Donnerstag, 24. Dezember 2009

Geistesleben


Große Aufregung im Geistesleben unseres Landes: Nikolaus Brender, Chefredakteur des ZDF ist von der Mehrheit des ZDF-Verwaltungsrates, mit dem CDU-Koch an der Spitze, nicht in seinem Amt bestätigt worden. Hilfe! Feuer! Zeter und Mordio! So weit, so gut.

Abgesehen vom Geistesleben, also Journalisten, die befürchten, es könnte auch ihnen jetzt an den Kragen gehen, melden sich natürlich auch prompt die zu Wort, die sich immer zu Wort melden, wenn es gilt "Haltet den Dieb" zu rufen, oder Sätze zu formulieren, die Herr Westernhagen auch schon versucht hat zu formulieren: "Freeeeiiiiheit" inklusive Wunderkerzen.
Also da stehen (hoppla da ist er ja wieder), Kurt Beck, der unrasierte Siegmar Gabriel für Arme, und der rasierte Berliner Bär Wowi vor den Kameras und schmieren markige Sätze in die Mikrofone: "Skandal! Die Demokratie ist in Gefahr... blabla". Das typische, windige, großmäulige Gewinsel sozialdemokratischer Hunde. Doch, ist wahr. Denn es ist immer ganz einfach, Großmäulchen zum einknicken zu bringen. Entweder wir setzen sie in die Regierung, aber davon hat das Volk vorerst Abstand genommen, denn da sind diese Sozialdemokraten dann Neoliberaler als die schwarzgelbeste Gefahr, oder man fragt einfach nach Konsequenzen, nach den nächsten Schritten. Es gibt auch wirklich gemeine Journalisten, die sich mit Verlautbarungen nicht zufrieden geben wollen und die z.B. fragen, wenn denn die Demokratie in Gefahr sei, ob sie dann klagen wollten? Kurze Pause. Dem rasierten und dem unrasierten Bär rutscht das Gesicht in die Hose, dann fassen sie sich und fangen an zu formulieren: Das müsse man prüfen, man wolle das prüfen, das sei keine Systemkritik, man müsse jetzt weiter sehen und weiter gehen, blabla...
Nein keine Systemkritik, immerhin sitzt man ja selber in dem Rat, der über Personal bestimmen kann, wer weiß, wann man sich rächen kann... Wie gesagt, es ist so einfach. Und ZDF: Danke für Volle Kanne, Küchenschlacht, Tierisch Kölsch, Alisa - Folge deinem Herzen, Leute heute, und den großen Abend-Kitsch-Kwatsch. Meist steht irgend ein Blondchen vor der Hochzeit, da taucht die große Liebe auf, ein Sohn von Carpendale, Hardy Krüger, Cindy und Bert, Roy Black. Oder ein Immobilienhai will ein idyllisches Dorf aufkaufen, aber Blondchen und der Meeresbiologe... Oder ein Vater ist totkrank, oder eine Schwester, oder ein Wal, aber Blondchen will helfen. Das ganze heißt dann: Das Geheimnis der Möpse - ach nein - der Wale. Einen Tag später: Der Bergdoktor, am nächsten Tag: Der Bergdoktor... Dann Musikantenstadl und Traumschiff. Ach nein, das ist das Erste. Danke für journalistisch-hochwertiges öffentlich-rechtliches Fernsehen.



Dienstag, 15. Dezember 2009

Blattschuss


Das Theater am Sachsenring, Köln, hatte auf Hilfe gehofft. Das Kulturamt hatte es systematisch abgewiesen. Der Kulturausschuss der Stadt Köln beschloss schließlich gegen den Widerstand der eigenen Verwaltung eine kleine Liquiditätshilfe zuzusagen, wenn das Theater die Deckungslücke nachweise. Das geschah. Zum vierten Mal im Jahr wurden Zahlen vorgelegt, Bilanzen, als wenn ein Theater nichts besseres zu tun hätte.
Und es hatte besseres tun gehabt. Das Theater machte gutes Theater.
Also schrieb die Verwaltung vor ein paar Tagen: Kein Anspruch auf Hilfe. Ein fast gleich lautender Brief wie der vier Monate zuvor, nachdem die Politik dann eine Hilfe beschloss, wenn das Theater...
Das TAS muss nicht, es soll kaputt gespart werden. Ende.
Es ist kalt. Das Theater ist geschlossen. Wir schreiben das Jahr 2010. Köln ist keine Kulturhauptstadt.

Gute Nacht

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Nach der Theaterpreisverleihung


"Kafkas Welten" ist es nicht geworden. Heiß gehandelt, aber keine freie Produktion hat eine Chance, wenn die Stadtsparkassenstiftung ihre eigenen Regeln über Bord wirft um - warum auch immer - ein experimental-verstörendes Doku-Performance-Theater mit Laien (na ja, eben Doku mit echten Menschen), auf die Bühne gestellt von einem Regieduo, das glücklicherweise eine Wohnung in Köln hat, eine Koproduktion mit dem Kölner Schauspielhaus, prämiert und damit einer Produktion das Preisgeld gibt, die schon von den städtischen Bühnen mit allen Mitteln ausgestattet, einen Zuschuss zur Verfügung hatte, mit dem ganze Theaterhäuser im ganzen Jahr leben müssen. Diese Produktion bekam also den Theaterpreis und keiner hat's verstanden.
Können Sie folgen? Noch einmal. Die, wie immer, zahlreichen Regeln besagen: Vom Theaterpreis ausgeschlossen sind Produktionen von Regisseuren, die ihren Arbeitsschwerpunkt nicht in Köln haben, die mit Laien arbeiten, außerdem Koproduktionen mit städtischen Bühnen. Sonst noch was? Herr Nellessen schreibt zurecht an die SK-Stiftung, man solle keine Tanker gegen Ruderboote antreten lassen.
Persönliche Schlussbemerkung: vor allem dann nicht, wenn die wendigen Ruderboote Publikum und Kritik verzücken, als erste durchs Ziel laufen - und dann disqualifiziert werden, weil heutzutage Rennen nur noch mit den großen Tankern stattfinden, auf denen Kapitänsmützenträger mit Theaterblut übergossen, betrunken brüllend den verstörenden Kurs Richtung Eisberg anweisen.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.