Mittwoch, 25. Juli 2018

Glattbügelpresse

Was ist los? Unter der Prügel von rechts, unter dem ununterbrochenen Geschrei von ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ sind die Medien offenbar schon von alleine dabei zusammenzubrechen, sich selbst abzuschaffen.

Noch werden Sender nicht abgeschaltet von rechtsnationalen Idioten. Sie haben nicht die Macht. Aber unsere Medien verschaffen ihnen gerade diese Macht, freiwillig. Sie geben keiner Partei eine größere Plattform als der rechtsnationalen AfD. Als ob sie um ihre Abschaltung und gleich um die Zerstörung der Demokratie betteln wollten.

Parlamentsdebatten haben ausgedient, dafür gibt es ja die Talkshow.
Der Chef des ARD-Politmagazins „Monitor“, hat zuletzt kritisiert, dass in Talkshows nur noch Schlagwörter aus dem rechtsnationalen Spektrum als Überschriften taugen. „Ich teile die Kritik dass mit der Übernahme von Begriffen wie 'Flüchtlingsflut' ... rassistische Kampagnen der AfD verstärkt werden“, sagt Georg Restle und findet das widerwärtig.

Natürlich - auch vorher haben die Medien schon fleißig gebettelt und ein Netz der Dummheit gesponnen. Die Kastelhuber Spatzen pfeifen es schon lange von den Dächern. Schlimm genug, dass wir uns die weiße Massai, das Traumhotel, oder das Traumschiff bieten lassen müssen, klebriger, klumpiger Kolonialkitsch. Herzkino à la Leni Riefenstahl. Der bildungsferne Zuschauer ist begeistert. Fernsehen eben. Und YouTube für ihre Kiddies eben mit Hip Hop Gangsta Rassismus. Alles normal.

Seit einiger Zeit aber zieht das Tempo an, jetzt wird es Ernst.
Jede Talkshow ein Gruselkabinett. Nur noch die Säcke und Besen aus den Reihen neuer Nazi Parteien. Zur besten Sendezeit dürfen sie hetzen und dementieren.

Noch höher die Quote in der Halbzeitpause eines WM-Spiels - da wird natürlich ein Interview mit dem Rechtsnationalen Hassprediger Gauland fällig.
Und im Juli taucht tatsächlich der rechtsnationale Sprecher der AfD in einem Sommerinterview der ARD auf. Seid ihr noch ganz dicht? Dicht sind hier offenbar die Grenzen des Verstandes. Meuthen bestätigt, er sei für eine Kooperation mit der italienischen ‚Lega‘, sie hätten die gleichen Ziele. Die Journalistin, die das Interview führt, ist nicht in der Lage dieses Bündnis als das zu benennen was es ist, das Bündnis mit einer faschistischen Partei, oder, noch besser, das Interview an dieser Stelle zu beenden, um klar zu machen, ein Abgeordneter, der sich mit einem Parteichef solidarisch erklärt, der Flüchtlinge „absaufen“ lassen will und diese als „Menschenfleisch“ bezeichnet, hat kein Recht mehr, als Gesprächspartner Ernst genommen zu werden.

Eine Partei, die menschenverachtende Politik betreibt, sich der Sprache der Nazis bedient, ist keine ganz ‚normale‘ Partei. Wann begreift ihr das endlich? Mit Hetzern kann es kein ‚Gespräch‘ geben. Aber das Fernsehen besäuft sich an seiner eigenen Ausgewogenheit, bis es untergeht.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.