Mittwoch, 10. November 2010

Düsseldorf

Noch haben die Städte kein Geld, aber der Aufschwung kommt. Und eine Stadt wird erst attraktiv, wenn sie in richtige Kultur investiert, weicher Standort-Faktor. Wenn also unsere Lena mit dem nächsten Schlager aus der Raab-Fabrik ihren Titel verteidigt (im Eurovision Song Contest), dann ist das ein Kultur-Event mit Leuchtturm-Faktor. Also will die Stadt Düsseldorf über 9 Millionen Euro als Zuschuss dafür ausgeben. Gute Investition. Kultur muss sein. Zuschüsse für 'Musikantenstadl' oder 'Wetten Dass' (in der Schweiz hat es das schon gegeben), dann können wir uns alle anderen Theater sparen.

Aber Köln ist stolz auf seine kleinen Theater - nein, nur auf das eine: das Hänneschen Theater, das Stockpuppenspiel um Hänneschen und Bärbelchen. Das ist auch immer ausverkauft. Deswegen soll es jetzt noch mehr Zuschüsse von der Stadt bekommen, die ja bekanntlich kein Geld hat, weswegen es diesmal nur noch 165.000.- € zusätzlich sind, insgesamt 1 Million Zuschuss, fast soviel wie die gesamte freie Theaterszene. Vom Hänneschen lernen heißt siegen lernen.

Dienstag, 9. November 2010

Söhne des Äthers

Im Theater bezaubert zu werden ist wunderbar. Über Radio Ro hatte ich geschrieben. Über die erste Inszenierung in der Ära Beier, die ich sah. Natürlich war ich jetzt da. Zum neuen Sienknecht-Abend. Die "Söhne des Äthers" sind Söhne und Töchter von Radio Ro.

Sie tauchen auf in fast derselben Besetzung. Sie tauchen auf aus der dunklen Stille. Das alte Radio ist wieder da, der Plattenspieler und Gerätschaften mit Lampen und Schaltern. Neu sind die Fauteuils, 60er Jahre, im Halbrund, wie es im Inneren eines Raumschiffes üblich ist. Die Uhren sind keine Studio-Uhren, darüber steht Erde, Mond, Mars. Die Gesichter von Gestalten, unter Helmen von kleinen Stablampen angeleuchtet, tauchen auf. So sehen sie also aus, die Borg, nicht so wie bei 'Enterprise', so wie hier. Ein Höllentrip? Auf jeden Fall ernster als Radio Ro.

Aber wieder muss ich Tränen lachen. Odyssee 2001 - Also sprach Zarathustra - mit Cello, Violine und Flöten, schräg, die große Kunst der kleinen Form. Der Abend ist voller Musik, also Rhythmus. Innehalten, beschleunigen, unterlaufen. Präzise, klar, schön und abgefahren. Nach einer Reihe Abschiedslied-Fragmenten ist das Drehen des Zündschlüssels erfolgreich. Beschleunigung. Tanzen, singen, nichts weiter.

Aufstellung in Phantasie-Raum-Glitzer-Kostümen, Sendersuche im Röhrenradio, die ganz alten Hits im Original mit neuem Refrain: "Söhne des Äthers", der große, androidische Mann auf Plateausohlen wird von der kleinen Frau angetanzt, heftig, zaghaft, fragend, fordernd, sie springt in seine Arme, er hält sie, anschließend singt der Mann 'Bee Gees' ohne Kastratenpopstimme, volltönend: "Tragedy".

Schauspieler singen als Raumschiffcrew auf der Kommandobrücke unter dem blauen Licht eine mehrstimmige Hymne von der Liebe. Sie schweben mit der Musik. Ein Opern-Duett mündet in absurden Männertanz. Über einen Fernsehschirm sehen wir den berühmten hüpfenden, fallenden Astronauten auf dem Mond, im Hintergrund reicht eine Hand aus einer Luke eine Tasse Kaffee. Die leuchtet später zur Musik wie wir.

Es ist die eindringliche Genauigkeit, die gnadenlose Komik, die Enttäuschung der Erwartung, die erfüllte Emotion. Energie. Wir fliegen mit. Danke für eine tolle Reise.

Abschluss mit Lust

Eine Theaterinszenierung, die von Schauspielerinnen und Schauspielern beherrscht wird?

Die Abschlussinszenierung einer Schauspielschule: hier könnte sich das Bühnengeschehen schon naturgemäß um die Spielenden drehen. Erste Voraussetzung für Theater.

Und tatsächlich. Im Art Theater Ehrenfeld konnte ich mich freuen, erstaunen, hören, lachen, schauen. Die Abschlussarbeit der Theaterakademie Köln wurde zu einem guten, leichten, schwingenden Abend, der von der Spielfreude des Ensembles geprägt war. Hier wurde sichtbar, was immer seltener sichtbar wird oder werden darf - Energie, Rhythmus, Verwandlung, Komik. Lust.

Apropos: Lust und Schauspiel im Theater sind ganz schlecht für Chancen auf Förderung.
Das Art Theater - ich konnte mich an der Bar vor der Vorstellung mit dem Kollegen unterhalten, der das Ganze seit Jahren leitet - ist in Gefahr geraten durch die Auslöschungspolitik des Kulturamtes (Amtsdeutsch: Sparkurs). Der Kollege hat reagiert, musste reagieren. Im Art Theater, das sich immer schon mit einer guten Mischung an Veranstaltungen auch selbst finanzieren konnte, wird es in Zukunft kein Theater mehr geben können.

Ich betrat den Saal und es überkam mich die übliche Beklemmung, wenn ich vermuten darf, die laute Musik, die schrille Beleuchtung und die in Posen erstarrten und ruckweise sich bewegenden Figurinen, werden eine Fortsetzung finden, wenn alle Zuschauer Platz genommen haben.

Aber: Licht. Eine Clownin (Linda Simm) spricht über den “Alptraum vom Glück”. Klar in Sprache und Haltung. Die gelungene Inszenierung der Szenenfolge von Justine del Corte kommt ohne den üblichen Firlefanz zeitgenössischer Inszenierungen aus. Die verschiedenen Schicksale, die sich zu einem gemeinsamen zu verbinden scheinen, finden gefasste Figuren, die Besetzung gelungen, zweite Voraussetzung für gutes Theater. Die Gestalten gehen, laufen, liegen auf einer bunten, weichen Würfellandschaft, werden, eine nach der anderen, durch einen großen, roten Mund über eine Rutsche auf die Szene gespült. Eine Frau spricht über ihren Vater, der ihr erklärt, nach einem Kuss wachse eine Blume aus der Mundhöhle. Celina Engelbrecht leuchtet in Emotionen, klar und nuanciert. Die Regie (Bernhard Bötel) lässt viele Feinheiten zu, mit denen seine Protagonisten Energie und Timing ausloten können. Nur selten geben die jungen Darsteller zuviel des Guten, aber auch dann gerät das Ganze nie aus den Fugen. Auch Gesang und Choreografie sind schlüssig. Ein Reigen tragischer und komischer Vergeblichkeiten, ein Casting trauriger Gestalten. Manchmal taucht ein Regisseur auf (Energiegeladen: Harald Hauber), der die Auftretenden niedermacht und seine Assistentin (wunderbar in dieser Rolle: Acerina Zambrano) immer wieder in die Wüste schickt, bis er selbst seiner Rolle nicht mehr sicher sein kann.

Das Spiel von Celina Engelbrecht, Harald Hauber, Max Heller, Marylin Pardo, Linda Simm, Dorothea Toenges, Isabel Vollmer, Acerina Zambrano und Marlene Zilias ist intensiv, in Einzelfällen schon von erstaunlich entwickelter Geschmeidigkeit und Präzision (Engelbrecht, Simm, Hauber). Vor allem aber findet das Spiel Überzeugungskraft durch ein sehr homogenes Ensemble. Das macht Hoffnung auf Zukunft. Auf die Zukunft der Schauspielerei.

Mittwoch, 4. August 2010

Von Kommunikation, coolen Verträgen und Weltstars im Westen

In Duisburg bleibt der Oberbürgermeister verschwunden. Er sagt nichts. Er tritt nicht zurück. Er habe von nichts gewusst und nichts unterschrieben. Ausgefallener Funk, zusammengebrochenes Netz, fehlende Einsatzzentrale, Chaos und Überforderung, Schuldzuweisungen. Die Talkshows überschlagen sich. Die Familien der Opfer erfahren von der Trauerfeier durch die Zeitung.

In einer Talk-Show ohne Loveparade und Kachelmann sitzt ein lustiger Bohlen-Superstar und RTL Dschungelcamp-Kandidat von damals. Einer mit lustiger Frisur, der unter Zwang steht, präsent zu bleiben, der nicht abrutschen will. Er bemüht die Ich-bin-anders-als-ihr-denkt-Masche. Jetzt muss er lustig Jazz singen. Er knödelt ‘Fly me to the moon’ und findet am Schluss die Töne nicht mehr. Eine blonde Schlagersängerin neben ihm, noch lustiger als er, lobt seine Intonationssicherheit. Der Moderator meint, er würde ihn, den Vorurteilsbeladenen, so überraschen. Ja, meint der gemeinte, Menschen seien mal lustig und mal traurig. Ja.

