Sonntag, 22. Februar 2009

Echo


Die Verleihung des Echo in Berlin. Hallo Berlin! Jubel! Krankameras schwenken und zoomen in die Menge, aus der Menge, in die Menge, die ist doch nicht echt, oder? Alles zoomt und jubelt. Pocher labert, Silbereisen, der 'Volks'musikant öffnet einen Umschlag und - hallo Berlin - hat wieder ein geklonter Idiot die Trophäe in der Hand. Sascha singt, zoom, leuchtende Aura aus der Werkstatt der Computeranimation, zoom, Jubel! Hallo Berlin!
Ein künstlicher Ministerpräsident zieht die Lederjacke an, Udo ist auch da, Pocher redet von den deutschen Charts, vom klassischen Markt, ja, Pop goes Classic. Tenöre knödeln Schlager, Paul Potts kriegt den Echo, der ist wenigstens echt und hat eine schöne Frau, die nicht aussieht wie next Kotz-Model Marke Klump.
"Virtuoses Geigenspiel gepaart mit blendendem Aussehen" sagt der Moderator, und wir sehen den 'wilden' Blondschopf David Garrett oder so ähnlich, den Popstar mit Mikroport, Geigensimulation und Schlagzeug-Knalleffekten. Dann diese dummen 'Adoro'- Tenöre, sie sperren ihre Schnäuzchen auf und tun so, als wenn Schlager wie Arien gesungen werden müssen. "Sie interpretieren deutsche Erfolgshits auf vollkommen neue Weise" sagt der Moderatorenclown und schämt sich nicht. Der ist bezahlt, wie alle. "Klassik für die Allgemeinbevölkerung zugänglich zu machen" sagt der 'Adoro'-Dummbeutel. Alles wird ein Stückweit zerschlagen, zersplittert, niedergerungen, damit die Dummen glauben können, sie bekommen mit der gekauften CD die Hochklassik-Aura. Die 'Silbermond-Sinfonie' wird von einer Tussi im roten Walle-Kleid gesungen. "Noch eine Casting-Boy-Band mit klassischem Anspruch" ist zu sehen. Wieder werden Mäulchen aufgerissen und im Hintergrund explodieren Knallkörper, Feuerwerk, ist das echt? Orchester zucken, Möpse wippen. Classic goes Erotic. Alles wird aufgeblasen und aufgespritzt. Hallo Berlin, hallo Mutti!
Erst wird die Volksmusik tümlich, dann wird die Klassik in Splitterbomben abgeworfen. Erlogen, verbogen, verkauft. "Ausnahmepianist Lang Lang" und Schiller (Klangkünstler), "Begegnung von Classik und elektronischer Musik". Jaja, jetzt fehlen nur der wahre Kleist und unsere Klein-Erna (Performerin), Theater goes Köln. Alles billig. Alles aus der Dose, Kultur goes in die Hose. Ich fass es nicht! Das einzig echte an diesem Samstag Nachmittag war der 2:1 Sieg des 1.FC Köln in München gegen die Bayern. Hallo Köln!!!

Sonntag, 8. Februar 2009

abwracken


Die Kulturkrise erfordert neue Regeln. Die Stadt Köln zahlt Prämien und Zuschüsse an die Theater, die alle alten, überholten Formen verschrotten, wie Schauspielerei, Sprache, Emotion, Rollenspiel, um nur einige zu nennen. Die Theater bekommen eine Prämie, die sich ausschließlich den neuen Formen widmen, Matsch, Mischpulte, Halbnackte, Blut, Video-Projektionen, Bedeutungstanz und Performance, um nur einige zu nennen.
Spitzenzuschüsse gehen darüber hinaus an die Theater, die klassische Stücke auf der Bühne in Holzschnitte verwandeln können oder dem Publikum eine Einschlafhilfe bieten. Ein einfaches 'Gut gemeint' ist ebenso Ausweis genug, nicht zu vergessen die städtischen Sonderprämien für Migration und Jugend oder herumwandernde Kinder, oder so.

Dann: Gute Nacht

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.