Sonntag, 29. Juli 2018

Tor!

Ich bin doch nur Fan des FC Arsenal, einfacher Fußballfan - und froh, wenn die Spieler nur spielen und nicht ständig reden oder posten oder twittern oder Fotos machen. Und jetzt Özil. Özil ist der Kapitän und schieß ein Tor. Und mich freut’s.

Wie war das früher? Tony Woodcock, Tony Adams, Thierry Henry, rotweiße Leibchen, Highbury, Meisterschaft - normal. Toller Fußball. Und jetzt? Mintgrüne Ausweich-Leibchen, Ärmelsponsor, rosa Binde, Emirates auf der Brust, Bürsten auf dem Kopf, ausrasierte Nacken, Tatoos auf jedem Flecken Haut. Die ständig sich bekreuzenden Torschützen und Auswechselspieler hab ich noch unter Folklore abgehakt, aber mittlerweile ist der heilige Rasen zum Gebetsteppich geworden, passend zu den tätowierten Kreuzen, Schriftbildern, Marienbildchen, oh Gott... Was kommt noch? Die jüdischen Tottenham Hotspur spielen gegen das muslimische Arsenal?
Muss ich jetzt als Fan des FC Arsenal konvertieren?
Die wollen nur spielen und ich will nur zuschauen. Oba auf Özil: Tor.
Oba ist eben ein Wilder. Und Özil kämpft gegen den Faschismus. Wie wir früher. Also: Alles gut.

Dazu kommen noch so ein paar Kleinigkeiten. Denn dass der Ärmelsponsor Ruanda die Hälfte der britischen Entwicklungshilfe, etwa 35 Millionen, dem englischen Club überweist, um mit ihm für den Tourismus zu werben, ist doch auch normal, oder? Warum soll ein armes Land nicht auch Sponsor sein können. Nur weil die Kolonialisten sich mal wieder paternalistisch aufspielen müssen? Fußball hat ohnehin keine Moral mehr. Weiß ich doch. Bei Scheiß Chelsea sieht es noch viel schlimmer aus.

Wenn Arsenal um die Meisterschaft spielt, werde ich ohnehin alle Bedenken über Bord werfen. Ich kenn mich doch.
Ich kann nicht anders.
Und Özil? Wie glücklich er von der Bank in die Kameras gewinkt hat, als ihm die Fans im Stadion zujubelten.
Da war er wieder, der Siegertyp, also der echte Engländer.
Ich habe ihn schon immer gerne spielen sehen, den Melancholiker, der so wundersame Pässe spielen kann. Und ich war froh, dass er für die Gunners aufläuft.

Hashtag #WirSindÖzil - nein, so schlimm muss es dann doch nicht kommen. Ich bin nicht Özil. Und Emr Can, der sich eben nicht mit Erdogan getroffen hat, auch nicht - und der kurdische Fußballspieler Deniz Naki ebensowenig.

Deniz Naki nennt Erdogan einen "Völkerrechtsbrecher" und wurde dafür im Netz "kurdischer Terrorist" genannt.
Der Ex-Profi (Amed SF, Bayer Leverkusen, FC St. Pauli) stellt Mesut Özil im Netz die Frage, warum er nicht auch in der Türkei gegen Rassismus aufstehe. Er schreibt: "In deiner Erklärung gehst du berechtigt auf den dir begegneten Rassismus und deine diesbezüglichen Gründe ein, die Nationalmannschaft zu verlassen. Wieso zeigst du diese Reaktion nicht, wenn es in der Türkei immer mehr zu rassistischen und faschistischen Angriffen auf mich oder auf kurdischstämmige oder zu anderen Minderheiten gehörenden Fußballern kommt?"

Naki ist in der Türkei lebenslang für den Fußball gesperrt.
Özil spielt in England um die Meisterschaft. Hoffentlich. Was bewegt mich mehr?
Mit dem 1.FC Köln wird das ja wohl nichts mehr. Zumindest nicht so bald.

Mittwoch, 25. Juli 2018

Glattbügelpresse

Was ist los? Unter der Prügel von rechts, unter dem ununterbrochenen Geschrei von ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ sind die Medien offenbar schon von alleine dabei zusammenzubrechen, sich selbst abzuschaffen.

Noch werden Sender nicht abgeschaltet von rechtsnationalen Idioten. Sie haben nicht die Macht. Aber unsere Medien verschaffen ihnen gerade diese Macht, freiwillig. Sie geben keiner Partei eine größere Plattform als der rechtsnationalen AfD. Als ob sie um ihre Abschaltung und gleich um die Zerstörung der Demokratie betteln wollten.

Parlamentsdebatten haben ausgedient, dafür gibt es ja die Talkshow.
Der Chef des ARD-Politmagazins „Monitor“, hat zuletzt kritisiert, dass in Talkshows nur noch Schlagwörter aus dem rechtsnationalen Spektrum als Überschriften taugen. „Ich teile die Kritik dass mit der Übernahme von Begriffen wie 'Flüchtlingsflut' ... rassistische Kampagnen der AfD verstärkt werden“, sagt Georg Restle und findet das widerwärtig.