Die Weltstadt Köln hat einen neuen OB. Jürgen Rothers, der Kandidat von Grünen und SPD. Auf einer offiziellen Veranstaltung letzte Woche in Köln ergreift der Kölner Oberbürgermeister aus Westfalen das Wort. Und noch eins und noch eins. Und noch ein ganz schwieriges. Er spricht wie ein Erstklässler, der einen Aufsatz über sein schönstes Ferienerlebnis abliest, aber wenn er in der Praxis seiner Verantwortung gerecht wird, die Löcher zuschüttet, gegen Korruption kämpft und die Vielfalt der Kultur schützt, dann soll mir egal sein wie er spricht. Aber nur dann. Nur dann.

Intendantin Karin Beier, die ihr altes Schauspielhaus behält, nachdem sie vehement gegen einen Neubau gekämpft hat - um Geld für die Kunst zu sparen - die Hochgelobte, die Bestplazierte, die Tabellenführerin, hat einen neuen, “coolen” Vertrag unterschrieben. Nach einer Spielzeit voll verstörender, unverständlicher, überladener, experimenteller Inszenierungen, nachdem sogar eine Textflächenkinderei von Jelinek über Geld (siehe die Kontrakte des Kaufmanns), von einer verstörten Jury zum Mainstream-Theatertreffen nach Mainstream-Berlin eingeladen worden war, war Jürgen und Georg von der Kölner Stadtverwaltung klar: Die muss gut sein, denn sie hat unser Ranking verbessert. Und darum geht’s. Darum geht's doch. Doch.

Auch im Fußball geht es um den Tabellenplatz. Alle sind aus dem Häuschen, ein Weltstar kommt nach Gelsenkiaachen: Rauuuul. Moment. Langsam. Gaanz langsam.
Zu uns nach Köln kommt der größte Weltstar: Ablösefrei wechselt Lukas Podolski von der Deutschen Nationalmannschaft zum 1. FC Köln. Während sich seine zukünftigen Kameraden in Trainingslagern mit Saudis und Österreichern prügeln, bei einem Spaßturnier in Gelsenkiaachen dreimal verlieren, wird Lukas aus dem Urlaub im Ferienlager FC erwartet. Dort will Trainer Soldo noch ein paar Defizite ausbügeln und zum Angriff auf Leverkusen blasen.

Fußball. Es wird weiter gehen. Ein gutes Geschäft. Außerdem gibt es im Stadion mehrere Ausgänge und die Erregung hält sich, zumindest in Köln, in engen Grenzen.
Den “exzessorientierten Vergnügungsmassen” aber, wie Harry Nutt im Kölner Stadt-Anzeiger schreibt, wird die Zukunft gehören.

Es ist wie es ist und es bleibt wie es war.

Montag, 26. Juli 2010

Wachsgesichter nach der Katastrophe

Der erste Reflex Entsetzen. Sehr bald kommt Zorn dazu. In Duisburg steht ein Zerrspiegel und zeigt ein absurdes, grauenhaftes Bild, das sich zusammensetzt aus scheinbaren Gegensätzen.

Wir sehen eine Autobahn, auf der Massen von Menschen feiern und spazieren - Tage später wieder eine Autobahn, diesmal als Stützpunkt für Rettungskräfte, die um das Leben hunderter Verletzter ringen.
Das Gewummer der Techno-Party, ein paar Meter weiter weinende Verzweifelte. Kreideumrisse, hier lagen die Toten. Ein paar dumpf-lustige Party-Gänger, denen es nicht peinlich ist, vor Kameras von DJs zu sprechen, die gut aufgelegt hätten, von der Party, die durch die Toten leider einen ‘Knick’ bekommen habe.

Heute hören wir Aussagen, eine Stadt wie Duisburg sei viel zu klein, eine solche Masse von Menschen aufzunehmen, geschweige denn zu steuern. Die Erkenntnis, eine Million Menschen könne nicht durch einen einzigen Tunnel geschleust werden. Warnungen und Bedenken wurden im Vorfeld vom Tisch gewischt. Wie immer.

Ich habe mich an Köln erinnert gefühlt, Dementis zu jedem Skandal, Vertuschungen und Schweigen. Beim Einsturz des Stadt-Archives waren es ‘nur’ zwei Tote. Warum stürzte ein Haus in die U-Bahn-Baustelle? Niemand war verantwortlich.
In Duisburg sind es bis jetzt fast zwanzig Tote. Und hunderte von schwer Verletzten. Erklärungen?

Am Mittag sitzen Männer auf einem Podium, halten eine Pressekonferenz ab, zeigen ihre Wachsgesichter und sagen - nichts. Nach wohlgesetzten Trauerformulierungen löst jede Frage Unverständnis aus, keine wird beantwortet werden. Man will nicht vorgreifen, man will, man muss abwarten, man bittet um Verständnis, man kann dazu keine Erklärungen mehr geben, man könne nicht zu ‘Details’ Stellung nehmen. Das Detail zum Beispiel, wer genehmigt habe, auf einem Gelände, genehmigt für 250.000 Menschen, über eine Million Raver zu erwarten.

Die Stimmung wird gereizter, die Krisenstäbler, Bürgermeister, Dezernenten sitzen die Pressekonferenz aus, keiner ist es gewesen, keiner hat etwas gewusst, keiner kann nichts genaues sagen…
Ich schreie den Fernseher an.

Auf Papptafeln hinter den Kerzen steht: “Warum?”
Warum? Das große Geschäft, das große Image für die kleine Stadt, das große Geld. Die Gier, da ist sie wieder. Duisburg ist Kulturhauptstadt. Ein Massen-Event muss her. Koste es was es wolle. Kritik unerwünscht. Wenn Bochum absagt, weil es sich nicht überfordern will, umso besser. Duisburg ist cool. Das Fernsehen ist auch dabei. Bummbummbumm und die Moderatorin ist blond und ihr Top ist auf einer Seite heruntergezogen, damit Schulter und Oberarm frei liegen. Geil. Als sie später von den Toten spricht, ist die Schulter bedeckt. Nur das Bummbummbumm bleibt.

Man sollte nicht nur die Loveparade absagen. Diese Art von Kulturhauptstadt, von Hysterie, Fernsehübertragung - weg damit. Schweigende Verwaltungsangestellte, dumme Politiker - weg damit. Das wäre ein erster Schritt.

Falsch verstandene Stadt. Falsch verstandene Kulturhauptstadt, falsch verstandene Parade, kein Begriff von Verantwortung, von Sicherheit, von Möglichkeiten. Keine Idee.
Ist ‘Love’ nicht mehr als die Hände zum Himmel, Bummbummbumm, zucken, saufen, zudröhnen? Ist Kultur nicht mehr als eine Massenveranstaltung?
Auch diese Fragen werden von den Wachsgesichtern auf den Podien unserer Städte nicht beantwortet werden.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Nur Mut (Deutschland scheidet aus)!

Die deutsche Mannschaft war eine andere gegen Spanien. Sie wollte nur spielen, spielen wie die Spanier, das war immer das Ziel und dann waren sie da, die Spanier, zurück in der Zukunft, wie vor zwei Jahren - und standen der deutschen Mannschaft gegenüber.

Und die deutsche Mannschaft dachte, das brauche noch Zeit mit der Zukunft. Sie wären noch nicht soweit, dachten sie, wie vor zwei Jahren. So wurde es ein Spiel, das aus der Zeit fiel, kein Spiel im hier und jetzt, kein bedingungsloses Spiel, sondern ein fiktives. Gefangen in der Zeitschleife. Eine Mannschaft von heute gegen eine von morgen. Aber die von morgen hatte doch gestern schon so gespielt wie die Mannschaft von heute. Gegen Australien, England, Argentinien. Wo war sie geblieben, in welchem schwarzen Loch gefangen? Das eigene Spiel spielen, das Spiel beherrschen? Das Finale in Sichtweite standen die Spanier im Blick.

Die Mannschaft beherrscht von Respekt vor dem Halbfinale und Angst vor dem Gegner, vor der Mannschaft von morgen, vor der eigenen Courage. Der Glaube an das 'jetzt' ging verloren, war schon verloren vor Spielbeginn. Das Spiel ging verloren, weil in der Parallelwelt plötzlich die Bälle in Superzeitlupe flogen, die Pässe nicht mehr ankamen, jede Balleroberung Kraft kostete. Die Wege waren versperrt, die Spieler liefen den Spaniern und sich selbst hinterher, es gab keine Tempowechsel, keine Überraschungen, die Fehler häuften sich. So ging das Spiel verloren.
Und morgen? Werden sie morgen wieder von heute sein? Oder in vier Jahren? Wir werden den Spaniern nicht zum letzten Mal begegnet sein. Nur Mut.

Dienstag, 6. Juli 2010

Gastkommentar von Thomas Reis

Ein Gastbeitrag: Die neuste Kolumne meines Freundes Thomas Reis in der Frankfurter Rundschau
beschäftigt sich - na, mit was? - mit Fußball (vor dem Argentinien-Spiel geschrieben). Wunderbar.
Link: Reis' Parteitag: Heul doch, Argentinia!
Was ist das Leben? Fußball natürlich...





Thomas Reis

Freitag, 25. Juni 2010

Haben sie gespielt oder gerumpelt?

Nach der Niederlage gegen Serbien in der Vorrunde der Fußball-WM:
Das Vuvu-Säule meint: Von diesem überirdisch guten deutschen Fußball sei aber nun wirklich gar nichts zu sehen gewesen.

