Mittwoch, 29. Oktober 2008

Fernsehcrash Nachschlag


Die Diskussion über 'Blödsinn' und 'Schwachsinn' im Fernsehen, über Unterhaltung, die mehr sein sollte als Herrenwitze und Lachen vom Band, diese Diskussion hat überhaupt einen interessanten Nebeneffekt. Ich kann kaum mehr Blödsinn unbefangen ansehen, ohne 'Blödsinn' zu denken. Ich sehe die komischen Menschen, die in jeder Talkshow sitzen um Werbung für ihre komischen Bücher und ihre komischen Programme und ihre komischen Sendungen zu machen, und ich sehe die komischen Gesichter und denke: Ja. Reich-Ranicky hat Recht. Deformationen. Nichts kann gesendet oder gesagt werden, ohne dass Komiker nicht Mund und Augen aufreißen - und noch einen 'draufsetzen' müssen. Zwangsneurotiker. Nach dem Fußball, nach der Show, im Talk.
Kein Wort über Mario Barth, nicht noch eins über Atze Schröder, aber eins über Ralf Schmitz (RTL), der aus gegebenem Anlass in einem Talk von der Fernsehpreisverleihung erzählt. Und er macht ein komisches Gesicht und erzählt dass, während RR den Preis ablehnte, sie, die Komiker, hinter der Bühne standen und so was von lachen mussten, weil er, RR, den Blödsinn nicht mehr ertragen konnte. Sie lachten, und Schmitz, der das erzählt, kann das Lachen nicht mehr halten. Er lacht und lacht und lacht ......

Samstag, 18. Oktober 2008

Fernsehcrash


Viele haben das Fernsehen schon kritisiert, "aber nach hause gegangen bist nur Du" sagt Gottschalk, der Marcel Reich-Ranicky "aus gegebenem Anlass" im Fernsehen befragt, der wiederum nichts bedauert, zu später Stunde und nichts zurücknimmt, nachdem er den "Fernsehpreis" für sein "Lebenswerk" oder das "Literarische Quartett" - oder was auch immer - zurück gewiesen hat, weil er sich im Rahmen einer furchtbaren Veranstaltung (in Köln, wo sonst), im Rahmen von soviel 'Blödsinn' nicht zu hause fühlte. Das, was er zu sehen bekam, fand er "scheußlich, abscheulich". Köche auf der Bühne, Atze Schröder, Peinlichkeiten und dümmliche Reden. Eben so furchtbar wie immer.
Viele denken so wie RR, aber nur er ist gegangen. Die anderen blieben, auch die intelligenten Leute. Was ist passiert? "Ja", antwortet RR, "man sagt irgendeine Banalität, die eigentlich jeder sagen könnte, aber niemand beweist den Mut oder die Lust, das zu sagen." Hoppla. Gottschalk erinnert an die Zwänge, Fernsehen für die Mehrheit des Publikums zu machen, das abschaltet, wenn es seriös wird und zuschaltet wenn ein Ausschnitt an Haut zu sehen ist. Das sei nun einmal so, man könne die Leute nicht ändern.
"Die Intendanten würden gerne intelligentes Fernsehen sehen, aber sie würden es nicht machen, weil dann keiner mehr zusieht", sagt Gottschalk. "Es gibt einfach Menschen, die sind einfach nicht gebildet genug, gewissen Programmen folgen zu können, sollen wir die einfach außen vor lassen?"

Und das ist das Problem. Seit Jahrzehnten trabt das Fernsehen der galloppierenden Dummheit hinterher, mit Tele-Novelas, Kitschfilmen, Boulevardmagazinen, Sternchen-Hysterie, Klatsch-Knall-Stadl und Comedy, nur um Quote zu machen, nur um die privaten Dummbeutel-Kanäle noch zu überholen, nur um zu beweisen: Wir haben keine Geduld mit dem Zuschauer. Er ist dumm und er wird dumm bleiben und wir machen Fernsehen für ihn und auch und gerade und vor allem für sie. Und das alles von morgens bis abends und von Gebührengeldern. Von unseren Gebührengeldern.
"Unterhaltung mit Niveau", fordert RR. Eigentlich ganz einfach. Was aber sehen wir? Richter, Lichter, Lafer, Shopping, Eso, Astro. Entschuldigung, aber nicht alle sind dumm, nein, wirklich nicht! Und nicht alle sind tätowierte Prolls oder sprachunfähige Muttis. Lasst doch die Debilen ihren Silbereisen sehen und die Romantiksüchtigen ihre Lindström - aber: Sie sollen zahlen. Sie müssen zahlen. Zahlen für alles. Für den Doppel-Cheesburger, die Haartönung, die Nasenverkleinerung und eben auch die Hirnamputation, für Stöhnen gibt es schon Sonderkanäle, also schafft Kanäle für schief singen, dumm schwätzen, sich aufpumpen und platzen, auf einem, zwei, vielen Bezahlkanälen, auf Sonderkanälen, die wir nicht mehr ertragen müssen. Wir können dann in Ruhe, ohne Werbeunterbrechung, einen Film von Truffaut, eine Kulturzeit, einen Tati, einen Monty Python, eine Shakespeare sehen, uns amüsieren, ruhig schlafen gehen und das alles endlich für normal halten.
Ein Leben in Frieden und Freiheit.