Natürlich - auch vorher haben die Medien schon fleißig gebettelt und ein Netz der Dummheit gesponnen. Die Kastelhuber Spatzen pfeifen es schon lange von den Dächern. Schlimm genug, dass wir uns die weiße Massai, das Traumhotel, oder das Traumschiff bieten lassen müssen, klebriger, klumpiger Kolonialkitsch. Herzkino à la Leni Riefenstahl. Der bildungsferne Zuschauer ist begeistert. Fernsehen eben. Und YouTube für ihre Kiddies eben mit Hip Hop Gangsta Rassismus. Alles normal.

Seit einiger Zeit aber zieht das Tempo an, jetzt wird es Ernst.
Jede Talkshow ein Gruselkabinett. Nur noch die Säcke und Besen aus den Reihen neuer Nazi Parteien. Zur besten Sendezeit dürfen sie hetzen und dementieren.

Noch höher die Quote in der Halbzeitpause eines WM-Spiels - da wird natürlich ein Interview mit dem Rechtsnationalen Hassprediger Gauland fällig.
Und im Juli taucht tatsächlich der rechtsnationale Sprecher der AfD in einem Sommerinterview der ARD auf. Seid ihr noch ganz dicht? Dicht sind hier offenbar die Grenzen des Verstandes. Meuthen bestätigt, er sei für eine Kooperation mit der italienischen ‚Lega‘, sie hätten die gleichen Ziele. Die Journalistin, die das Interview führt, ist nicht in der Lage dieses Bündnis als das zu benennen was es ist, das Bündnis mit einer faschistischen Partei, oder, noch besser, das Interview an dieser Stelle zu beenden, um klar zu machen, ein Abgeordneter, der sich mit einem Parteichef solidarisch erklärt, der Flüchtlinge „absaufen“ lassen will und diese als „Menschenfleisch“ bezeichnet, hat kein Recht mehr, als Gesprächspartner Ernst genommen zu werden.

Eine Partei, die menschenverachtende Politik betreibt, sich der Sprache der Nazis bedient, ist keine ganz ‚normale‘ Partei. Wann begreift ihr das endlich? Mit Hetzern kann es kein ‚Gespräch‘ geben. Aber das Fernsehen besäuft sich an seiner eigenen Ausgewogenheit, bis es untergeht.

Montag, 23. Juli 2018

Trump beherrscht die Welt

Ein neuer politischer Stil. Und alle machen mit.
Keine Begegnungen mehr, keine Augengespräche, keine Presserklärungen.
Trump hat es vorgemacht und alle folgen. Politiker twittern die Gesetze, posten den nächsten Panzereinsatz und teilen den nächsten Regierungs-Tweet.

Es wird nur noch getwittert und gezwitschert. Großartiger Junge. Kompletter Versager. Fantastische Deal. So in der Art. Big Day. Big Deal. Big Daddy. So sad.
Früher stand auf den amerikanischen Bomben: Peace Maker. Die Botschaft erreichte den Empfänger noch etwas schneller und war auch verständlicher. Ein explosiver Tweet sozusagen.

Hier in Deutschland steht zumindest noch auf den Dosen: Mindestens haltbar bis... 
Asyl Tourismus, Herrschaft des Unrechts... Mindestens haltbar bis 1945? Nein. „Umvolkung“ „Lügenpresse“... gibt’s heute noch.

Seehofer wehrt sich gegen ‚Sprachpolizei‘.
Gute Idee: Sprachpolizei - und Sprachabschiebungen. Weidel, Höcke, Gauland - ab nach drüben.

Sonntag, 22. Juli 2018

Fraschnullige Pengagine

Fraschnullige Pengagine sind großartig. 

Unbekannte Lebensformen beinahe. Und damit das so bleibt, wehre ich mich gegen Autokorrektur. Die Pengagine sind eben keine Pentagone, sie sind einmalig. Und wenn sie erst einmal fraschnullig sind... toll. Das muss man gesehen haben. Entschuldigung. Das ‚Man‘ natürlich mit von beiden Händen mit jeweils zwei Fingern in die Luft gemalten „Gänsefüßchen“. Und vielleicht mit schief gelegtem Kopf. Oh. So sieht der Sprechende schon fast so aus wie ein fraschnulliger Pengagin. Und kein Bengalin. Die Welt ist schon über und über bevölkert mit unfraschnulligen Nicht-Pengaginen.

Nachdem die piepsende Enten und quakende Gänse an schlechtem Geschmack zugrunde gegangen sind, hatten auch die röhrenden Ratten kaum noch eine Überlebenschance, obwohl sie verzweifelt zwischen Sportstudios und Mama hin und her wetzten, sich das Fell bis auf eine Bürste auf dem Kopf über die Ohren ziehen - und dann die übriggebliebene nackte Haut mit dummen Sprüchen und Bildchen verzieren ließen. ‚Verzieren‘ natürlich mit von beiden Händen mit jeweils zwei Fingern in die Luft gemalten „Gänsefüßchen“. Aber ohne schief gelegten Kopf, das sähe schwul aus. Und dann wären ja alle wie alle. Und wie alle will ja keiner aussehen. Also wollen alle so aussehen wie alle anderen. Und auf diese Weise gibt es nur wenige fraschnullige Pengagine. Aber die haben es in sich. 

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.