Liebes Vuvu-Säule, es ist nichts geschehen. Nur Fußball. Große Freude, große Enttäuschung, große Spannung. Wie so oft nah beieinander. Gegen Australien hat fast alles funktioniert. So etwas gibt es. Es treibt an und verleiht zusätzlich Flügel. Und zeigt die Möglichkeiten. Gegen Serbien kippte das Spiel schon am Anfang und konnte nicht mehr ins Lot gebracht werden. Verengte Möglichkeiten. Gelbe Karten. Und die Erkenntnis: In dieser jungen Mannschaft gibt es meist junge Spieler.

Dann kam die Nervosität, die überspielt werden musste mit gut gelaunten Pressekonferenzen, mit Interviews, die immer in dem Satz gipfelten: Wir haben keine Angst! Wir wissen, welches Wort dann im Kopf hängen bleibt. "Gelbe Karten", "Skandalschiedsrichter", "Scheitern", "Nachhause fahren" kamen dazu.

Dann betrat Ghana, der Angstgegner, das Schlachtfeld. Ganz in weiß der böse Prinz, der Ballack-Niederstrecker, der Bushido des Fußballs, über und über tätowiert, er musste dem eigenen Bruder ins Auge blicken, der, ganz in schwarz, mit kaltem Herzen für Deutschland edel ins Endspiel ging. Anpfiff.

Was wurde aus dem Drama? Ein spannendes Fußballspiel. Haben sie schlecht gespielt? Wie der alte Satz schon sagt: Die Mannschaft kann nur so gut spielen, wie der Gegner es zulässt. Ghana griff früh an und störte, was zu stören war. Pässe konnten abgefangen werden, Zweikämpfe wurden gewonnen, zu Beginn Angriffe auf den Ballführenden, später wurden die Räume zugestellt, dazu kamen zu langsame und ungenaue Zuspiele der schwarzen Ritter. Die deutsche Elf aber spielte und kämpfte und wurde am Ende belohnt, durch den einen, tödlichen Hieb, durch ein Traumtor. Der Gruppensieg - verdient.

Die lustige WM geht also weiter. Die WM der Obszönitäten, Ausraster, Verräter, Ohrfeigen, Staatsaffairen, Schwuchtel-Beschimpfungen, verweigerten Handschlägen, Kuss-Orgien, Fausthieben im Tor, italienischen Tränen, die WM des mäßigen Fussballs, der wendigen Asiaten, vergebenen Torchancen, der vergebenen 100prozentigen Torchancen, danebengreifenden Torhütern, verschossenen Elfmetern. À propos Elfmeter. England erwartet uns.
Bear we go!

Dienstag, 15. Juni 2010

Wie immer aber ganz anders

Wo sind wir hier gelandet? Die Presse überschlägt sich mit Komplimenten an den deutschen Fußball. Mehr noch: Die Angst geht um. Ein Gespenst. Deutschland gewinnt, aber ohne Rumpelfußball, wie geht das? Australier, Engländer, Italiener (vor denen muss keiner Angst haben nach dem Spiel gegen Paraguay), sind einig im Urteil. Grazil, brasilianisch, "zu viel Tempo, zu viel Bewegung, zu groß, zu stark, zu fähig, zu verdammt gut".. Mein Gott, was ist los? Es sind doch nur Cacau, Khedira, Özil, Podolski, Gomes, Müller, Klose... Ein paar Jungs, die spielen wollen. Eine bunte Gesellschaft. Das war nicht immer so.
1998 hatte es Frankreich vorgemacht: Weltmeister mit einer Nationalmannschaft, deren Spieler aus unterschiedlichsten Ecken kamen - und in der Abwehrspieler Tore schossen (damals etwas Unerhörtes). Mittlerweile ist Henri älter geworden, Zidane eine Ikone und der Rest spielt ohne Anbindung und mit Differenz zum Trainer. Keine Chance. Deutschland dagegen ist angekommen im modernen Spiel, als moderne Nation mit entspannten Zügen.

Die deutsche Elf, nach dem Motivations-Coach Klinsmann, hat jetzt einen Trainer, einen Übungsleiter, einen Menschen, der an seine Spieler glaubt, der den Mannschaftsgedanken neu bestimmt. Mit Vertrauen und einem 'Näschen' für eine lustige, stimmige Truppe. "Ich habe keine Krise 'Podolski' oder 'Klose' gesehen, ich wusste was sie können". Ja, weg von der Bayern-Maschine, raus aus dem FC-Sumpf, die Spieler kommen zusammen, die Spieler lernen lesen, kombinieren, haben Spaß, üben Passspiel und freuen sich am Fußball. Was für eine Revolution. Eine junge Mannschaft, die keinen 'Kapitano' brauchen, die einfach einen Kapitän hat - Lahm, ein Vorbild, einer, der läuft, arbeitet, führt und Pässe schlägt, die Overath und Netzer nicht besser hätten schlagen können. Passgenauigkeit, Ballgefühl, Rhythmus, fast ein Tanz, den wir da zu sehen bekamen. Ich habe 2:0 getippt und wurde enttäuscht. Die Art und Weise - ja - es war Kunst, es war Fußball, endlich. Egal, wie es weiter geht, dafür hat es sich gelohnt.

Lahm hatte Recht, nein, er ist nicht arrogant: Es ist die beste Mannschaft, in der er bisher...
Ja, ich will verzaubert werden vom Fußball. Ich habe den 1.FC Köln gesehen, 1964, deutscher Meister war die natürliche Folge, das WM-Finale 1966, Brasilien, Maradona, Messi, das 'Sommermärchen' mit Abstrichen. Und jetzt? Die WM hat ein außerordentliches Fußballspiel gesehen - nicht von Maradona, nicht von Messi, von England oder Frankreich...

Am Anfang bemängelte der Reporter: Zu wenig Bewegung. Was für eine Taktik! Die Australier stehen kompakt. Den Ball solange kreisen lassen, bis sich der Verbund auflösen muss, dann - Tempowechsel, durchstoßen in die Spitze, aggressiv - das muss man können - lange Pässe in Hochgeschwindigkeit, die ankommen, weiter geleitet, Seitenwechsel, freie Räume, neben das Tor, über das Tor, ins Netz, dass es fast zerrissen wird. Ein großes Spiel.

Wir werden sehen: Englands Torwart hält, Frankreich und Italien werden durchdachter spielen, aber Deutschland wird sich ändern können. Weiter so.

Sonntag, 13. Juni 2010

Die Uweseelers

Uwe - Uwe, so sangen die Deutschen in den 60ern, die Uweseelers waren überall und machten einen Höllenlärm. Klang damals nur tiefer und lauter, weil die vielen schwarz-rot-blonden Mädchen noch nicht mitkreischen durften. Ganz früher wurde in den Stadien Europas höchstens geklatscht, wenn eine Aktion gefiel, sonst hörte man nur das Klatschen der Fußballschuhe (damals noch schwarz) gegen das runde Leder (damals noch Leder), dann erfanden die Engländer den Gesang, heute ist das Stadionpublikum ein bewegter Körper, der aufstöhnt, in Unruhe ist, peitscht, schreit, schimpft, singt, jubelt, skandiert.

Und jetzt bei der WM in Afrika, was hören wir? Nichts mehr. Alles wird überdeckt von einem ohrenbetäubenden Huuupen. Die Vuvuzeelas sind überall, 90 Minuten lang, ohne Pause. Wir sind genervt, aber die Afrikaner sind glücklich. Sollen sie. Alles besser als Bushidos "Fahne raus" oder das bierwerbungskompatible Quieken halbnackter Blondinen in Dauer-Party-Stimmung. Oder?

Sowieso alles egal, unsere Jungs spielen heute Abend Fußball. Vor dem Fernseher sitzen wir - singend, peitschend, schimpfend und jubelnd, oder?

Freitag, 11. Juni 2010

TsweiTsausendTsähn werden wir Nöhlmeister sein.

Jetzt singen sie alle wieder unsere Nationalmannschaft in Grund und Boden. Wie vor vier Jahren Xavier, der so lange nölte "dieser Weg ist steinig und schwer", bis es die eigentlich gut gelaunten Spieler das endlich begriffen hatten und gegen Italien untergingen.
Wer verdirbt uns also dieses Mal die Laune? Bushido, der vom 'Stolz auf Deutschland' labert, noch bevor der Ball rollt? Und der meint, die Deutschen hätten die Nase voll von Politik, jetzt sei Spaß angesagt. Dazu passend hat unser Party-Keller Deutschland viele lustige Party-Deppen, die Klassenclowns, die sich hier Comedians nennen und jede Talkshow versauen müssen (mir graut schon vor Waldis Weißbier-Geblubber mit den ganz ganz wichtig-witzigen 'Experten'). Aber zurück zum Thema. Die Comedy-Stimme Matze Knoop, schon als Schröder-Beckenbauer unerträglich, muss seine Stimme unbedingt noch elektronisch verzerrten lassen und in Ballermann-Pose durch sein Video hüpfen, desgleichen schwängert sein Comedy-Kollege Pocher die deutsche, biergetränkte Luft mit seinem Gegröle, der Dummbeutel. Vor allem aber darf natürlich die Klon-Version von Xavier nicht fehlen, der 'offizielle' DFB-Song, keine Ahnung wie die Gruppe heißt, aber sie singt den gleichen Mist und nölt auf die gleiche Weise "TsweiTsausendTsäähn" wie ihr Vorbild. So wird Deutschland garantiert kein Weltmeister.

Montag, 31. Mai 2010

Das habe ich nicht gewollt!

