Mittwoch, 30. Januar 2019

Gedenkt der Abgaswerte!

Jeden Tag sind wir mit Gedenktagen konfrontiert. Jeden Tag mit einem anderen, wichtigen Gedenktag. Irgendwann aber, spätestens am Welttoilettentag (19. Nov), beschleicht uns ein Unbehagen. Immer wieder gedenken? Nein. Also auf zum Gegenteil-Tag (25. Jan). Und dann? Tipp: Wir tippen wir einen bösen Tweet, am besten am Mit-Der-Hand-Schreiben-Tag und dann regen wir uns richtig auf, schreien den nächsten an, der uns über den Weg läuft und schreiben anschließend in unserem Blog was wir am Weltknuddeltag (21. Jan) erlebt haben. 

Manchmal geht es aber auch um Moral, am 27. Januar ist internationaler Gedenktag der Opfer des Holocaust. Den konnte die AfD noch nicht verhindern und auch nicht, dass wir durch die amerikanische Serie gleichen Namens lernen, was damals geschah.
Trotzdem zeigt eine Untersuchung: 40% der jungen Menschen wissen mit dem Begriff 'Auschwitz' überhaupt nichts anzufangen. Vielleicht verstehen sie gerade noch das Wort 'Witz', das steckt ja drin, im Wortschatz des Grauens. Und wenn die Hälfte der Schüler, die den Film sehen sollen, nach der Hälfte des Films den Saal verlassen haben, weil sie nicht weinen wollen, damit die Schminke nicht verläuft, dann wissen wir: Es gibt noch viel zu tun. Das Thema gehört in die Schule und in die Medien. 

Was aber passiert in den Schulen? Warum wissen die Schüler nichts mehr? Entweder die Lehrer reden lieber über Nachhaltigkeit und Achtsamkeit, statt über ein KZ, oder sie reden doch davon, erreichen aber kaum jemand, weil schon 40% der Schüler erst einmal zum Ohrenarzt gehen müssen. Und die Medien?
In ARD und ZDF kommt es an diesem Tag wie es kommen muss: Alle bekannten Runden der Talkshow-Industrie laden die üblichen Verdächtigen zur Diskussion und widmen sich dem Thema: ABGASWERTE.
Punktlandung. Holocaust und Abgaswerte. Da werden geradezu zwei Fliegen mit einer Klappe...
Und deutsche Ärzte sind wie immer dabei. Deutsche Lungenfachärzte. Wegen der Fakten. Deutsche Weißkittel haben nämlich veröffentlicht: die Grenzwerte sind zu streng. Abgase seien nicht so gefährlich. Prompt tritt der bescheuerte CSU-Minister (keine Witze mit Namen, ist aber Fakt), er tritt also nicht zurück, sondern nach und vor die Presse, dankt den Ärzten und kündigt an, sofort die Werte überprüfen zu lassen, von wegen der neuen Fakten. 

Man könnte auf Gedanken kommen... Ärzte, Minister, gemeinsame Sache... Unsinn – wir leben schließlich in einer Demokratie...
Allerdings: Die Grenzwert-Diskussion hatten wir schon zum Thema Feinstaub, Rauchen, Atomkraft. Erinnern sie sich?

Fakt ist: Auch Unterhalb aller verordneten Grenzwerte wird der Organismus beeinträchtigt, von jeder Art Schadstoffen, Strahlung oder Giften - immer, in jeder Konzentration, jenseits aller beschlossenen Zahlenspiele. Ja sogar Fett oder Alkohol kümmern sich nicht um Grenzwerte.
Internationale Fachärzte haben diese Binsenweisheit noch einmal ausdrücklich bestätigt und widersprechen den deutschen Kollegen.

Aber „Internationale Ärzte“ - das klingt nach... internationaler Verschwörung, also nach Verrat und Lüge. 
Wir bleiben doch besser bei den Fakten. Wie immer.

Samstag, 5. Januar 2019

Merkel ist weg - bald!

Bald ist es soweit. Merkel wird nicht mehr Kanzlerin sein, sondern nur noch Frau Merkel. Was das für Konsequenzen hat... Das können wir uns noch gar nicht vorstellen.
Frau Merkel will nach der Kanzlerschaft partout kein politisches Amt mehr bekleiden und auch nicht in die Wirtschaft wechseln. Mein Gott, was ist denn da so schwierig? Braucht sie denn wieder eine Extrawurst...
Warum kann sie nicht einfach wie jeder andere in einem Aufsichtsrat korrupt werden, oder in einer Bank Insidergeschäfte machen, oder ein Angebot von Putin annehmen? Aber weder Gas noch Öl noch Schalke können sie locken. Was um Himmels Willen kann sie locken? Ein gemütliches Zuhause? Aber da wartet doch nur ihr Mann...

Apropos Mann. Was wird ihr Mann bloß tun, wenn sie nach Hause kommt, wenn sie zuhause bleibt? Er wird natürlich weiterforschen und - seine Frau beim Frühstück genau beobachten. Denn er wird sie dann nicht mehr nur zu den Bayreuther Festspielen zu Gesicht bekommen. Eine völlig neue Erfahrung. Ein geradezu physikalisch-psychologisches Experiment. 

Wie wird er reagieren in einer solchen Versuchsanordnung? Er wird sich vor den Spiegel stellen und selbstbewusst sagen können: Ich bin Sauer, ich bin ein Mann, denn er muss ab sofort kein Damenprogramm mehr absolvieren. Das Leben wird für ihn ein völlig anderes werden. Sein Leben wird das Leben der Anderen. Er findet sich in einem völlig neuen Film wieder: Mama ante Portas.

Wird er nervös werden, wenn sie ruhig am Wohnzimmertisch sitzt, mit den Fingern eine Raute formt und sich partout nicht beeilen will? Sie wird noch nicht einmal eine SMS schreiben wollen.
„Wirst du jetzt immer zu Hause sein“, fragt er irritiert.
„Ja“, sagt sie. „Auch Nachmittags?“
„Ja“, sagt sie, und blättert interessiert in einer Zeitung, in der von Chaos in Frankreich und Rücktritten in England und Rausschmissen in den USA zu lesen ist. Dann wird sie einkaufen gehen. „Meine sehr verehrten Damen und Herren. Mein Name ist Merkel und ich kaufe hier ein. Wo finde ich die Kartoffeln?“
Ein Verkäufer mit ausrasiertem Nacken schreit hinter dem Regal: „Hau ab“ und die Kassiererin flüstert „Merkel muss weg“. Die Kundschaft aber protestiert. „Lasst die Frau. Wir schaffen das.“
Das Leben in Deutschland wird nicht mehr sein wie es einmal war.

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Theaterleiter und Regisseur, Autor, Zeichner und Sänger.