Gute Nacht

Montag, 6. Oktober 2008

Finanzcrash


Hypo, Supi Dupi! Real Estate, ja, das real existierende Geld ist wie der real existierende Sozialismus nicht vorhanden. Prima Klima für uns Manager. Wir haben nichts gewusst. Aber wir werden gestützt. Wir sind so satt dass uns schlecht wird, gebt uns Medizin. Ihr seid so doof, da helfen keine Pillen. Euch kann man das Fell mehrmals über die Ohren ziehen. Viel Spaß mit Hartz IV! Wir haben unsere Nutten, Schmiergelder, gekaufte Politiker, alles was wir brauchen. Werbesendung für die Börse. Geld futsch? Selber Schuld. Her mit der Abfindung. Holla, bloß keine Vorurteile, Kapitalismuskritik ist nicht mehr. Wir haben gewonnen.
Der Finanzmarkt kracht in sich zusammen und die eine Frage taucht auf: Warum? In regelmäßigen Abständen. Experten haben das schon vor Jahren beantwortet und analysiert, beschrieben und prognostiziert, Marxisten vor Jahrzehnten erklärt. Es passiert trotzdem immer wieder. Aber keine Sorge, unsere Politiker haben jetzt die Lösung: Wir brauchen Regeln.
"Wir brauchen eine Bankenaufsicht". Komisch, ich dachte die hätten wir schon gehabt. Waren das nicht die, die nicht gemerkt haben, dass 300 Millionen Euro auf ein Konto überwiesen wurde, das es schon gar nicht mehr gab? Wurden nicht unter Oberaufsicht durch eine Online-Transaktion von Nullen und Einsen eine Drei mit vielen Nullen zu einer großen Null, zu einem Nichts? Wo ist eigentlich das Geld geblieben? Wurde es durch einen elektrischen Impuls in ein schwarzes Loch gesogen, gab es dieses Geld überhaupt irgendwann? Kann man Weizen zu Brot machen, oder doch nur zu Geld? Wer sitzt in Zukunft in den brandneuen Aufsichtsgremien? Andere Schlafmützen? Oder die gleichen Waffenschieber, Spekulanten und geldgeilen 'Macher' wie bisher?
Die neuen Aufsichtsbeamten sollen, so heißt es, mit einem Fünfzigmilliarden-Paket Sicherheit schaffen, sie werden die Fassade wieder aufrichten und verputzen, die ganze Blase Geld, die vielen vielen Nullen auf ein Konto überweisen, das vielleicht Geld aufnimmt, sie werden die gierigen, korrupten Banker beaufsichtigen und, wenn nötig auch bestrafen, sie werden die Spekulanten davon überzeugen, dass es unmoralisch ist mit Nahrungsmitteln zu spekulieren, oder Betonklötze in die Natur zu bauen, um die leerstehenden Wohnanlagen dann als Anlageobjekte zu verkaufen, ohne dass jemand darin wohnt, sie werden eindringlich, ja nachhaltig darauf hinweisen, dass Geld Gegenwert braucht und dass die Banker nicht so gierig sein sollen. Dann werden die Türen geschlossen und es wird kräftig gelacht. Und irgend etwas kracht im Gebälk. Und die Berater in der Beraterbank spielen ein bisschen am Computer, während ein Hubschrauber irgendwo Brot abwirft, auf ein Land, das es bald nicht mehr gibt. Crash!
Wir haben gewonnen.

Gute Nacht

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.