Lieber Horst Köhler, das war ein Witz! 'Lena for President' war ein Witz! Zu spät. Horst Köhler hat eine Pressekonferenz gegeben. Er vermisst den 'Respekt vor seinem Amt' und tritt zurück. Mit sofortiger Wirkung. Was haben wir da angerichtet.

Vorwärts im Geiste des Raabismus - Lenanismus!

Wir sind Lena! Eine neue Ära deutscher Geschichte. Nach 'Wir sind Meister der Herzen' (Fußball), 'Wir sind Hartz IV' (Pro7), 'Wir sind blöd' (Baumarkt), wird in Deutschland fast alles zu einer geilen 'Wir'-Party - aber seit 'Wir sind Papst' wissen wir auch, dass der Schuss nach hinten losgehen kann. Doch bei Lena spielt Kindesmissbrauch nur eine untergeordnete Rolle.

Der Vorschlag, Lena das Bundesverdienstkreuz oder den Nobelpreis zu verleihen - wirklich eine gute Idee und eine realistische Einschätzung, denn mehr an (zumindest künstlerischer) Intelligenz ist in Deutschland nicht zu erwarten. Bedenken wir doch, wer bei uns Super-Mega-Star werden kann: MMM (Freeeiiiheit!) oder Quetschstimme Grönemeier.

In keinem Land der Erde hätte solche Musik eine Chance, geschweige denn ein Siegel oder Raab. Wieso also dieser 'Erfolg'? Ganz einfach. Hier wird abgestimmt zwischen zwei Frauen-Typen. Lena ist kein aufgeblasenes Titten-Monster in Glitter und Blond, die Puppen-Ästhetik ermüdet zusehends - sie ist 'unsere' Abiturientin, Schwiegertochter, trägt ein süßes, frisches Gesicht, ist gläubig und 'spontan'. Neue Natürlichkeit.

Noch nie ist ein unverbrauchtes Gesicht so schnell verbraucht worden. Dank der Medienschlacht von Rote-Rosen- im Bund mit TV-Total-Fernsehen. Der totale Schlager-Krieg, die totale Hysterie, der totale Werbe-Feldzug ließ niemanden mehr entkommen. Kein Zapping ohne das Lena-Gesicht, das frische, auf allen Kanälen, jeden Tag, alle 5 Minuten. Irgendwann tauchten dann doch ihre Titten auf den Titelseiten auf und am nächsten Tag wieder ihr Gesicht, das sagen darf, das sei doch alles ganz natürlich. Natürlich. Irgendwann schnellten die Hits (Zugriffe) auf You-Tube in astronomische Höhen - der Sieg wurde unausweichlich.

"Es ist nur Musik" sagt Lena auf einer Pressekonferenz und glaubt wahrscheinlich daran (das ist das einzig Gute), aber sie hat unrecht. Musik?
Das auf einen kleinen Rhythmus geschüttete, seichte Tonsüppchen, das dünne Stimmchen, der schottische Phantasie-Akzent. Traurig wenig. Ein einfältiger, schwacher Song, eine der typischen Musikflächen, die außer harmloser Glätte und Tanzbarkeit nichts zu bieten haben. Warum nicht der Mann mit Stimme und Gitarre aus Belgien? Dem fehlten wohl die alles überrollenden Medien-Panzer. Lena ist nur ein Beispiel für Musik aus Deutschland: Classic goes Pop, Pop goes Schlager, Schlager goes Piep. Und alle kreisen wie Satelliten um die große Geldmaschine.
Hier schreibt der Kulturpessimist, dessen Mäkeleien unerwünscht sind, angesichts des Spaßes, den Lena uns und Europa gebracht hat.

Schon im Vorfeld werden Spaß-Verderber, Kritiker, in die Ecke gestellt. In FAZ-NET ist zu lesen: "Dieses Mädchen hat es aber eben gar nicht nötig, jeden Ton zu treffen. Ihr unbefangener Auftritt, der schräge Charme und der kauzige Humor lassen Mäkeleien gestrig wirken." Meine Mäkeleien sind gestrig, ja, ich gebe es zu. Wie auch meine Hoffnungen auf ein spielerisches Theater, oder Solidarität, oder Kunst, oder gutes Fernsehen... Und ich gebe zu, wenn ich ihr gegenüber sitzen würde, vielleicht wäre ich auch bezaubert, ganz im Stillen, ohne Bühne, ohne Raab, ohne Kamera. Aber für heute bleibe ich Euer Spaß-Verderber und fürchte mich bereits jetzt vor der hysterischen Public-Party für den 'Weltmeister der Herzen'. Hier wird der Fußball auf der Strecke bleiben, wie die Musik beim Grand-Prix, der im nächsten Jahr nach dem Karneval, der Love-Parade und dem CSD zum zentralen Party-Event werden wird.

P.S.: Lena for President!

Dienstag, 18. Mai 2010

Botho Strauß hat über Jutta Lampe und über das Theater gesprochen

Letztes Jahr hielt der Autor Kehlmann eine Rede zum 'Aktualisierungs-Theater' unserer Tage und bezog Prügel von den Theaterhysterikern, die um sich schlagen, wenn tatsächlich jemand ruft: die sind ja nackt! Lapidares Fazit damals: Tilman Krause schrieb in Welt-online "Das Theater ist inzwischen kein Muss mehr. Es hat seine Zeit gehabt". Dem widerspricht jetzt Botho Strauß, der Theaterautor und denkende Mensch, der in einer Laudatio auf die Schauspielerin Jutta Lampe an die Möglichkeiten und den Zauber des Theaters erinnert. Er kritisiert die Schausteller des "wunderlosen Theaters", das sich "zum Reservat von Dummheit und Bildungsferne entwickelt" habe. Und schon geht es wieder los. Wenn es nach Herrn Khuon (Intendant) gehen würde, sollte man "so ein Gerede" so schnell wie möglich vergessen: es "disqualifiziert sich selbst".

Strauß hatte gewagt, das Theater durch sein Zentrum zu würdigen: die Schauspieler, hier die Schauspielerin Jutta Lampe, die Medium ist, im Spiel, die sucht und entdeckt, die unfertig und klar, verwirrend und stark, leuchtend und zart, Rollen zu Figuren und Figuren zum Leben bringt. Das war und bleibt der Sinn des Theaters, er wird verkörpert von solchen Schauspielerinnen. Die Hunde aber wollen das nicht hören, sie fühlen sich getroffen und bellen. Diejenigen, die das Theater und seine Kraft zu Tode bringen, die auf ihren Marktplätzen grellbunte Bühnenspektakel feil bieten müssen, wie im Zwang, immer und immer wieder, als Fans der Entgrenzung, von jeder Geschichte, jedem Sinn befreit.

Und immer dann, wenn doch ein paar kluge Theaterleute daran erinnern wollen, dass Theater mehr sein kann, mehr sein muss, als eine Benutzeroberfläche, die Schauspieler zu Statisten von Installationen macht, wird die Keule geschwungen. Hilfe bekommen die Hysteriker von der versammelten Mannschaft der Dummbeutel, die das Theater wie einen Zirkus betrachten wollen, der sich um sich und um sie selbst drehen soll.

Ja, dieses Theater ist jung und tot, verstörend und langweilig, eitel und ohne Impuls, es gebiert höchstens die immer gleichen Skandale, die immer die gleichen Reflexe auslösen. So beherrschen Regisseure und Dramaturgen mit ihren Medien-Events die Kulturmagazine, die Zuschuss-Töpfe und die politische Debatte wie die Sternchen aus Soaps die Regenbogenblätter.

Ende nicht absehbar. Und übrigens - ich finde, Theater ist ein Muss.

hier die ganze Rede
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Samstag, 15. Mai 2010

Theatertreffen

3Sat, der Kultursender, überträgt Theater. "Die Kontrakte des Kaufmanns", Jelinek, Berliner Theatertreffen. Ich wollte das Stück schon in Köln sehen. Einige sagten: "Das ist witzig, sehr kritisch, ein toll gespieltes Experiment", "spannend", sagte jemand, obwohl der sowieso immer alles "spannend" findet. Wie dem auch sei - das Stück soll sein: Textverarbeitungsmaschine, Performance. Also das Übliche, denke ich. Also mal reinschauen, denke ich. Also schaue ich in die Röhre und staune.

Es ist ein einziger Kindergarten. Warum, warum? Warum diese Textflächen voll von Allgemeinplätzen, voll von kabarettistischen Witzeleien? Elfriede Jelinek hat geschrieben und geschrieben und schreibt weiter. Warum vier Stunden? Warum müssen wieder echte Menschen an echten Reglern von echten Mischpulten sitzen um alles echt regeln zu können, auf der Bühne? Warum müssen junge Schauspielerinnen immer als junge Schauspielerinnen erscheinen und ihren Text verkichern, verzappeln, verkreischen? Warum muss die gute Maria Schrader im rosa Seidenkleid über Kleinanleger und Geld vom Blatt lesen, lesen, lesen? Es zappelt und zuckt, es kichert, ein Kindergarten mit Zetteln und Dreck auf dem Boden, verklebt, an der Rampe eine Laufschrift und im Hintergrund - na - was? Genau. Eine riesige Projektionswand! "Was er verdient", heult ein junger Schauspieler, dann wird wieder geröchelt, gehechelt, gelallt. Die gute Dürrenberger spricht klar, aber man hängt ihr dabei Papp-Euros um den Hals - Mühlsteine? Ja. Die Symbolik ist platt, platter geht's nicht. Dämliche Textflächen-Lieder werden möglichst schief gesungen. - Lustig? Ja. Wahnsinnig lustig. Parodie auf Niedecken. "Dat System - dat krisde wirklisch nit mieh hin"... Allerdings. Das System Theater, das ohne diesen Kindergarten kein Theater mehr spielen kann, darf.

