner vom Regietheater plattgemacht, der dritte Doping-Fall bei der Tour de France, das Fernsehen steigt nicht aus, der U-Bahn-Bau wird teurer, Streit um Rathausplatz, Bürgerbeteiligung, CSD, das Benzin wird teurer. Heesters lebt, Raab lässt sich schlagen, noch mehr Wahrheit in der BILD-Zeitung, ein neuer Superstar, ein neues Supermodel, ein neuer Big Brother, mehr Kameras in den Straßen, mehr Tritte an den Kopf, die Köpfe der Jungs mit Body-Bildung werden kleiner, die Käppis auch, nach dem Genitiv verschwindet der Dativ, die Kulturpessimisten werden kulturpessimistischer, die Illustrierten schreiben hutzi-putzi, die Roten Rosen laufen endlos, alles wird gut.
War das nicht letztes Jahr? Nein, letztes Jahr hat es geregnet. Ich schaue auf die Uhr, ich muss jetzt nach hause gehen.

Guten Abend, gute Nacht

Montag, 14. Juli 2008

Comedy im Stadion


"Teilweise verzweifelt" überschreibt der Stadtanzeiger den Stadion-Auftritt von Mario Barth, wagt aber keinen Verriss. Nichts Neues, nichts Scharfes, platte Witze, Publikum, das sich selber feiert. Wissen wir. Der Größte war noch nie der Hampelmann, der ein Stadion füllt. Diese Geschichte ist wahrlich lang und trübe. Selbst Rock-Stars zeichnen sich im Stadion selten durch Musik aus, mehr durch Massenbewegung und schlechte Tonqualität und die Inszenierung einer Mega-Party, die aus Mitklatschen und Wunderkerzen besteht. Die ersten wirklich Großen, die das Abenteuer Stadion versuchten, waren die "Beatles" im Shea Stadium 1966. Und sie waren die letzten. Die Musik verlor sich im Lärm der Fans. Der Auftritt wurde zum Abschied von der Bühne. Das nenne ich Klarsicht. Danach wurde im Studio 'Sgt. Pepper' aufgenommen. Ein Kunstwerk.
Von Bach zu Bohlen, von den Beatles zu Barth, vom Gipfel in den Sumpf. Ein Spiegel der absoluten Ebbe in kulturellen Dingen, es werden überhaupt nur noch Dinge sichtbar, die an Geldmaschinen angeschlossen sind, die die Massen ziehen, deren Musikhorizont von Handy-Tönen begrenzt wird, deren Lektüre BILD heißt, die keinen Satz mehr bauen, die Wolfgang Petry für romantisch halten. In der Tat, das macht teilweise verzweifelt. Es gibt gute Musik in Deutschland, es gibt Kunst, aber die müssen wir suchen gehen. Alleine. Es hilft uns niemand dabei.
Aber zurück zu Blödmann aus Berlin mit Berlin auf der Brust in Berlin mit Berlinern, die sich schon nicht mehr halten können, wenn das Wort 'Loch' erklingt. Der Schlusssong natürlich Vollplayback (man lernt nie aus) und gecovert von Suffkopf Juhnke. Klar. Lackschuh oder Turnschuh, wir sind alle Prolls.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Dummbarth ist noch dümmer als man denkt


Bei diesem neuen Talk-Show-Bürokraten im ZDF (Lanz) - der ist ja noch schlimmer als Kerner - war Mario Barth zu Gast. Ja, hab ich gesehen. Die Faszination des Grauens. Dieser Widerling ist ja noch widerlicher, als ich gedacht habe. Dummbeutel-Comedy für Stadion-Publikum wusste ich ja. Stammtisch-Witze, gestenreich, immer auf die 12, unrasiert, mit offenem Mund hört er die Fragen, die er nicht versteht, da kommen nur auswendig gelernte Schablonen aus seinem 'Programm', aus seiner 'balina Schnauze'. Dann werden ihm die Zitate seiner Kritiker aus dem Feuilleton vorgehalten, er spiegele nur die Einfalt der Leute, die über ihn lachen, oder so ähnlich. Da zieht er zum offenen Mund die Stirn in Falten und lallt etwas über die Schlaumeier da oben in den Villen und die einfachen Leute, die Bauarbeiter, die ihnen ihre Häuser bauen. Dummbarth, du bist ja so dumm, dass es spritzt. Hör mal zu: Du bist "die da oben", verstehst du das? Einfältig, dreist, von denen getragen, die genau so einfältig und dreist sind wie du und die uns mit Leuten deinesgleichen die Fernsehkanäle verstopfen. Wir sind "die da unten", wir müssen dich ertragen oder die volkstümliche Musik oder Modelcasting und so fort, alles klar? Und ein einfacher Mensch ist noch lange kein Proll mit Tatoos und Käppi und offenstehendem Mund oder mit balina Schnauze, verstehst du? Klappe zu.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.