Das Fernsehen braucht keine Fernsehregie mehr, es kann alles von der Video-Wand nehmen. Diese verwischten, unruhigen, verwackelten Handkamera-Bilder, möglichst nah heran an die Schauspielerin - deren Mund ist blutverschmiert. Natürlich. Die kichert und blutet und labert. Mikroport an die Backe geklebt. Westerwelle-Papiermasken, toller Regieeinfall. Der Kapitalismus - na? Genau. Wolfsmasken. Die Wölfe zerfleischen das Mädchen, das dann den Mund blutig hat und schreit, Mikroport an der Backe, Text auf dem Zettel, Wolfsmaske am Hals, Nahaufnahme, sie windet sich. Toll.
Der junge Schauspieler hat ein Mikro zusätzlich in der Hand und mimt den Entertainer und versucht das echte Publikum zu animieren: Minutenlang skandiert er: "Wir sind alle individuell!" Das Ensemble ruft mit, das echte Publikum, junge Leute, sie machen zaghaft mit und mimen ein bisschen Pop-Konzert. Muss sein. "Wir sind alle individuell" - wow - total witzig. Das ist Kölner Schauspiel beim Theatertreffen. Ja. Seid stolz, mehr gibt es nicht.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Das Amt

berichtet dem Kulturausschuss, es würde schon durchaus eng werden, durch die Haushaltslage, die Krise, aber, so heißt es, trotz aller Beschränkungen seien zurzeit "noch keine irreparablen Einbrüche zu erkennen". Und weiter: Bei der Umsetzung der Sparvorgaben werde das Kulturamt "bemüht" sein, vor allem "bestehende Strukturen so gut wie möglich zu sichern".

Die freie Kultur trocknet aus. Kunstprojekten und Veranstaltern, die in langjähriger Arbeit Kultur in Köln prägen, werden lächerliche Summen gestrichen und damit wird deren Arbeit existentiell gefährdet. Das Theater am Sachsenring musste bereits den Betrieb ganz einstellen, weil selbst eine (vom Kulturausschuss bewilligte) Liquiditätshilfe vom Kulturamt nicht ausgezahlt wurde. Soviel zu den "Bemühungen".

Montag, 3. Mai 2010

zum Tag der Pressefreiheit:

Letzte Woche bat mich die Bild-Zeitung um ein Statement, ungefähr so: kleine Theater bekommen kein Geld, Griechenland Milliarden. Man schickte einen Fotografen, ich setzte mich auf die Bühne - ich sollte traurig schauen - dann schrieb ich fröhlich mein Statement:

"Ja doch. Hilfe für Griechenland. Stellt Europa auf die Füße! Geld für die Menschen, Geld für die Kultur. Kein Geld für Häfen ohne Schiffe, Bauten ohne Bewohner, Spekulanten ohne Moral.

Geld ist da, es fließt nur in die falschen Kanäle, während das soziale Leben trockengelegt wird.
In Köln wird das Theater am Sachsenring geschlossen, 60.000.- € Zuschuss sind zuviel. Aber ein paar Meter U-Bahn müssen gebaut werden, Löcher und explodiere Kosten, für die KölnMesse werden ca. 350 Mio. zuviel ausgegeben - plus zusätzlich einige hundert Millionen Strafe an die EU (Bau ohne Ausschreibung).

Das Pokerspiel um Geldblasen führt zum Kollaps. Und der Staat spannen den Rettungsschirm auf über dieser Pokerrunde.
Drink doch eine mit, stell disch nit esu aan, häs de och kein Jeld, dat is janz ejaal..."

Dieses Statement wurde (natürlich) nicht gedruckt. Passte nicht zur Kampagne "Griechen wollen unser Geld".

Donnerstag, 15. April 2010

Neubau von Schauspiel Köln ist vom Tisch

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Erst im Dezember 2009 wurde der Bau eines neuen Schauspielhauses beschlossen und damit der Abriss des maroden 60er-Jahre-Hauses und eine Neugestaltung des Offenbachplatzes.

Am 14. April 2010 wurde nun dieser Beschluss wieder rückgängig gemacht. Zu teuer, fand die freie Kultur im Bündnis mit der Intendantin Karin Beier im Bündnis mit Alfred Neven DuMont. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften, um eine Volksabstimmung durchführen zu lassen, die dann darüber hätte entscheiden müssen, ob das Volk Neubau oder Sanierung will. Übrigens: Mut zu Kultur hätte Sanierung bedeutet. Doch! Aber dazu kam es nicht mehr. Der Stadtanzeiger jubilierte, das sei ein Sieg des Volkes, das allerdings, wie gesagt, noch gar nicht abgestimmt hatte.
Das aber durfte niemand mehr behaupten.

Irgendwann möchte ich doch zu gerne wissen, welche handfesten Interessen dazu geführt haben, diese Kampagne so mit aller Macht zu Ende zu bringen. Denn dass eine Sanierung billiger werden wird als ein Neubau, daran glaubt schon zwei Tage nach dem Beschluss gegen den alten Beschluss niemand mehr. Sanierung ohne Kostenexplosion? In Köln? Wäre das erste Mal, oder?

Jaja. 2010. Das sollte ursprünglich mal das Jahr der Kulturhauptstadt werden, dann das Jahr des Aufbruchs in die Ära einer Kulturstadt, dann wurde ein Kulturentwicklungsplan entwickelt, der 2009 erschien, um 2010 in die Tonne geklopft zu werden.
Die freie Szene trocknet aus, ein Theater hat schon schließen müssen, der Neubau ist vom Tisch. Kultur wird zu teuer.

Da fehlen mir die Worte. Na ja, fast.

Dienstag, 16. März 2010

Schnee von gestern - frisch gefallen


ZINNOBER probt an geheimem Ort für das nächste Konzert im 'Alten Pfandhaus' in der Kölner Südstadt. Alte und neue Songs. Am 1. Mai um 20 Uhr werden sie gesungen und gespielt. Hier einer der Songs, der schon in dem Stück "Für alle Fälle Fritz" Premiere hatte. Jetzt also mit Gesang, Vibraphon und Bassgitarre.

Kind im Manne

Wir liegen ineinander fest verschlungen.
Mir war, als hätt' ein wildes Tier gesungen.
Wir öffnen uns und fühlen uns als Paar.
Mir ist, als wenn da schon mal etwas war.

Ich stecke tiefer drin von Nacht zu Nacht.
Die Frauen denken doch nur an das Eine.
Sie brüsten sich und zücken ihre Beine
Und ich bin wieder um den Schlaf gebracht.

Mein Kind im Manne steht noch gut im Futter.
Es bleibt mein Kind und ich, ich bleibe Mann.
Die Frauen finden's Kind und finden dann,
Es ist so süß- und spielen gleich die Mutter.

Sie finden es so hilflos und erziehen
Das Kind im Manne und den Mann gleich auch.
Das Kind wird mager und der Mann kriegt Bauch.
Dann stirbt das Kind und mann kann nicht mehr fliehen.

Wo bleibt die Leidenschaft, der lange Kuss?
Sie sind vergangen schon nach ein paar Tagen.
Man fragt sich still und stellt doch keine Fragen
Und tut, was man schon lange tuen muß.

Ich will mit Frauen praktisch nichts mehr klären.
Ich habe Sehnsucht und ich habe Lust
Und kriege doch nur noch die Mutterbrust
Und liege zwischen messerscharfen Scheren.

(Fritz)

Sonntag, 21. Februar 2010

Pullunderträger, Kabarettgänger, SPD-Wähler, Rotweintrinker,

Seid modern, aufgeschlossen, schreibt Leserbriefe und sitzt im Theater, lasst euch langweilen und findet das normal. Ihr wollt schließlich nicht als Rotweintrinkende Spießer gelten, deshalb findet ihr jedes Herumbrüllen auf der Bühne, jede Projektion und jeden Spritzer 'interessant'. Ihr lasst euch gerne quälen, das gehört zum Deal. Kunst muss unbequem sein, so habt ihr es im Feuilleton gelesen. Wer Kunst will, muss leiden können.

Arme Verstörte. Die Miniatur-Bewegungsübungen in Endlosschleife, das ewige Vor und Zurück, das unverständliche Gemurmel, das war nur eine neue Wahrnehmung, so findet ihr, von "Dantons Tod". Ein neues Konzept. Im Kölner Schauspielhaus war es gar nicht langweilig, nein, die dummen Zuschauer, die immer noch glauben, im Theater könne man ein Stück sehen, haben ihre Langeweile bloß "mitgebracht". So wird unter 'Kommentare' auf der Website fleißig geschrieben. Zum Beispiel von einer Tante, die ich mir so vorstelle: Am Computer ins Facebook eingeloggt, hat sie zunächst eine virtuelle Glücksnuss geöffnet, hat neue 'Freunde' 'geaddet', hat sich als Fan von Volksbühnen-Casdorf und Söhnke Wortmann eingetragen und schreibt nun auf die Schauspiel Köln-Seite: "das Textbuch aber ist gar nicht das Stück". Ganz, ganz frische Erkenntnis. Alles ist Fragment, alles ist relativ. Toll.

In der Literatur geht's jetzt auch schon los. Die kleine Hegemann, diese 17jährige Schriftstellerin mit der wilden Haarsträhne, die diesen wahnsinnig zeitgenössischen, jungen Sound hat, schreibt auch in Fragmenten, geklaut aus einem Internet-Blog. Und schon ist sie Bestsellerin. Was ist daran schlimm? Brecht hat auch geklaut. Allerdings wurden aus den Anleihen neue Stücke. Das macht die Sache so unmodern. Wir brauchen keine 'Werke', ihr Jazz-Liebhaber, Bücherleser. Technik und Lärm sind das Prinzip. Downloaden, uploaden, zwischen zwei Buchdeckel, dann auf die Bühne, nochmal gesplittet und garniert mit Videoclips, das ist 'modern'. Ein Stückweit nackt, ein bisschen Feuchtgebiete, fertig ist der Sound. Echte, verstörte Menschen im Zuschauerraum und auf der Bühne, in Talkshows und in Büchern. Und den Rotweintrinker schauert's.

Trotzdem wird die Hegemann plötzlich kritisiert. Hat da wieder jemand etwas nicht verstanden? Keine Sorge. Schon erscheint ein Artikel über das ungerechtfertigte Niedermachen der Hegemann, nur weil sie in die Männer-Domäne einbricht. Moment, wo ist der Zusammenhang? Ach stimmt, der spielt ja keine Rolle. Beinahe hätte ich mich als Pullunderträger geoutet.

Gute Nacht

Dienstag, 16. Februar 2010

Mut zu Kultur - Welcher Inhalt hinter welcher Fassade?

Vor einem Jahr ahnte am Rosenmontag noch niemand, dass die Jecken und die Zuschauer einem großen Unglück nur knapp entkommen würden. Auf der Severinstraße brach das große Haus, in dem das Archiv der Stadt untergebracht war, ein und versank in einer Baugrube für die Nord-Süd-U-Bahn. Nach dieser Katastrophe wirkten die Südstädter eher leise, nachdenklich, traurig in ihrer Empörung über den Einsturz und den Tod zweier Menschen. Das habe ich gesehen. In diesem Jahr gab es zu den Gesängen, dem Schwung und der Farbe im Rosenmontagszug auch eine Politisierung, die über den Zug hinaus ging. 

Nach einem Jahr wissen wir, dass Eisenbügel zur Stabilisierung gestohlen, Protokolle gefälscht wurden, die Aufsicht untätig blieb, sich eine Lüge auf die andere türmte. Die Liste an Schlamperei, Lüge, Korruption, Diebstahl und Betrug ist so lang geworden, dass sie selbst für Kölner Verhältnisse ein unglaubliches Maß erreicht hat.
Nun ist die Wut über Verwaltung und Politik laut und hörbar, die Wut über die kriminelle Energie mit der eine ganze Stadt beschädigt wird - die Menschen haben die Nase voll!
Der Einsturz des Stadtarchivs bedeutete die bisher tiefste Zäsur im städtischen Leben der letzten Jahrzehnte.

Die Kölnerinnen und Kölner wollen sich nicht länger gefallen lassen, dass eine Versammlung von Ahnungslosen, Bestechlichen und Bürokraten uns weiter diktieren dürfen, welche U-Bahn wir brauchen, welches Schauspielhaus gebaut wird, welche Kultur finanziert werden soll. Dass uns das Sparen gepredigt wird, während sich Ratsherren die eigenen Taschen füllen, oder die ihrer Freunde.
Daher ist die Stimmung gut ausgedrückt in der selbstironischen Wendung "Ihr seid Künstler und wir nicht", die Schals mit dieser Parole von Pappkünstlern in den Himmel gereckt wie von Fußballfans, das Lied dazu fast anarchisch, der Karnevalswagen mit den Köpfen Kölner Künstler begleitet von vielen Helfern, die Unterschriften sammelten, um einen Volksentscheid zur Rettung des alten Schauspielhauses zu erreichen. All das ist ein überfälliger Impuls, ein guter Impuls im verschlafenen Köln, das habe ich gesehen. Die Leute, die nicht unterschreiben durften, weil sie keine Kölner sind, waren enttäuscht.
Wir können uns einmischen. Mit Witz und Biss, das habe ich gesehen.

Mut zu Kultur allerdings braucht Mut, die Frage differenziert zu betrachten. Ein neues Schauspielhaus - ja oder nein - das ist zu wenig.
Der ursprüngliche Entwurf sah einen Neubau des Schauspielhauses vor, endlich, im Zentrum der Stadt, mit Lichthof, unterirdischen Werkstätten, sehr charmant, ein neuer Platz im Blick des Doms. Nach 34 Jahren war eine Entscheidung gefallen. Alle waren dafür.

Aber: siehe da, der Kostenplan hatte leider keine Technik vorgesehen. Also wurde der Bau teurer. Doppelt so teuer. Der Beschluss zum Neubau wurde ausgesetzt. Dazu kam pünktlich die Wirtschaftskrise.
Es sollte also gespart werden. Die neue Computeranimation zeigte nun einen uncharmanten Glasklotz. Genehmigt. Eine wache Kulturszene hätte spätestens jetzt eingreifen müssen mit Aufforderungen wie: Mut zum neuen Haus. Form für Inhalt. Nicht wieder alles klein sparen. Ein paar Beraterverträge, ein paar illegale Bauten weniger, dann könnte das Geld reichen. Aber:

Die Intendantin spricht sich plötzlich dafür aus, nicht neu zu bauen, sondern das alte Haus zu sanieren, weil sie das Geld für die Kunst aufsparen will. Als wenn schon jemals Geld für die Kunst übrig geblieben wäre, wenn sich die Künstler an anderer Stelle bescheiden.

Die Stadt wird verplant und verkauft. Der Zusammenhang von Lebensraum, Stadtplanung und der Platzierung von Kultur, von künstlerischer Arbeit und wirtschaftlichem Aufschwung ist hier, und nicht nur hier, noch nie gesehen worden. Deshalb ist auch eine Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas so kläglich gescheitert. Eindimensionales und verwaltungstechnisches Denken führt zu immer den gleichen folgenschweren Fehlentscheidungen. Die freie Kultur wird zu Grunde gespart und mit ihr die Kultur der vielen Stimmen.
Ohne diese Stimmen aber wird das Projekt 'Theater' ein bloßer Streit um Baukosten. Aber:

Eine in komplettem Chaos verharrende freie Kulturszene, die klaglos fast alles hinnimmt, von Kürzungen bis Theaterschließungen, versammelt sich jetzt im 'Kölner Komment', einer Art Bürgerversammlung mit langen Bürgerreden, die nach einer langen Zeit des Schweigens plötzlich ein Bürgerbegehren initiiert: "Inhalt vor Fassade". Eine Initiative, die genau die oben genannten Zusammenhänge ignoriert. Rettet das Schauspielhaus? Und alles andere geht unter und alle schweigen weiter?
Nehmen wir uns noch einmal 10 Jahre Zeit über Pläne, Inhalt und Form, Computeranimationen und Experimente zu debattieren? Für was oder wen? Es wird gespart. Am Haus und an der Kunst. Die freie Szene wird in den letzten Zügen liegen - und wir waren dabei. Herzlichen Glückwunsch.
Sind wir eingeschlafen, verblödet oder nur kampagnenblind?

Immerhin hat die Initiative "Mut zu Kultur" einen besonders prominenten Unterstützer. Er hat in seiner Zeitung immer schon den Stellenwert der Kultur abgebildet: Alfred Neven DuMont, der sich persönlich zu Wort meldet (wie sonst zur Wahl eines OBs oder FC-Präsidenten):

"Es ist vor diesem Hintergrund nicht unerheblich, ob sich die Kölner Bürger mit ihrem Engagement durchsetzen werden. Ich persönlich möchte den Initiatoren Erfolg wünschen und anmelden, dass ich mich in meiner Eigenschaft als Ehrenbürger dieser Stadt gerne hinter die grundsätzliche Überlegung der Initiatoren stelle." Na dann...
Sollten wir uns nicht doch noch die Frage stellen, welche Interessen am Offenbachplatz hier aus dem Hintergrund ragen? Was machen eigentlich Neven DuMonts Freunde Oppenheim und Esch?

Gute Nacht

Montag, 25. Januar 2010

Hamm

Auf den kleinsten Bahnhöfen heißen gewisse Örtlichkeiten, Entschuldigung - Locations - nicht mehr Toiletten, sondern "Mr. Clean". Ja.

Ja. Und in Hamm gibt es seit neuestem die Aktion "Mapping the region"!
Was wird hier gemappt? Unbekannte Schätze? Werden die letzten weißen Flecken kartografiert, unentdeckte Volksstämme gefunden? Es gibt, wie wir von Menschen wissen, die witzig sein müssen, Geschichten über Eingeborene, die rau aber heatzlich sind, "Wodka Wick Blau" trinken und Körriewuast essen. In Hamm gibt es zu alledem noch ein neues Projekt: die "Local Hero Woche". Nicht bei McDonalds, nein, ganz Hamm macht Kunst, local Kunst. Hamm ist nämlich im "Netzwerk" Ruhr 2010 Kulturhauptstadt Europas. Ja. Mister Local singt:
If you can make it there, you make it anywhere! Tschauiii. Gib mich nochn Pils.

Noch etwas:
Ich mag Podolski. Ich will, dass er für den 1.FC Köln stürmt. Immerhin haben wir uns das alle jahrelang gewünscht. Und er sich auch. Ich habe noch die wunderbare Szene im Kopf, als er sich in Müngersdorf beim Spiel gegen die Bayern nach dem Tor an die Brust klopfte, wo das Herz schlägt und der Geißbock meckert... allerdings war das Tor für die Bayern. Aber er hat auch für den FC schon ein Tor gemacht. Ich glaube es war vor fünf Monaten. Nein, ich bin nicht sarkastisch. Ich mag Poldi. Novakovic ist schon eher die Zicke. Seine Torausbeute, schweigen wir.
Gestern Sonntagsspiel in Wolfsburg. Beide nicht dabei. Was aber macht die Rumpfelf? Sie spielt zusammen. Sie schießt in einem Spiel 3 Tore. Drei. Und sie spielt und sie zeigt Moral und sie gewinnt das Spiel. Nein. Ich mag Poldi. Ich will dass er spielt. Wirklich.

Donnerstag, 21. Januar 2010

Kunst im Bau

Sind wir nicht schon genervt genug? Brauchen wir nicht auch Orte, an denen wir nur sitzen, oder warten oder essen und trinken dürfen ohne genervt zu werden? In der Kneipe müssen wir einen Platz finden mit ausreichendem Abstand zu den wummernden Lautsprechern, denen wir schon aus dem Straßenverkehr versucht haben zu entkommen. Dann die Blickrichtung. Nicht ständig auf die esoterischen, bunten, traurig gepinselten Bilder schauen müssen, die Veedels-Künstler aufhängen dürfen.

Und nun? Die U-Bahn, die neue, kurze, ist noch nicht eröffnet, schon wird "Kunst" geplant. Die "Neumarkt-Collage" am Neumarkt oder die "Kölner Köpfe" am Appellhofplatz sind schon unvergesslich genug. Nun soll uns also bunte, schrille Performance-Malerei (Kneipenkunst in Riesenformat) von ruhigen Momenten abhalten. Der Vorstandssprecher der KVB spricht von einem "bedeutenden Kunstprojekt". Diese Sorte Vorstandssprecher schauten im vorigen Jahrhundert zuhause auf einen traurigen Clown, bevor sie sich ein einen solchen verwandelten. Heute sind Clown und Zigeunerin im Goldrahmen ersetzt worden von digitalen Fotorahmen und Video-Projektionen. Der Vorstandssprecher fährt fort mit einem weiteren auswendig gelernten Verlautbarungsbaustein: "Spannungsfeld zwischen Kunst und Architektur". Dann kommt noch unser Kulturdezernent Quander: "Attraktivierung des unterirdischen Stadtterrains". Aua. Unterirdisches Geistesniveau ist somit ausgewiesen. Diese Köpfe sind innerhalb ihres Hohlraumes mit Sicherheit bunt bemalt und beinhalten Büroschränke mit Satzschablonen. Das muss genügen.

Einer der prämierten Kunstentwürfe für 1,5 Millionen Euro ist kein trauriger Clown, nein, eine Video-Projektion. Buntes Thema: Papageiennest.

Liebe Leute! Der Einsturz des Stadtarchives war KVB-Performance genug. Lasst uns einfach in Ruhe Bus fahren.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Die Blauen, die Roten und die Gelben

Die neue Vorzeigediktatur China lässt keine Gelegenheit aus, zu zeigen wie's geht.

Wer Bauprojekten nicht weichen will, wird umgesiedelt oder totgeschlagen. Wer dagegen protestiert, wird totgeschlagen oder eingesperrt. Einen Schriftsteller hat man für seine Unterschrift unter eine Charta für mehr Demokratie zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Zukunft hat begonnen. Der Internet-Konzern Google, der mit den Zensurbehörden Chinas immer friedlich zusammengearbeitet hat, also bestimmte Begriffe gar nicht erst suchte oder anzeigte, erlebt erstaunt einen umfassenden Hacker-Angriff auf Daten von Oppositionellen, damit auch diese gefunden und eingesperrt werden können. Und jetzt entdeckt Google sein Gewissen (Marktanteil in China ist ohnehin nur 20%).

Im Kino läuft der Film 'Avatar', der umgehend bei den Chinesen so gefragt ist, dass die Diktatur erneut eingreifen muss. Das liegt offenbar an der Geschichte. Es geht um Zwangsumsiedlung. So etwas kann sich nur auf einem fremden Planeten abspielen, oder in China, kommentieren Zuschauer im Internet.
Folge: Der Film wird nur noch in 3D-Kinos gezeigt, ist also praktisch verboten.

À-propos Avatar. In Amerika wirft man dem Film Rassismus vor (Erst ein Weißer in blauen Haut zeigt den blauen Wilden, wie man sich befreit). In Russland fordern die Kommunisten (Weiße in roter Haut), die Macher in Haft nehmen zu lassen, da die Geschichte einem russischen Schriftsteller gestohlen worden sei.

Kunst ist gefährlich. Heute blau und morgen blau und übermorgen wieder...

Dienstag, 19. Januar 2010

Etwas Positives

soll ich schreiben, riet mir jüngst eine Freundin. Ich willigte ein und legte mich ein bisschen auf mein Ohr, um Ruhe zu finden.

Ich wache auf, weil Geschirr und Bücher aus den Regalen stürzen. Die Tapete reißt auf: Dahinter gähnt eine Leere, die mit einem Mal von gleißendem Licht durchschnitten wird. Ein komischer Mann mit vorgeschobenem Unterkiefer singt: "Wir sind alle deine Kinder". Der Herr Westernhagen, so heißt der Nachbar, quetscht ein paar Töne aus seiner Lederjacke, während der Schutt dampft und Steine stürzen. "Ein kleines bisschen Sicherheit", schreit ein verletzter Junge zwischen den Trümmern meines Hauses, während eine Frau mit dickem Bauch, die draußen auf der Straße sitzt, leise nach dem letzten Einhorn Ausschau hält. "Ein Herz für Kinder" flüstert sie und senkt den Blick. Am Ende der langen, gewundenen Straße kommen die Helfer und bauen Kräne, Schienen, Transformatoren, Scheinwerfer und Kameras auf. Es wird eine große Show. Da erwache ich aus meinem Traum.

Ich hörte aus der Ferne einen Programmhinweis des ZDF.
Eine raue Stimme wie aus einem Abenteuerfilm ist zu hören. Die Stimme rollt unaufhaltsam, wie ein Tsunami, in mein Wohnzimmer: Zu einer lustigen Musikuntermalung sieht man weinende Kinder, überblendet mit Verletzten und Häuserruinen. Logo: "Ein Herz für Kinder". Klebt auch auf den Autos, die uns die Vorfahrt nehmen, neben "Baby an Bord" und Schäferhundkopf. Ein Wackeldackel nickt durch das Rückfenster. Auf der Ablage die BILD: "Supermodel Claudia Schiffer: Hier zeigt sie ihr süßes Baby-Bäuchlein!"

Die Stimme, heiser raunend, fährt fort: "Eine Woche nach der verheerenden Katastrophe in Haiti kämpfen die Menschen um's Überleben" - Pause - die Stimme hebt sich: "Die Spendengala im ZDF! Mit Thomas Gottschalk und Steffen Seibert! An den Spendentelefonen sitzen Wolfgang Joop und Felix Magath" -

"Hallo Deutschland", grüßt eine Blondine in die Kamera und flüstert bedeutungsschwanger: "Die große Spendengala, die das ZDF gemeinsam mit der BILD-Zeitung veranstaltet..." (das größte deutsche Lügen- und Busenblatt wird später in der Sendung mehrmals erwähnt, wie auch die Bayer AG, Siemens, Lidl usw). "Die Proben mit Thomas Gottschalk laufen bereits auf Hochtouren" - Liveschaltung. "Ein paar prominente Namen sind schon gefallen" - "die Telefone laufen, hoffentlich, heiß", wenn Prominente den Hörer abnehmen.

"Welche Highlights erwarten uns denn noch?
- Ja hier auf der großen Showbühne, da werden erscheinen Silbermond ('Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit'), Peter Maffay ('Ewig'), wir haben Chris de Burgh hier ('The long and winding road' im Playback-Verfahren vor Video-Clip mit blutendem Kind), wir haben Sarah Connor hier, das heißt wirklich große Acts sind dabei - aber - es wird auch ernsthafte Gespräche geben... "

Ich erwache nicht. Es ist kein Traum.
Die Deutschen spenden, aber nicht ohne dass man ihnen vorher den Kopf zumüllt und das Gemüt verklebt. Hat es im ZDF jemals ernsthafte Gespräche gegeben, ohne dass es um den Verkauf der nächsten Platte oder die Vermarktung des nächsten Kitschfilms ging? Wenn in einer solchen Sendung schon keine Dichter und Denker auftauchen dürfen (wegen der Quote), warum dann auf halber Strecke stehen bleiben? Ein bisschen mehr Titten, König von Mallorca, Silbereisen, Naabtalduo, Carpendale, Tony Marshall und - ein bisschen Spass muss sein - der original Roberto (Tahiti) Blanco. Die gut platzierte Werbung für die Milchwirtschaft, deutsche Wertarbeit und Haribo versteht sich von selbst, denn sie hat Moral-Gütesiegel. Dann fragt auch niemand mehr: Wo bleibt das Positive?

Jenseits der Show helfen Freiwillige, Retter, Ärzte und operieren, graben, verteilen, wühlen sich bis zur Erschöpfung durch die real existierende Hölle.

Diese Menschen sind das Positive.

Sonntag, 17. Januar 2010

Dantons Tod

Nach ungefähr 20 Minuten bekam das Stück auf der Bühne des Schauspielhauses endlich Rhythmus. Es begann das nicht enden wollende Türenklappen, nicht etwa skandalisierter, sondern zu Tode gelangweilten Zuschauer, die an bereits Eingeschlafenen vorbei ins Foyer drängten. Nach einer Stunde war auch bei mir die Erträglichkeitsgrenze überschritten. Dem Programmheft konnte man durch die Bilder entnehmen, dass die verwuschelten, mehr oder weniger bekleideten Darsteller bis zum bitteren Ende ihren Text nuscheln, und dabei Füßchen links, Füßchen rechts, Händchen auf, Händchen ab spielen würden.

Dem Programmheft, in dem nach einer halben Stunde in meiner Umgebung alle anfingen zu blättern, konnte man durch Texte ebenso entnehmen, dass es sich bei den Schauspielschüler-Bewegungs-Übungen um "Idiorhythmie", um "Erschöpfung" und "Ermüdung" drehte.

Konzept! Wieder einmal dürfen wir Zuschauer den Kopfgeburten eines Regieteams beiwohnen (diesmal 'Chétouane'), das aus einem großartigen Stück Theaterliteratur, eine flächige, bräsige, dummdreiste Inszenierung macht.
Versatzstücke der Beliebigkeit, Schritte, Gesten, Drehungen, Handbewegungen in Endlosschleife, sollen vielleicht Müdigkeit und Ausweglosigkeit der Gesellschaft behaupten. Endloses, tonloses Nuscheln dünner Mädchen, lange Texte mit englichem Akzent - ja, so ist die Welt! Kurz und gut, wir müssen, wenn wir den Raum nicht verlassen, zuschauen, wie Schauspielschülerinnen oder Tänzerinnen oder Schauspieler oder 'echte' Menschen - egal - uns den letzten Nerv rauben dürfen. Den Zurückgebliebenen möchte man zurufen: Kündigt die Übereinkunft auf, dass Publikum gequält werden muss. Es muss nicht. Und die Schauspieler möchte man zum Widerstand aufrufen, wenn immer wieder von ihnen verlangt wird, ihre Kunst zu vergessen.

Die Menschen, die ich im Foyer traf, Enttäuschte, die das Theater lieben, fanden, wie ich, den erreichten Wendepunkt auch kritisch für die Intendantin in ihrer zweiten Spielzeit. Die Frage taucht auf, was mittlerweile der Unterschied sein soll zwischen der von der Presse in Bausch und Bogen heruntergeschriebenen Ära Marc Günthers, zu der in Bausch und Bogen hinaufgeschriebenen Ära Karin Beiers. Der Gemischtwarenladen experimentalistischer Zumutungen diverser, prätentiöser Regieteams ist kaum noch zu unterscheiden.
Soll das Theater auf lange Sicht ohne Zuschauer stattfinden, oder was?

Freitag, 15. Januar 2010

Atom Asse

Warum warnten schon vor Jahrzehnten Wissenschaftler und Bewohner dieses Landes vor der Atomkraft? Die Industrie trieb ihre Gier und ihren Zynismus auf die Spitze und fing an zu dichten: "Atomkaftgegner überwintern bei Kerzenlicht und kaltem Hintern". Das ist Kreativität, das ist witzig.

Kaum ein Hintern überlebte nach dem GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl, eine Atomkatastrophe, die eigentlich nicht vorkommen durfte, also auch nicht vorkommen konnte. Chance eins zu eine Million oder eins zu einer Milliarde, egal. Eigentlich. Aber einer gewinnt irgendwann doch immer den Jackpot. Diesmal die Mai-Spaziergänger von Tschernobyl.

Warum warnten Wissenschaftler und fragten immer wieder nach dem Verbleib des Atommülls, der auch, wenn man ihn in Fässer steckt, strahlt, Millionen Jahre. Aber Asse, der Salzstock, wo hunderttausend Fässer herumliegen, wird schon jetzt brüchig, es dringt Wasser ein, die Fässer rosten. Konnte keiner ahnen.
Nein. Es kann nur keiner hören. Wie immer.

Samstag, 9. Januar 2010

Kulturhauptstadt Ruhr

Die Eröffnungsfeier. Im Schnee. Draußen. Sehr reizvoll. Besser als, wie immer, in einem überdachten Stadion mit üblicher Massenhysterie zu dünnem Programm.
In 'Zeche Zollverein' fehlt nur die Massenhysterie. Und die Show? Projektionswände, natürlich, die ausgleichen sollen, was die Darsteller nicht schaffen. Auf Tonnen herum klopfen zwischen Feuerfontainen (auf den Projektionstafeln sieht man Stahlarbeit), laangweilig. Dann tanzen junge Menschen vor den Tonnen (auf den Projektionstafeln tanzen junge Menschen im Club), laangweilig, dann, natürlich Rap-Gelaber von noch jüngeren Menschen, gaanz langweilig. Regisseur ist ein Professor von der Folkwang-Schule, der von Höhepunkten oder einer Inszenierung offenbar noch nie gehört hat. Zum Schluss, natürlich, Grönemeyer mit Sinfonie-Orchester. Komm zur Ruhr.

Statt Köln. Jetzt werden Köln und seine Kulturschaffenden noch einmal schmerzhaft daran erinnert, wie kläglich die Bewerbung Kölns damals scheiterte. Köln konnte sich noch nicht einmal regional durchsetzen.

Der Ressortleiter des Kölner Stadt-Anzeigers, Martin Oehlen schrieb damals:
"Die gesamte freie Szene ist der Leuchtturm". Es wäre die Kraft vieler Individuen, vieler Köpfe, die erfinden wollen, die mit Publikum kommunizieren wollen, gefragt gewesen.
Auf diese Vielfalt aber wollte keiner setzen. Die Kulturverwaltung hatte nur sich selbst im Auge und ging so weit, zu Beginn des Bewerbungsprozesses als Vertreter der 'freien Szene' nur den Leiter des Kulturamtes zulassen (!).

Nach entsprechenden Protesten von real existierenden Vertretern der 'Freien' wurde von der freien Szene ein so genanntes freies 'KulturNetz Köln' gegründet, das nach ein paar guten frei entwickelten Gedanken in den üblichen Debatten stecken blieb. Wer vertritt uns? Und vor allem: Wer nicht? Selbst Aktionen, wie etwa bis zur Respektierung freier Arbeit das 'K' in allen Verlautbarungen spiegelverkehrt zu schreiben, blieben eine subversive Idee. Die Verwaltung verwaltete, die Künstler liefen hinterher.

Ein Intendant wurde eingesetzt: Franz Xaver Ohnesorg, der sich nur um Hochkultur kümmern wollte, wenn überhaupt. Die Wirtschaft hielt sich sowieso zurück. Die Politik blieb ratlos, beauftragte die Verwaltung und die schuf sich ein paar zusätzliche Stellen. Die Künstler liefen hinterher.

Dann wurden 11 'Kulturbotschafterinnen' (11 Jungfrauen - lustig!) ins Leben gerufen, von denen sich eine durch Querelen im eigenen Lager auszeichnete, eine andere von vorne herein Werbung für eine andere Kulturhauptstadt machte, sich der Rest in Schweigen hüllte und für den Express (der sonst über Kultur schon gar nicht mehr berichtete) ablichten ließ.

Die Politik hatte auch eine Idee und warb mit Rhein, Brücken und Dom. Die Künstler liefen hinterher. Ihre Forderung an die Verwaltung, erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen, steht bis heute im Raum.

Es wurde weiter lustig gegründet. Zum Beispiel Kooperativen. Städtische, freie Vertreter und 'Querdenker' (wer denkt sich so etwas aus?) sollten gemeinsam Programme schreiben. Die Verwaltung brauchte unbezahlte Hilfskräfte. Übrig blieb von dem Ausgedachten und Quergedachten - nichts. Die Stadt veröffentlichte eine Hochglanzwerbeschrift in der etwas über Museen und Kölsch zu lesen stand und über eine 'Umstrukturierung der freien Theaterszene'.
Wer wollte das wissen? Da fragte sich selbst der geneigteste Leser, ob die Veranstalter nicht auf die Couch gehörten.
An Kultur interessierte Menschen machen sich auf ins Ruhrgebiet.

Zumindest ist das ab heute möglich und sinnvoll. Glückauf.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Erzähl eine Geschichte

Ich bin nicht gut im Geschichten erzählen.
Es war einmal ein Mädchen in einem blauen Kleid. Nein, schrie sie.
Ich will keine rosa Tapete und keinen Prinzen und keinen Cowboy als Mann. Sie drehte den Fernseher lauter und schwieg. Musik klimperte eine melancholische Einsamkeitsmelodie. Die wurde lauter und lauter. Es wurde später und später.
Die Uhr lief. Das Kleid wurde ganz grau im Licht des letzten Filmes. Dann ging sie ins Bett unter die braune, gemusterte Decke, die unter der dicken, blauen Decke schwamm. Sie träumte von großen Reisen.
Das ist eigentlich schon alles.

Eine schöne Geschichte.

In einer fernen Stadt in der Nacht wenn die Geschäfte schließen, steht das Mädchen mit einem anderen Mädchen zusammen an der Eingangstür der Bäckerei und spricht noch ein paar Worte. Man wird sich morgen wieder sehen. Schürze aus, Tür zu.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.